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Studienreise nach Perugia (Italien)

Abwechslung im Semester

Isabelle

Mitten im Semester nach Italien aufzubrechen und befreundete Studenten bei ihrem Auslandsaufenthalt zu besuchen - klingt interessant. Isabelle berichtet uns über Ihre Eindrücke und Erfahrungen bei einem Aufenthalt in Perugia (Italien). Die schönen Fotos im Artikel geben einen Eindruck, der Text liefert weitere Infos, Abwechslung in das Semester zu bringen. Lest selbst, wie man zu einem Spottpreis nach Italien fliegen kann, wie sich der Alltag in einem italienischen Krankenhaus darstellt und auf welche für uns merkwürdige Weise die Italiener ihre Todesanzeigen veröffentlichen.

Die „Studienreise“ nach Perugia

Mitten im Semester muss man einfach mal eine Auszeit nehmen. Das beschloss ich während des absolut ätzendsten Kurses im Semester: Biomathe. Und zwei weitere Reiselustige (Steffi und Marc) waren schnell gefunden Zwei unserer Freunde, Thomas und Hanna, sind zur Zeit mit dem Erasmus-Programm in Perugia/Italien, und da wir sie sowieso einmal besuchen wollten, buchten wir über Ryan-Air einen Flug für 10 Cent (selbst mit den 22 Euro Flughafengebühr war das noch spottbillig) nach Pescara.

Mein erster Flug mit Ryan - Air. Skepsis machte sich breit, aber absolut unbegründet. Eine problemlosere Abfertigung hätte es gar nicht geben können Der Flug dauerte eineinhalb Stunden. Dumm nur, dass ich mein Buch nicht mitgenommen hatte, denn meine beiden Mitreisenden fielen schon nach 10 Minuten in den Tiefschlaf. Flug und Landung waren okay, und innerhalb von 5 Minuten waren wir aus dem Flughafen Pescara wieder draussen.

Das erste, was wir sahen, waren Palmen! Das tröstete uns drüber hinweg, dass hier auch nur eine Temperatur von 6 Grad herrschte, aber immerhin besser als die –4 zuhause. Thomas, der uns am Flughafen abholen wollte, hatte sich auf dem Hinweg verfahren, in Pescara gab es wohl genau ein Schild, was den Flughafen ausschilderte, und dann nie wieder eins... Für die 150 km Luftlinie in unseren „Urlaubsort“ Perugia benötigten wir dann knapp 4 Stunden. ..es ging mitten durchs Gebirge. Steffi und mir war das egal, wir haben uns einfach mit Sektrinken beschäftigt,, während die Jungs vorne mit der Strasse kämpften.

Ankunft, erste Nacht und horrende Zimmerpreise

Abends um halb zwölf kamen wir dann in Perugia an. Wir schliefen zu fünft in Thomas und Hannas Zimmer, das sie zu einem absolut horrenden Preis von 210 Euro pro Nase von einem Herrn gemietet hatte, dessen beide Söhne und ein anderer italienischer Student die Fünfer-WG komplettierten.

Thomas und Hanna wiesen uns im Vorfeld schon darauf hin, daß die Mitbewohner nicht das mitteleuropäische Hygienebewusstsein besäßen, was Küche und Bad betrifft, aber das war uns dann auch egal. Müde und satt von Hannas Pasta mit Tomatensosse (wir lernten schnell: was anderes ausser Pasta ist unbezahlbar) krochen wir in unsere Schlafsäcke und legten uns im Zimmer verstreut auf unsere Isomatten. Für mich als jemanden, der noch nie im Leben in einem Zelt geschlafen hat, war das absolutes Neuland. Die erwarteten Kreuzschmerzen blieben aus und bis auf einen Schnarcher war es eine absolut ruhige Nacht ;-)
Am nächsten Morgen wollten wir uns mal die Uniklinik vornehmen. Thomas und Hanna hatten sich in diesem Semester für den Kinderkurs eingeschrieben. In der Kinderklinik hiess es dann: Unterschreiben und gehen. Warum sollte es hier anders sein als bei uns? ;-) Die Uniklinik an sich sieht aus ein Mittelding aus einem Missionarskrankenhaus in Zentralafrika und einem Metrobahnhof im Pariser Südviertel. Auf dem Bild kommt das allerdings nicht so rüber. Ich weiss nicht, von wann der Bau ist, aber das Wort Renovierung scheint dort im Leben noch niemand gehört zu haben. Überall bröckelt der Putz von den Wänden und freundliche Farben sind ein Fremdwort. Von innen haben wir nur den Eingang der Kinderintensivstation und den Staugang vor dem Hörsaal gesehen. Dort herrschte ein Betrieb wie auf einem Bahnhof. Nach dem extrem anstrengenden Kinderkurs hatten wir uns nun einen Kaffee verdient! So wie auch viele Ärzte, auf die wir in der benachbarten Bar trafen.

Was mir gefallen und missfallen hat - Mein Fazit

Mir persönlich haben die Ärztinnen am besten gefallen: offener Kittel, Riesendekolleté, Highheels und Röcke bis kurz über die Symphyse. Tja, wir sind eben in Italien, die Leute sind top gestylt. Als deutscher Student wirkt man ziemlich farblos. Aber mit Schlafsack und Isomatte im Rucksack war einfach kein Platz mehr für das Kleid von Prada und den Make-up-Beutel von Chanel, man muss eben Prioritäten setzen...Nachmittags haben wir uns dann die Innenstadt von Perugia angesehen. Über der Stadt lag den ganzen Vormittag über ein nebliger Schleier, der sich erst mittags gegen 15 Uhr aufhellte. Nun konnte man tatsächlich weiter sehen als bisher 20 Meter. Wenn es ganz klar ist, sieht man sogar bis Assisi. Auf dem Bild sieht man das Highlight auf dem Platz vor dem Dom, den metallenen Christbaum. Alles eine Frage des Geschmacks, mir hat er eigentlich ganz gut gefallen, den anderen nicht. Die Innenstadt an sich liegt oben auf dem Berg. Man kann mit dem Fahrstuhl oder mit den Rolltreppen ins Zentrum fahren oder die vielen Treppen hochgehen, so ähnlich wie wenn man in Paris auf den Montmartre hochläuft. Wir sind meistens gelaufen, was wir tags später auch gut in den Beinen merkten...Nach einem Essen im Vorbeigehen (Pizza bzw. Panini) haben wir noch eine Shoppingtour gemacht. Eigentlich aber eher ansehen als shoppen, denn Geld hatte keiner von uns (das böse Bafög-Amt, die bösen Anatomen, die die Präp-Kurs-Bremser nicht rechtzeitig bezahlen, der teure Australienurlaub im Sommer...da erkennt sich bestimmt der eine oder andere wieder...;-) Perugia als Stadt ist wirklich niedlich. Es hat viele kleine Gäßchen, in denen man sich verlaufen kann. Cafe´s, in die man sich reinsetzen kann, gibt es nicht so viele. Hier steht man im Allgemeinen, und die Cafés nennen sich Bar. Wir haben aber doch etwas zum Sitzen gefunden, und der Kaffee bzw. die Latte Macchiato waren billig und gut.

Andere Länder, andere Sitten

Ungewöhnlich für mich als Deutsche: die Todesanzeigen werden hier nicht in der Zeitung veröffentlicht, sondern öffentlich ausgehängt. Man hat hier einen ganz anderen Bezug zum Tod. Er wird viel offener damit umgegangen. Das war so anders, deswegen habe ich ein Bild gemacht.

Gelauscht (Foren)

Ausland
Am späten Nachmittag gings dann wieder nach Hause, wo wir uns erstmal was kochten (Gnocchi). Ich werde nie den Blick von Mitbewohner Giorgio vergessen, der völlig fassungslos auf Marc schaute, als dieser im Topf die Sosse umrührte, wir drei Mädels daneben standen und unseren Wein genossen, (Na ja, dass Marc was kocht, war eigentlich auch nur ne Ausnahme, aber das wusste Giorgio ja nicht ;-)) Männer scheinen in Italien in der Regel nicht zu kochen (Einmal muss Giorgio wohl ein Mädchen aufgerissen haben, und ihr erster Gang in der Wohnung war der zur Küche, noch bevor dem zum Schlafzimmer...). Abends sind wir nochmal in die Innenstadt und waren in einer Kneipe, in der vorwiegend Erasmus-Studenten verkehrten und wo ziemlich coole Live-Musik war.

Die Nacht war kurz und am nächsten Tag stand die Heimreise bevor. Ein kleiner Umweg über Rom nach Pescara, und innerhalb von 2 Stunden waren wir dort. Wir liessen unsere beiden Freunde dort zurück, traurig und voller Heimweh...aber denkt daran: es sind nur noch um die 60 Tassen Kaffee! Und eigentlich geht es euch ja doch gut, oder?

Mir hat es in wirklich gut gefallen, erschwerend für mich ist, dass ich kein italienisch kann, obwohl ich schon ein bisschen verstehe. Aber vielleicht kann ich ja im nächsten Frühjahr etwas mehr, wenn wir zu unserem zweiten Kurzbesuch aufbrechen, diesmal mit richtigem Abstecher nach Rom oder Pisa.

 

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