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Geteiltes heiliges Land

Leben und famulieren in Israel

Holger Priebe

Geteiltes heiliges Land

© Najor John / PIXELIO
Auf dem Weg zur Ruhr-Uni Bochum erzählte mir ein palästinensischer Kommilitone vor den Semesterferien von seinen Plänen, seine Familie zu besuchen. Er sprach mit einer solchen Leidenschaft von seiner Heimat, dass ich ihn mehr scherzhaft fragte, ob ich ihn nicht begleiten könne. Er willigte sofort ein. Also kam ich mit. Es sollte ein wahres Abenteuer werden!

Versorgung der palästinensischen Einwohner

Da war ich nun. Mit zwölf Stunden Verspätung am Ben Gurion Airport in Tel Aviv gelandet. Nach massiven Flughafenkontrollen war ich umgeben von zahlreichen orthodoxen Juden mit ihren religiösen Bärten, Kippas und der schwarzen Kleidung, die wild durcheinander liefen. Doch schnell fand ich darunter den Bruder des Kommilitonen, bei dem ich wohnen durfte.
Eine Sechs-Betten-Intensivstation gab es ebenfalls. Das Krankenhaus unter der Leitung von Dr. Aziz Ashoufani ist eines der drei Häuser, das die Versorgung der palästinensischen Bevölkerung gewährleistet. Die jüdischen Krankenhäuser akzeptieren nur palästinensische Notfallpatienten. Die Fachsprache und Dokumentation geschieht auf Englisch, während die Angestellten selbst Arabisch miteinander reden. Die Ärzte des Hauses hatten in Deutschland, Australien oder Großbritannien studiert, so dass die Kommunikation mit ihnen kein Problem war. Ich wohnte im zehn Kilometer entfernten Anata, einem palästinensischem Städtchen mit angeschlossenem Flüchtlingslager, beim Bruder meines Kommilitonen. Das Dorf ist von einer etwa sechs Meter hohen Betonmauer eingeschlossen und kann nur durch die jüdischen Militärcheckpoints verlassen werden, da es ein Teil der so genannten Westbank ist. Hier gibt es keine Polizei, keine Feuerwehr, keine Müllabfuhr oder sonstige Einrichtungen. Das Leben ist von Armut geprägt. Die Menschen waren jedoch sehr herzlich, sobald sie ihr anfängliches Misstrauen überwunden hatten. Jeder beobachtete den „Neuen“ im Dorf und lud mich ein, sobald ich vorgestellt wurde.

Täglich durch die Militärkontrolle

Krankenwagen fahren nur in diese Gebiete, wenn sie Polizeischutz geleitet. Jeden Morgen musste ich die militärischen Checkpoints passieren, um das Krankenhaus zu erreichen.

Sogar in der Klinik drehte es sich allmorgendlich um die neuesten Erlebisse in eben diesen Kontrollpunkten. Kaum zu glauben: Nicht mal Krankenwagen hatten Vorrang an diesen Checkpoints! Während bei uns versucht wird, bei Infarkten die Zeit zwischen Infarkt und Therapie so kurz wie möglich zu halten, wurde den Kardiologen hier ein HI angekündigt, der aber erst zwei Stunden später eingeliefert wurde, weil der Krankenwagen verdächtigt wurde, Waffen an Bord zu schmuggeln!
Außerdem war es unvorhersagbar, wann die ersten OPs beginnen würden. Oft wartete man auf das Personal, welches in den „Points“ feststeckte. Als Famulus musste man in der Klinik auf alles gefasst sein. Morgens wurde man entweder dem Ambulanzdienst zugeteilt oder folgte den Ärzten in den OP. Neben den üblichen Famulaturarbeiten wie Blutabnehmen oder Nähen durfte man auch mal spontan dem Neurochirurgen assistieren, bis kurzerhand ein Arzt anderer Fachrichtungen wie Urologie, HNO, Orthopädie oder Chirurgie direkt in den OP gerannt kam und einen entführte, um bei etwas anderem assistieren zu lassen oder mir etwas zu zeigen. Die Lehrbereitschaft des Personals war beeindruckend – einem deutschen Medizinstudenten eher unbekannt. Man gilt hier offensichtlich als Hilfe, nichts als zusätzlicher, widerwillig akzeptierter Stressfaktor.
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