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Mit der Famulatur hoch hinaus

Die Rocky Mountains rufen!

Anne Pabst

Klinische Erfahrungen

© sunblume/ PIXELIO

Klinische Erfahrungen noch und noch

Wenn in der Chirurgie mal nichts zu sehen war, wanderte ich einfach in eine andere Abteilung und war da sofort willkommen, Jeder (ausschließlich jeder!) erklärte bereitwillig Krankheitsbilder, Diagnosen und Untersuchungstechniken. So habe ich in drei Wochen nicht nur alle möglichen alltäglichen chirurgischen Eingriffe gesehen, sondern zusätzlich den Augenärzten, Orthopäden, Anästhesisten, Gynäkologen, dem Radiologen und dem Team der Notaufnahme über die Schulter geblickt. So habe ich alleine eine Biopsie nehmen dürfen, zwei Schwangere geschallt, Gips angelegt, unter Anleitung Patienten intubiert und händeringend versucht ein verdrehtes Ovar zu detorquieren. Natürlich hat mich diese Famulatur noch einige andere Sachen gelehrt. Papierkram gibt es überall und Deutschland ist nicht wirklich mehr bürokratisiert als das medizinische System in Amerika.
Dennoch sind die Ärzte dort sehr viel mehr auf den Patienten fixiert. Das gilt für die Betreuung vor und nach den Operationen genauso wie Schmerztherapien und Hospizbesuche. Das mag zum einen daran liegen, dass es in Amerika sehr viel leichter ist, einen Arzt zu verklagen und Millionen einzufordern. Zum anderen gibt es nach wie vor keine Krankenversicherungspflicht und gerade in Montana haben 60% der Bevölkerung keinen oder nur einen minimalen Versicherungsschutz. Da ist es wichtig zum Patienten eine gute Beziehung zu haben, denn einklagbar ist dieses Geld in der Regel für den Arzt nicht und wird in diesem Krankenhaus vom erwirtschafteten Gewinn bezahlt. Da verwundert es auch nicht, dass eine Sterilisation für alle männlichen Bewerber bei einer Tombola verlost wurde, um so Werbung für die chirurgische Abteilung zu machen! Komisch war auch den riesigen Lastwagen zu betreten, der zweimal die Woche auf dem Parkplatz des Krankenhauses stand – das fahrende MRT.

Abschluss und Fazit

So eine Anlage wäre für ein Krankenhaus viel zu teuer und aufwendig, daher haben sich mehrer Krankenhäuser zusammengetan und ein solches Monstrum gemietet. Dieses fährt die ganze Woche von einem Krankenhaus zum nächsten - und es funktioniert.

Gelauscht (Foren)

Auslandserfahrungen
Ganz merkwürdig wurde es dann allerdings als es hieß, mittwochs fahren wir immer nach Idaho. Nun gut, die Grenze liegt nur eine Stunde südlich von Hamilton, aber was sollen Chirurgen aus Montana dort? Ganz einfach: operieren. Dieses kleine Krankenhaus kurz hinter der Staatengrenze ist noch viel kleiner als das in Hamilton und hat keinen eigenen Chirurgen. Daher fährt einer der Chirurgen einmal die Woche dorthin und operiert alle wartenden Patienten! Die Notfälle werden mit dem Hubschrauber direkt nach Hamilton transportiert und dieses System funktioniert ebenfalls!

Verrückt war diese Famulatur allemal. Und lehrreich! Die drei Wochen vergingen wie im Flug und ich hätte vieles dafür gegeben, länger zu bleiben. Und nicht eine Minute habe ich bereut, meine Auslandsfamulatur in einem so kleines Krankenhaus mitten in den Rocky Mountains zu machen!

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