Neurochirurgie auf Griechisch
Famulatur am Universitätskrankenhaus Heraklion
Sebastian Busse
Neurochirurgie, Griechisch
© nvollmert / PIXELIO
Nach mehreren Famulaturen in verschiedenen medizinischen Fächern in Deutschland entstand in mir der Wunsch, einmal an einem ausländischen Krankenhaus tätig zu sein. Dabei hatte ich kein spezielles Land ins Auge gefaßt, sondern ich wollte einfach einmal ein anderes System, eine andere Sicht und Herangehensweise erleben. Für Griechenland entschied ich mich, weil die Einreisebestimmungen (zur Einreise reicht ein gültiger Personalausweis) unproblematisch waren, ich, nachdem ich schon einmal dort gewesen bin, das Land und die Leute in guter Erinnerung hatte und nicht zuletzt, weil dort Plätze von DFA angeboten wurden. Im Vorfeld der Famulatur belegte ich einen von der Uni angebotenen „Medical English“-Kurs, was durchaus hilfreich war.
So begann ich Ende Februar mit einem Kommilitonen aus Deutschland, meinem Wunsch entsprechend, eine einmonatige Famulatur auf der neurochirurgischen Station des Universitätskrankenhauses Heraklion. Heraklion als Hauptstadt Kretas besitzt ein sehr modernes, schön gelegenes Krankenhaus. Die Famulatur wurde wie gesagt vom DFA vermittelt und dadurch hatten wir auch relativ wenige Probleme mit organisatorischen Dingen und eine kostenfreie Unterbringung. Nach unserer Ankunft wurden wir von unserer Kontaktperson vom Flughafen abgeholt und in unsere Unterkunft, einem Hotel, was überwiegend von Studenten bewohnt wurde, gebracht. Dieses lag im Zentrum Heraklions, während das Krankenhaus circa zehn bis fünfzehn Kilometer außerhalb gelegen ist. Auf den total überlasteten Straßen mußte man also täglich eine halbe bis eine Stunde für die einfache Fahrt mit dem Bus einplanen (Kosten pro Tag circa vier Mark). Essen konnten wir mittags kostenlos im Krankenhaus (wo das Essen meistens gut war), morgens und abends verpflegten wir uns selbst.
Alltag im Krankenhaus
Im Krankenhaus war montags, mittwochs und freitags Operationstag. Hierbei konnte man üblicherweise zuschauen, wobei sehr viel und bereitwillig erklärt wurde. Das fachliche Niveau dabei war, soweit ich dies beurteilen kann, sehr hoch. An den anderen Tagen war große Visite und Stationsalltag. Dabei gab es eigentlich keine richtige neurochirurgische Station, sondern die Patienten lagen im ganzen Krankenhaus verteilt, hauptsächlich in der Chirurgie, aber auch in der HNO, der Neurologie und in der Pädiatrie. Das war sehr hilfreich, da wir so Kontakt zu Ärzten verschiedenster Stationen bekamen, welche uns dann wieder interessante Fälle ihres jeweiligen Fachgebietes vorstellten. So dauerten die Visiten immer ziemlich lange, da sich immer auch noch ein Besuch der neurochirurgischen ITS-Patienten und eine Röntgenbefundung anschloß. Nachmittags bestand die Möglichkeit, den diensthabenden Arzt in die Ambulanz zu begleiten. Hier konnte man kurze neurologische Untersuchungen durchführen und interessante anamnestische Fragen stellen, was jedoch nur bei englisch- oder deutschsprachigen Patienten möglich war. So war sicherlich die Verständigung etwas problematisch (ich spreche kein griechisch), was eine direkte Unterhaltung mit vielen Patienten ausschloß, aber uns wurde vonärztlicher Seite her sehr, sehr viel teils auf englisch, teils auf deutsch übersetzt. So wurden zum Beispiel die Visiten auf griechisch abgehalten, jedoch hat entweder ein Assistenzarzt leise gleichzeitig übersetzt oder der Professor abschließend am Patienten kurz zusammengefaßt. Ähnlich verliefen Weiterbildungen, Röntgenbefundungen und Operationsplanungen. Dabei gab man mir nie das Gefühl, daß dies eine große Belastung wäre. Ohnehin war das Arbeitsklima bei den Ärzten und Schwestern dieser Station sehr entspannt und angenehm. Das Ärzteteam bestand aus vier Assistenz- und Fachärzten, einem Oberarzt und dem Professor. Es war auch ohne Probleme möglich, stunden- oder tageweise andere Fachbereiche zu besuchen. Ich tat dies zum Beispiel in der Geburtshilfe und in der Notaufnahme.