PJ in Innerer Medizin in Tampa
PJ-Auslandsbericht 2002-2003
Delia Baleanu
Das Beste (fast) zum Schluß: Infectious Diseases (ID) am Moffit Cancer Center (MCC)
And now last but not least…. Das Beste kam zum Schluss! Zunächst die Akteure: Der attending: Dr.John Greene; Sein fellow: Dr. Cherurut Samboobwit, Dr. Nadeem. Dr. Greene ist ein Phänomen, er bringt einem ID auf höchst angenehme Weise bei und man lernt ausserdem etwas, was man sonst äusserst selten lernt: wie sollte ein Arzt mit seinem Patienten bzw. seiner Familie in schwierigen Situationen umgehen oder sprechen? Am MCC hatten wir wie der Name schon sagt ausschliesslich Krebspatienten, die in der Phase post Chemotherapie und meist neutropenisch waren und sich die exotischsten Infektionen eingehandelt haben. Begonnen hat der Tag gegen 9.00 morgens, bis um 11.00 oder 12.00 hat man nach einigen Tagen Einarbeitung seine eigenen Patienten gesehen, danach gab es fast täglich entweder von Dr.Greene oder intra- bzw. interdisziplinär von anderen OÄ eine Fortbildung, die manchmal sogar vom Mittagessen begleitet war (allerdings deutlich seltener als am TGH, da durch Pharmavertreter gespendet und Dr. Greene das selten annimmt). Die Fortbildungen waren sehr gut und interessant, aber man muss sich darauf gefasst machen, dass v.a. Dr. Greene sein Publikum der Reihe nach ausfragt und man als Student in der Anfangsphase doch sehr ins Schwitzen kommt. Am Nachmittag ab 13.00 haben wir dann Visite gemacht, der Tag war meist zwischen 17.00 und 18.00 Uhr zu Ende. Dr.Greene bietet öfters an, dass seine Studenten in dieser rotation zusätzlich zur klinischen Arbeit noch eine research Arbeit übernehmen und mit an seinem Buch schreiben, aber es ist keineswegs als Pflicht gemeint. Er ist durchaus auch zu beeindrucken, wenn man z.B. selbstständig Literaturrecherche betreibt und neue Fakten anbringt, wenn man einen aussergewöhnlichen Fall gerade hat. Zum Schluss gibt es dann meist einen sehr wohlwollenden Empfehlungsbrief und ein sehr nettes Abschlussgespräch. Über Dr.Greene und diese rotation kann man nur in Superlativen sprechen.
Ich hatte nicht nur das Glück, einen hervorragenden OA zu haben sondern ausserdem noch eine ganz herausragende fellow, mit der ich meist vormittags alleine gearbeitet habe. Cherurut war am teaching ganz besonders interessiert und zudem auch sehr fit auf dem Gebiet der ID. Die rotation war sehr anstrengend, wir hatten täglich zwischen 22 und 30 Patienten, aber es hat unheimlich viel Spass gemacht und ich habe sehr viel gelernt.Sprachprobleme und Beziehungen zur Bevölkerung
Anfangs war mein Englisch noch leicht eingerostet, v.a. im Krankenhaus war es ganz schlimm. Die Amerikaner benutzen in der medizinischen Fachsprache für alles Abkürzungen, die man eben erst mit der Zeit kennt und man braucht drei mal länger für eine Anamnese als ein gleichgestellter amerikanischer Student. In der ersten Woche kommt man sich ganz furchtbar dumm vor und das Schlimme ist, dass es nicht sehr rasch besser wird. Ich habe die Patienten und die Ärzte auch in Abhängigkeit von Ihrer Abstammung besser oder schlechter verstanden: gerade die Leute aus dem Süden und die schwarze Bevölkerung fand ich ziemlich schwierig zu verstehen, während ich die Ärzte, die bespielsweise aus NYC oder Boston kamen, hervorragend verstand. Es ist aufgrund der geographischen Lage durchaus hilfreich und sinnvoll Spanisch zumindest in den Grundzügen zu beherrschen, da ca. 20% von Tampas Bevölkerung NUR Spanisch spricht. Nach 3 Monaten fand ich, dass mein Englisch und mein Fachenglisch bemerkenswerte Fortschritte gemacht hatten. Noch eines: die Amerikaner sind an Fremde, die nur schlechtes oder mittelmässiges Englisch sprechen können, gewöhnt und nehmen KEINE Rücksicht darauf, auch korrigieren sie einen nicht, da es ihrer Auffassung nach unhöflich wäre.
Ich habe einige wenige Freundschaften geknüpft, die meisten allerdings zu Ausländern. Die meisten Ärzte und Mitstudenten waren älter, verheiratet und hatten auch schon Familie und waren deshalb nicht gerade ausgehfreudig. Im Krankenhaus war es sehr leicht Kontakte zu knüpfen, die aber auf die Zeit in der Klinik auch beschränkt blieben.
Gesundheitsversorgung und medizinische Ausbildung
In den USA besteht keine KV-Pflicht, deshalb ergeben sich eine ganze Menge Probleme und neue Berufssparten, die wir so aus dem deutschen Gesundheitssystem nicht kennen. Social workers werden vom Krankenhaus eingestellt, um dem Krankenhaus Geld zu sparen: Sie kümmern sich um die Versicherungsproblematik (z.B. übernimmt die Versicherung einen bestimmten Eingriff oder ein best. Medikament?), wie schnell kann der Patient aus sozialer Sicht entlassen werden und wird die weitere ambulante medizinische Versorgung gewährleistet? Dann gibt es nurse practitioners und physician assistants, entspricht einer Krankenschwester mit Weiterbildung und mehr Weiterbildung, die selbständig unter Aufsicht eines Arztes nichtakute Patienten behandeln dürfen. Alle Eingriffe bzw. Verordnungen werden auch aus dem finanziellen Blickwinkel betrachtet bevor sie durchgeführt werden. Es gibt keine Stationen im klassischen Sinne, sondern Primär-Teams und Consult-Teams, die Patienten auf allen Etagen betreuen- dadurch geht der Überblick verloren und die Patienten sind die Leidtragenden, dafür ist aber die Bettenbelegung optimal!
Medizinstudium in den USA und mein Fazit
Medizinische Ausbildung: 4 Jahre College, 4 Jahre Medical School (bereits ab dem 3.Jahr nur noch Ausbildung im Krankenhaus, das 3. Jahr ist wohl das schlimmste, das 4. Jahr eher locker und wird für Bewerbungen und Interviews genutzt), meist dann 1 Jahr internship in Innerer Medizin oder Chirurgie (ganz wenige Weiterbildungsrichtungen erfordern kein internship, z.B. Ophthalmologie, Dermatologie) dann residency 3 Jahre in der allgemeinen Facharztrichtung (z.B. Innere Medizin, residents rotieren wie Studenten monatlich in den verschiedenen Fachbereichen) und dann 2-3 Jahre fellowship, d.h. spezifische Facharztausbildung (z.B. in Innerer Medizin : Kardiologie oder Infectious Diseases, etc.), nach der Facharztausbildung wird man zum attending= Oberarzt. Die amerikanischen Medizinstudenten haben nach dem Medizinstudium ca. 100.000- 200.000 USD Schulden!!! Die Weiterbildungsstellen werden durch ein zentrales Vergabesystem verteilt und alle erfahren am gleichen Tag („match day“), wo sie ihre Stelle bekommen haben.
Grundsätzlich kann man wohl an der USF auch in anderen Fachbereichen PJ machen, es sei wohl aber laut amerikanischen Studenten NICHT empfehlenswert, Chirurgie zu machen: Sehr harte Arbeitszeiten (Beginn um 5.00 morgens täglich!, Schluss ist frühestens gegen 20.00 Uhr, teilweise geht der Dienst bis zum nächsten Tag um 15.00 Uhr....), sehr unfreundliche und arrogante Chirurgen, schlechte Ausbildung, etc.