Innere PJ in der Schweiz
Leben und Arbeiten in einem 3000-Seelen-Dorf
Silke Otremba
Dienste, Bezahlung, Unterkunft und Co.
Dazu kamen noch die Dienste/ Rufbereitschaft, die man 1-2x pro Woche hatte, plus 1 komplettes Wochenende pro Monat Dienst. Die Dienste waren sowohl medizinisch, als auch chirurgisch, so konnte man sich schon mal nachts um drei bei einer Sectio im OP wiederfinden. Beim Wochenenddienst war morgens um 10:00 Uhr Dienstbeginn und Visite und ging so lange, bis man alle Arbeit (Eintritte, Verordnungen etc.) erledigt hatte. Das konnte nach drei oder nach 10 Stunden sein, je nachdem wie viele Notfälle etc. eintrafen.
Bezahlung
Es gab 1000 Schweizer Franken, davon wurden noch Renten- und Unfallversicherung, sowie Kosten für Unterkunft abgezogen. Es blieben etwa 640-650 SF netto übrig. Allerdings ist die Schweiz ein sehr teures Pflaster, so dass das Geld eigentlich meist für das tägliche Leben (Essen etc.) draufging.
Unterkunft
Wurde vom Spital zur Verfügung gestellt, wir wohnten mit mehreren PJ´lern/ Rettungsassistenten/ Schwestern in einer Art WG, die Wohnungen waren schon relativ „abgenutzt“, aber dafür direkt gegenüber vom Spital.Freizeit, Wohnort und Fazit
Freizeit: War mit den ganzen Diensten relativ knapp bemessen, aber wenn man das Wochenende frei hatte, konnte man sich viele schöne Städte/Gegenden anschauen, die Schweiz hat da einiges zu bieten, oder dem Skisport frönen. Leider war dieses Jahr extrem wenig Schnee, so dass das eher weniger der Fall war. In Thusis selbst gab es ein paar Geschäfte (die nur bis 18:00 Uhr aufhatten und auch Mittagspause machten!), ein paar Restaurants und ein kleines Programmkino, das 3x die Woche Filme zeigte. Nicht schlecht für ein 3000-Seelen-Dorf, aber der „Thusis-Koller“ übermannte jeden irgendwann mal.
Zur Not konnte man ja auch nach Chur fahren, was allerdings auch nicht gerade der Nabel der Welt ist.
Das Personal: Extrem nett!!! Ich habe noch nie vorher in einem Krankenhaus mit einem so netten Betriebsklima gearbeitet. Ärzte und Schwestern verstanden sich prima und der Chef war super!
Die Sprache: Der Dialekt ist sicher sehr gewöhnungsbedürftig, aber ich bin ganz gut zurechtgekommen. Andere PJ´ler aus Deutschland haben etwas Schwierigkeiten zu Anfang gehabt, aber nach etwa 2 Wochen versteht jeder die Sprache gut. Ansonsten wird in Graubünden noch Rätoromanisch und Italienisch gesprochen. Ich hatte Spanischkenntnisse, da konnte ich mich mit der italienisch sprechenden Bevölkerung ganz gut verständigen.
Fazit: Es war eine super Zeit, ich habe unheimlich viel gelernt, vor allem praktisch, durfte sehr viel selbständig arbeiten und auch Verantwortung für eigene Patienten übernehmen. Es war natürlich recht viel Arbeit, aber es hat sich sehr gelohnt. Und die Schweiz ist ein sehr schönes Land, die Leute haben ihre Eigentümlichkeiten, die aber äußerst sympathisch sind. Die Schweiz ist zum PJ und auch für das AiP sehr empfehlenswert (es gibt dort kein AiP, nach dem Studium wird man dort gleich Assistenzarzt mit dem entsprechend besseren Gehalt).
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