„Welche praktischen Fähigkeiten sollte ich beherrschen, wenn ich demnächst in Deutschland einen Job als Assistenzarzt antrete?“ fragt ein Medizinstudent im Forum von MEDI-LEARN. Verständlich Frage, denn es gibt keine Liste mit Dingen, die man als Berufsanfänger können sollte. Man hat zwar ein komplettes Medizinstudium hinter sich, doch der Wissens- und Könnensstand ist sehr unterschiedlich. Gibt es trotzdem ein paar Tipps und Hinweise? Natürlich:
Anamnese und Befunderhebung!
„Das Wichtigste ist, dass du lernen willst,“ ist zum Beispiel der erste Tipp. Denn: „Alles, was du nicht kannst, wird dir in einem guten Haus beigebracht.“ Außer vielleicht Blutabnehmen und periphere Zugänge legen, „wobei man auch hier durch Übung weiterkommt.“ Und: „ZVK legen gehört mit Sicherheit nicht zu den Ausbildungszielen im PJ.“ Dafür sollte ein Berufsanfänger vor allem „ordentlich Anamnese und körperliche Untersuchung beherrschen.“ Extrem wichtig ist dabei die Dokumentation der erhobenen Befunde. Da gibt es meist Standardsätze, die man draufhaben sollte. „Textbausteine sind da ne feine Sache.“
Grundkenntnisse der häufigsten Erkrankungen
Außerdem sind Grundkenntnisse der häufigsten Erkrankungen des angestrebten Fachgebietes „ganz nett.“ Sodass du z.B. weißt, „dass bei dieser und jener Symptomatik ne Sono gemacht wird. Die Sono muss man als Berufsanfänger natürlich nicht können, aber man sollte wissen, wann sie indiziert ist.“ Ein anderer Mediziner fügt hinzu: „Als chirurgischer Mensch vielleicht noch die eine oder andere Naht- und Knotentechnik ...“ Selbst dazu gibt es den bissigen Kommentar, dass „es sich nicht lohnt, Knotentechniken zu lernen. Es wird sowieso die falsche für die jeweilige Klinik sein.“
Was sollte man können? Einiges ab!
Eine Meinung ist, dass man als Chirurgieassi „einiges ab“ können sollte. Es verlangt niemand, dass du nach der OP sagen kannst „Ich nähe den Patienten zu,“ auch wenn du schon „ein bisschen an Schweinefüßen und Schaumstoff“ geübt hast. Am Anfang wirst du immer angeleitet. Deshalb ist dein Text als Anfänger: „Ich hab noch nie einen Patienten genäht - würden Sie mir auf die Finger gucken und mich anleiten?" und alles ist gut. „Du bist nicht der Einzige, weißte.“
Die handwerklichen Sachen sind das geringste Problem
Überhaupt „sind die handwerklichen Sachen das geringste Problem.“ Als Anfänger musst du erst mal lernen, dir die Arbeit zu organisieren, nicht die Hälfte zu vergessen und nicht völlig den Kopf zu verlieren, wenn mal Chaos ausbricht. Lass dir dazu den „Papierkram“ (Briefe, Anforderungen, Anfragen der Kassen, Gutachten etc.) genau von einem älteren Kollegen zeigen, sonst „versinkst du darin.“ Auf Arbeit ist es dann wichtig, eine brauchbare Organisation der Arbeitsabläufe zu gewährleisten.
Hilfe jederzeit einfordern
Auch wenn das dein erster Gedanke ist: auf „Ich kann das alles nicht!“ solltest du dich nicht versteifen. Konzentriere dich eher darauf, was du schon alles gelernt hast. Und fordere jederzeit Hilfe an. Deine Kollegen können nicht Gedanken lesen, deshalb solltest du dein „Du, das habe ich noch nicht gelernt, zeig es mir bitte.“ artikulieren! Frag einfach, ob dir dein Kollege „das 1. nochmal erklären kann und 2. mit drauf schaut.“ Übe dich auch darin, gegenüber den Patienten professionell und sicher aufzutreten. Das Vertrauen der Patienten ist sehr wichtig und du solltest es nicht durch falscher Unsicherheit verspielen. Dazu gehört unter anderem, „nicht gerade zu sagen, dass das dein erster Patient ist, wenn der Patient mit bei ist.“
Überblick verschaffen
Trotz allem gilt: Überschätze dich nicht. Kenne deine Grenzen. Es ist gut, zum Arbeitsbeginn bereits einen Überblick über die gängigsten Dinge zu haben. Das geht z.B. mit einem ausführlichen Buch, das sich an Studenten oder Berufsanfänger wie dich richtet. Dabei solltest du dich nicht in Details verlieren, sondern dir wirklich erst mal einen Überblick verschaffen.