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Weiterbildung im „großen“ oder „kleinen Haus“

Grundlegende Entscheidung im Vorfeld der Bewerbung

Redaktion (MEDI-LEARN)

Es gibt Fragen, die kannst du dir letztlich nur selbst beantworten. Ob du dich bei einem großen Klinikum oder lieber einem „kleinen Haus“ bewerben solltest, ist genau so eine Frage. Immerhin kann dieses Buch dir ein bisschen bei der Entscheidungsfindung helfen, indem es einige Vorzüge und Nachteile beleuchtet. Aber auch das ist nur unter Vorbehalt möglich, denn eine ganz und gar typische Klinik gibt es in Wirklichkeit natürlich nicht. Zudem gilt es in jedem Einzelfall rechtzeitig bei deiner Ärztekammer nachzufragen, ob dein Wunsch-Arbeitgeber zur Durchführung der beabsichtigten Weiterbildung berechtigt ist.

Gelauscht (Foren)

Entscheidungsfragen
Diese Entscheidungsfrage wird auch im MEDI-LEARN-Froum immer wieder heiß diskutiert.
Die Grenze zwischen „groß“ und „klein“ ist bei Krankenhäusern übrigens gar nicht leicht zu ziehen. Die Einwohnerzahl des Ortes ist kein sinnvoller Maßstab, denn auch in einer Millionenstadt gibt es „kleine Häuser“. Die Bettenzahl wäre zwar ein nahe liegendes Kriterium, jedoch nur bedingt. Gemeint ist mit diesen Begriffen letztlich vor allem der Umfang des therapeutischen Angebots: entweder Grund- und Regelversorgung durch eine begrenzte Zahl von Fachrichtungen oder Maximalversorgung mit deutlich mehr Möglichkeiten der apparativen Diagnostik und Intervention für ein breites Spektrum zu behandelnder Krankheiten. Letztere bieten längst nicht nur Unikliniken, und manchmal verläuft die unsichtbare Trennlinie sogar von einer Fachrichtung zur nächsten, wenn nämlich ein Haus der Grund- und Regelversorgung beispielsweise über eine hochgradig spezialisierte HNO-Abteilung verfügt.
So schwierig die Abgrenzung in der Realität ist, so verbreitet sind die hinlänglich bekannten Klischees: In kleinen Häusern seien die Hierarchien flacher, und es gehe dort regelrecht familiär zu. Ein solches Idyll, auch wenn es nur in der Fantasie existiert, wirkt auf manche Zeitgenossen nachgerade abschreckend. Aus ihrer Sicht spricht viel mehr für die Arbeit im „großen Haus“: Ein gewisses Maß an Anonymität ist ihnen durchaus recht, weil sie Beruf und Privatleben sauber von einander trennen möchten. Oder sie suchen die Gelegenheit zu interessanter Forschung und zum Kennenlernen neuester Diagnostik und Therapie. Anfänger können überdies hoffen, bei ihren ersten Nachtdiensten nicht ganz allein auf weiter Flur zu sein.

Für diese möglichen Vorteile nehmen die Befürworter des Arbeitens in großen Häusern ein durch die Struktur der Klinik bedingtes Spezialistentum in Kauf, das den ganzheitlichen Blick auf den Patienten und seine Heilung oftmals erschwert. Durch die ständig Präsenz von Fach- und Oberärzten kann zudem der Spielraum der Assistenten für eigenständiges Handeln geringer werden. Und so interessant die Behandlung von seltenen und komplizierten Fällen zweifellos ist, hat es in der Weiterbildung aber auch offensichtliche Nachteile, wenn Standarderkrankungen die Ausnahme darstellen. Einfach gesagt: Erst sollte die Blinddarm-OP erlernt werden, dann die Herztransplantation.

Info: Die früher weit verbreitete Ansicht, von kleinen oder peripheren Häusern nicht mehr an große bzw. Unikliniken wechseln zu können, ist mittlerweile überholt. Wenn bei eher kleiner Klinik alles stimmt, ist dies also kein absolutes Kriterium gegen einen Stellenantritt mehr, wenn man „sich nichts verbauen“ möchte.

Da die Therapie von Standarderkrankungen in kleinen Häusern die Regel ist, lassen sich dort auch die Dienste eher allein bewältigen. Nach völlig normalen anfänglichen Schwierigkeiten und Ängsten sind sie sogar eine besonders gute Gelegenheit, schnell selbstständiges Arbeiten zu erlernen. Familiär ist das Klima zwar längst nicht immer, aber dass die Kollegen sich vielfach kennen, kann ab und zu eine Problemlösung auf dem kleinen Dienstweg erleichtern. Da es andererseits in der Klinik insgesamt weniger Assistenten gibt, erhöht sich vielleicht die Dienstbelastung für den Einzelnen.

Dass wegen der in kleinen Häusern begrenzten Vielfalt der Fälle vielleicht nicht die gesamte Weiterbildung am selben Ort möglich ist, wird oft als Nachteil genannt, ist aber im Grunde keiner. Durch den Wechsel und das Kennenlernen anderer Herangehensweisen und Praktiken wird sich der Lernerfolg insgesamt eher vergrößern. Eine Ausnahme stellen diesbezüglich jedoch die Reha-Kliniken dar, die aufgrund ihrer Spezialisierung auf Fachrichtungen wie Kardio, Ortho oder Neuro zumeist nur ein besonders enges Spektrum von Fällen und Maßnahmen und praktisch keine Akutmedizin anbieten. Als erste Stelle für einen Anfänger sind sie deshalb kaum geeignet.

 

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