PJ in Innerer Medizin in Tampa
PJ-Auslandsbericht 2002-2003
Delia Baleanu
Tag 2:
Öfters muss man die Anmeldung an der Uni auf den 2. Tag verlegen. Falls keine Wohnung vorhanden: Wohnungssuche, währenddessen bei einem anderen deutschen Studenten unterkommen. Z.Z. arbeitet eine amerikanische Studentin an einer Möglichkeit für die deutschen Studenten zumindest für eine Woche auf dem Campus im „Wohnheim“ unterzukommen, was bisher aus unerfindlichen Gründen nicht möglich war.Zum Off Campus Living Office im Argos Center auf dem USF Campus gehen, sich eine Wohnungsliste ausdrucken lassen und auch sonstige Angebote am Schwarzen Brett beachten. Man kann sich auch vorab per e-mail eine Liste schicken lassen und sich dann telefonisch aus Deutschland mit den Leuten in Verbindung setzen.
Klinische Erfahrungen in den Rotations
Dermatology (gehört in Florida zur Inneren Medizin)
In dieser rotation bekommt man anfangs einen Stundenplan, den man befolgen muss. Entsprechend Stundenplan rotiert man täglich in einer anderen Klinik (VAH, USF, Moffit, Health Care Park, Davis Blvd. Klinik), an manchen Tagen sogar innerhalb eines Tages in 2 Kliniken. Es ist ein outpatient service, das bedeutet, dass es keine Nacht- und keine Wochenenddienste gibt. Morgens beginnt die Klinik um 9.00 Uhr und dauert bis um 12.00 Uhr, am Nachmittag geht es weiter um 13.00 bis um 17.00 Uhr. Man wird ins kalte Wasser geschmissen, gerade in Kliniken wie das VAH, denn die Ärzte sind so beschäftigt, dass sie einfach keine Zeit haben, einen einzuweisen. Man zählt als vollwertiges Mitglied, das einem die Arbeit abnehmen und erleichtern kann. In Abhängigkeit vom attending wird man vor dem Patienten unterrichtet oder auch nicht, insgesamt gilt aber für die gesamte rotation: Das meiste bringt man sich selbst bei!
Am VAH und in der USF Klinik daf man gleichwertig mit den residents agieren, d.h. Biopsien machen, notes schreiben, etc. In anderen Kliniken wie Davis Blvd. Klinik beschränkt sich die Arbeit des Studenten auf die mündliche Mitarbeit und Mithilfe bei procedures wie kleine Ops, etc. Die Grand rounds alle 2 Wochen um 7.30 Uhr sind sehr interessant und lehrreich, es gibt auch andere lectures, die man besuchen kann - allerdings ist alles mit einem erheblichen Fahraufwand verbunden. Im Nachhinein würde ich die rotation trotz mangelnder Zuwendung empfehlen, aber nicht als erste rotation in den USA, da alles sehr verwirrend am Anfang sein kann-man kennt die Kliniken nicht, man kennt die Stadt nicht und man muss überall hin, ohne wirklich die Zeit zu haben, sich an einem Ort einzuarbeiten.
Emergency Room (ER) in TGH
Wer schon mal ER im Fernsehen geschaut hat, soll wissen dass es in gewissen Dingen sehr realistisch ist: es ist laut, es sind tausend Leute gleichzeitig dort, es ist chaotisch und desorganisiert. Alle Ärzte im ER sind z.Z. attendings, ab Juli 2003 soll aber ein residency program starten. Als Student wird man für 11 Dienste a 12 Stunden in 4 Wochen eingeteilt, die meistens recht gleichmässig auf Schichten von 7 a.m.-7p.m., von 12 a.m.-12 p.m. oder 11 a.m.-11 p.m. und von 7 p.m.-7 a.m. verteilt sind. Man arbeitet gemäss seinem Schichtenplan mit verschiedenen attendings und dementsprechend schwankt die Qualität auch. Im ER bekommt man alle Arten von Notfällen zu sehen von gynäkologisch über neurologisch bis zum Polytrauma, es kommen auch einfach Patienten, die einen Platz zum Übernachten suchen oder die sich keinen Hausarzt leisten können, da sie keine Versicherung haben.
Ablauf: die Patienten werden von einer Krankenschwester gleich anfangs in urgent und non-urgent eingeteilt und die Krankenakte mit einer kurzen Geschichte angelegt . Als Student nimmt man die Akte, in die man selbst nicht hineinschreiben darf, geht zum Patienten, macht eine komplette Anamnese und Untersuchung und versucht dann, einen der attendings dazu zu bekommen, sich den Patienten anzuschauen und einen anzuhören. Die besten Dienste waren die Nachtdienste, die etwas ruhiger waren als die Tagesdienste und der attending mehr Zeit zum Abnehmen der Fälle und zum teaching hatte.
Ich habe meine Dienste alle innerhalb von 14 Tagen gemacht und habe dadurch 2 freie Wochen über Weihnachten/ Sylvester gewonnen. In meiner ER rotation habe ich in erster Linie etwas über die niedere amerikanische soziale Schicht, über das Versicherungssystem und den damit verbundenen Problemen gelernt, weniger über Medizin.
Cardiology Consults in TGH
attending: Dr.Patel; resident: Dr. George Blanco; fellow: Dr. Tywaun Tillmann
Ich habe in Kardiologie insgesamt 3 Wochen verbracht, davon 2 Wochen im Consult service und 1 Woche in der Cardiac Care Unit = CCU(bedeutet „normales“ Kardiologieteam, das primär für die Kardiologiepatienten zuständig ist). Consults (Konsil) bedeutet, dass die Patienten primär einem anderen Team zugeordnet sind (z.B. Chirurgie oder Gyn oder allgemeine Innere) und das Kardiologieteam die Patienten nur in 2. Linie sieht, weil das primary team es für notwendig erachtet hat und ein consult angefordert hat. Meine Zeit in cardiology consults war sehr angenehm, ich hatte ein sehr nettes Team, das immer ein offenes Ohr für meine Fragen hatte und mir auch ansonsten und ganz freiwillig mir Sachen gezeigt bzw. erklärt hat, mein attending hat mich während der Visiten („rounds“) immer mit Fragen gelöchert und habe ich die Antwort nicht gewusst, musste ich in der Bibliothek bis zum nächsten Tag das Thema nachlesen und dann darüber erzählen.
Tagesablauf war: 8.45 a.m. morning conference, dann bis 12.00 a.m. Patienten allein oder mit dem resident sehen, um 12.00 a.m. Mo, Mi und Fr noon conference mit Essen (for free!), ab 13.00 rounds mit dem attending bis wir durchwaren, danach freie Studienzeit in der Bibliothek. Zum Ende der 2. Woche hat das Team gewechselt und Dr. Patel hat vorgeschlagen, dass ich vielleicht in meiner letzten Woche mir einen Einblick in die CCU mit Dr. Cintron verschaffe. Übrigens kann man über Cheryl Beckler nicht in die CCU direkt gehen, man kann aber diesen kleinen Umweg über den consult service machen. In der CCU war einiges mehr los, mein resident und intern haben täglich um 6.00 a.m. angefangen, da wir um 9.30 a.m. schon mit rounds angefangen haben und nachmittags noch einige Neuaufnahmen aus dem ER hatten. Dr.Cintron ist ein sehr guter Lehrer und nimmt sich immer Zeit für die Studenten, diese wenigenTage mit ihm haben sich sehr gelohnt.