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Von Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen

Datenerhebung dauerte viermal länger als geplant

MEDI-LEARN Redaktion

Suche und Recherche

Bei der Suche nach einer Doktorarbeit an den schwarzen Brettern der Uni wurde ich von älteren Kommilitonen immer wieder auf eine Sache aufmerksam gemacht: Egal, was da an „geplanter Studiendauer“ steht – es dauert aller Erfahrung nach immer länger! Und so war es dann auch bei mir.

Ich begann mit der Datensammlung für meine klinische Studie kurz vor dem 8. Semester im März 2002. Dafür waren von der Klinik ungefähr sechs Monate vorgesehen. Ich war die erste Doktorandin, die ein neues Gerät für diese Studie an der Klinik einsetzte. Also holte ich mir eine Geräteeinweisung, einen Schlüssel für den Schrank – was nicht so einfach war, weil dieser Schrank im Zentral-OP der Uni steht und man dafür nicht mal so eben einen Schlüssel erhält – und hielt auf der Station, wo die Studie stattfinden sollte, eine PowerPoint-Präsentation, damit alle dortigen Mitarbeiter wussten, was auf sie zukommt. Denn ein klitzekleines bisschen war ich auf Hilfe und motivierte Zusammenarbeit angewiesen.

Nun musste ich also irgendwie herausbekommen, wann ein für mich geeigneter Patient in die Klinik kam. Dann sollte der Patient von einem Facharzt über die Studie aufgeklärt werden und in deren Durchführung einwilligen. Aber ein Facharzt steht natürlich auch nicht einfach so gelangweilt auf dem Flur herum, den muss man erst einmal finden und er muss Zeit haben. Ich sollte eine Messung am Vortag der Operation und zwei während der Operation durchführen. Manchmal wartete man dann präoperativ auf dem Gang, weil der Patient nicht im Zimmer war. Also ging auch hier wieder viel Zeit ins Land. Die nächste Herausforderung war dann, allen mitzuteilen, dass der Patient am nächsten Tag ein Studienpatient ist. Was liegt da näher, als dies auf dem Operationsplan vermerken zu lassen. Die dafür zuständige Dame war ein Highlight! Sie hatte nicht nur vollstes Verständnis für meine Lage und immer ein freundliches Wort – nein, sie hatte auch Nervennahrung in Form von bunten Gummitierchen auf dem Tisch, und zwar immer wieder andere, so dass nie Langeweile aufkam.
Die Idee mit dem Operationsplan kam mir natürlich nicht einfach so. Sie hatte eine kleine Vorgeschichte. Vorher hatte ich gedacht, ich sage einfach mal allen Bescheid, die davon wissen sollten. Mit dem Erfolg, dass die es nicht weitergaben, am nächsten Tag krank waren oder der Zettel an der Krankenakte weg war. Egal wie, es wusste jedenfalls regelmäßig am Operationstag keiner Bescheid. Erstrecht bereit, alles hinzuschmeißen und verheult war ich aber, als ich den ganzen Tag keinen aus der Pflege erreichen konnte, obwohl ich es immer wieder versuchte. Gegen 22 Uhr habe ich endlich jemanden erreicht. Noch im Einleitungssatz wurde ich mit den Worten „Es ist mir total egal, ich komme gerade vom Notfall!“ unterbrochen und dann sofort der Hörer aufgelegt. Wie ich da emotional wieder rausgekommen bin und mich aufgerafft habe, weiterzumachen, weiß ich heute nicht mehr, aber zurückblickend war das ganz sicher der Tiefpunkt.

Mit Kennzeichnung des Patienten auf dem Operationsplan als Studienpatient und Zeit, die ins Land gegangen war, in der die Leute mich, meine Studie und die damit für alle verbundenen Aufgaben kennenlernen konnten, wurde es besser. Dann ging ich für acht Wochen zur Famulatur ins Ausland und wusste: Wenn ich wiederkomme, reiße ich noch schnell ein paar Patienten ab, und dann kann ich endlich mit der Auswertung anfangen. In dieser Zeit kamen andere Doktoranden an die Klinik, die mit demselben Gerät arbeiten sollten. Ich hatte mir das Gerät nie teilen müssen. Es gab zwar ein Buch, in das man eintragen sollte, wer man war und wohin man das Gerät warum mitgenommen hatte, aber es war ohne Absprache immer da, wenn ich es benötigt hatte.

Nach meiner Rückkehr klappte das gar nicht mehr. Meine Kommilitonen trugen sich entweder nicht ins Buch ein oder gaben das Gerät ohne eine Notiz im Buch an einen anderen Doktoranden weiter, so dass man nach ewigem Hinterhertelefonieren quer durch die Klinik erfuhr, dass der eingetragene Doktorand schon nach Hause gegangen war. Und wo das Gerät sein, das wisse man nicht. Es war zum Haareraufen! Wir haben dann eine Doktoranden-Telefonliste erstellt und uns privat abgesprochen, wenn einer einen Patienten hatte und das Gerät somit quasi „vorbestellt“. Wenn wir uns nicht einigen konnten, weil zwei Studienpatienten parallel liefen, musste der Doktorvater entscheiden. In jener Zeit habe ich sehr, sehr viel telefoniert …

Insgesamt hat die Datenerhebung bestimmt zwei Jahre gedauert, die Datenauswertung hatten wir dann kurz vor Beginn des PJ fertig. Nach der täglichen Arbeit in der Klinik war ich dann abends so müde, dass ich außer Stande war, die zumeist englischen Abstracts für die Diskussion der Arbeit zu lesen geschweige denn zu verstehen. Das wurde natürlich zu Arbeitsbeginn dann auch nicht wirklich besser. Aber wenn einen dann die Patienten alle mit Frau Doktor ansprechen und man es dann nicht wirklich ist, das nervt. Das hat dazu geführt, dass ich mich dann noch einmal aufgerafft, die Abstracts gelesen und die Arbeit fertig gestellt habe.

Natürlich liefen alle anderen Arbeiten, die auf die Datenerhebung folgten, nicht so reibungslos ab, wie die Kürze des Abschnitts es vermuten lässt. Absprachen wurden nicht eingehalten, Zettel verbummelt oder Computer stürzten unwiederbringlich ab. Aber ich war inzwischen Kummer gewohnt und mit der Arbeit so weit fortgeschritten, dass ich nun auch nicht mehr abbrechen wollte. Womöglich wäre bei einer neuen Arbeit wieder alles so oder ähnlich gekommen, darauf hatte ich kein zweites Mal Lust. Zum Glück hatte ich mit meinem damaligen Freund auch eine wirkliche Motivationsstütze zu Hause: Er hat mir besonders bei den immer wiederkehrenden Computerproblemen und Excel-Auswertungen eine große Hilfe war.

Zum Glück hat auch das folgende immer wieder verlässlich geklappt und nachdem, was ich von Kommilitonen und deren Problemen bei der Doktorarbeit gehört habe, war ich froh, dass ich davon jedenfalls nicht berichten kann: Mein Doktorvater stand immer mit Rat und Tat hinter mir, hat sich viel um alles gekümmert und alle versprochenen Korrekturlesefristen eingehalten.

Im Rückblick war es eine Menge Arbeit, die diese Promotion verschlungen hat, aber ich bin stolz auf das, was ich geschafft habe und freue mich sehr über meinen Dr. med., den ich im Jahr 2008 verliehen bekommen habe. Lasst Euch also nicht entmutigen und versucht, so viel wie möglich und besonders das Schreiben vor dem PJ fertig zu haben. Es lohnt sich.