PJ in Houston Texas
Chirurgie im Mai und Juni 2001
Sven Klebs
Meine Tätigkeiten
Meine Bewerbung für einen Monat "General Surgery" und "Trauma Surgery" imMemorial Hermann Hospital wurde akzeptiert. Für "General Surgery" z.B. befanden sich noch vier amerikanische Studenten aus dem dritten Jahr und eine Studentin aus dem vierten Jahr auf der Station, wobei die verschiedenen Abteilungen nicht unbedingt eine eigene Station haben. Ihre Patienten sind eher auf mehrere Stationen im Haus verteilt. Der Tagesablauf begann morgenskurz nach fünf auf Station (für Trauma sogar noch früher), wo man seineeigenen Patienten sehen und sich für die erste Visite um sechs vorbereitenmußte. Dazu wurde jeder Patient kurz untersucht (Herz, Lunge, Abdomen,Wunden, Drainagen etc.) und nach seinem Befinden und evtl. Beschwerdenbefragt. Laborwerte und Untersuchungsergebnisse des letzten Tages wurdenrecherchiert und letztlich eine "Progress-Note" in die Patientenaktegeschrieben. Diese folgen einem bestimmten Schema, welches sich aber rechtschnell erlernen läßt. Bei der Visite stellt man seine Patienten dannentsprechend kurz vor.Danach schloß sich hin und wieder eine Konferenz an, z.B. "Morbidity andMortality", auf der die chirurgischen Teams von Todesfällen undKomplikationen berichteten und sich den Fragen der Kollegen stellen mußten,ob evtl. eine bessere Versorgung des Patienten möglich gewesen wäre.Ein Teil der Studenten begab sich dann in den OP und der andere Teil in dieAmbulanz, in der die Chirurgen ihre Patienten prä- und post-OPeinbestellten. In der Ambulanz wurden die Patienten von uns Studentenuntersucht und die Anamnese in den Akten dokumentiert. Dann erfolgte dieVorstellung beim zuständigen Chirurgen.Im OP war man dafür zuständig Haken zu halten, Abzusaugen oder auch mal eineNaht zu machen. Im wesentlichen unterscheidet sich die Tätigkeit nicht vondem, was ich aus deutschen OPs kenne.
Insgesamt wird man ins Team eingebunden und fühlt sich nicht als Anhängsel.Es wird vielmehr erwartet, daß man gewisse Tätigkeiten gewissenhaft erfüllt (z.B. die Untersuchung der eigenen Patienten und das Informiertsein überderen Laborwerte und Untersuchungen).
Eine entspannte Arbeitsatmosphäre
Ein wesentlicher Unterschied lag für mich in der entspannteren Arbeitsatmosphäre. Jeder akzeptierte den Studentenstatus, man wurde gefragt,ob man dies oder jenes schon mal gemacht hatte und wurde freundlich undgeduldig angewiesen. Wenn man einen z.B. im OP einen Fehler machte oder imWeg stand, wurde man ruhig und freundlich darauf hingewiesen undVerbesserungsvorschläge gemacht.Das Team war sehr freundlich und bestand hauptsächlich aus jungen Ärzten, sodaß die Arbeit viel Spaß machte. Je nach eigener Geschicklichkeit, eigenemWissen und Wesen des Arztes durfte man dann mehr oder weniger invasiveSachen machen (wie. z.B. Thoraxdrainagen oder ZVKs im Trauma-Monat).Abhängig von Team und Studentenzahl war man dann auch mal hin und wieder mit„on call“ was jedoch nicht so schlimm war, da die diensthabenden Ärzte dieKleinigkeiten allein abgearbeitet haben und man so noch recht viel Schlafbekam.Die Verständigung mit den Kollegen war recht unproblematisch – natürlichdauert es einige Zeit, bis man sich in ein paar Termini eingefuchst hat.Aber auch mit den Patienten hatte ich keine wesentlichenVerständigungsprobleme.
Fazit:
Insgesamt habe ich in Texas eine tolle Zeit verbracht, die ich nicht bereue.Die Tätigkeiten, die man in den USA als Student machen darf, sind mit dendeutschen vergleichbar (letztendlich hängt viel von den einzelnen Ärzten unddem eigenen Engagement ab). Ich habe jedoch den Eindruck, daß dieArbeitsatmosphäre viel entspannter und das Klima für Studenten wesentlichfreundlicher ist, so daß manch langer Arbeitstag recht schnell vergeht. Fürmeine sprachlichen Fertigkeiten im „Medical English“ war dieser Aufenthaltauf jeden Fall von Vorteil.