Hohe Geldprämien für den Wunsch-Studienort
Österreichische Hochschulen schoben bereits einen Riegel vor
MEDI-LEARN (Redaktion)
Geldprämien für Studienort
Das zentrale Vergabeverfahren für Medizin-Studienplätze treibt manche seltsame Blüte. Um per Tausch doch noch an die Wunsch-Uni zu kommen, würden einige Bewerber gerne Geld bezahlen. Viel Geld: Mehrere Tausend Euro werden immer wieder an den Schwarzen Brettern der Hochschulen und im Internet für einen Platz in besonders begehrten Städten geboten oder verlangt. Das Thema „Studienplatztausch gegen Geld“ erhitzt seit langem in Deutschland und Österreich die Gemüter.
Dagegen vorgehen lässt sich kaum, und über die Gründe der Beteiligten kann nur spekuliert werden: der gute Ruf einer Hochschule, der Verbleib in der gewohnten Umgebung oder die Angst vor einer Fernbeziehung mögen es sein. Naheliegend wäre auch die einfache Rechnung, dass eine Wohnung am fremden Ort auf Dauer viel mehr kostet als das eigene Zimmer bei den Eltern. Die wohnen vielleicht ganz in der Nähe einer Uni – und an dieser bestimmten Uni würde man in so einem Fall natürlich gern studieren wollen.
Im MEDI-LEARN-Forum sieht man die Dinge daher gelassen: Wenn jemand für den Studienplatztausch derart viel Geld ausgeben will, dann soll er das ruhig machen. Einige Diskussionsteilnehmer wären über so eine „Anschub-Finanzierung“ ihres eigenen Studiums sogar froh gewesen. Allerdings gebe es wohl sowieso keinen echten „Markt“ mit Angebot und Nachfrage, sondern lediglich ein paar überbewertete Einzelfälle, vermuten andere. Nur einer hat an der Uni Münster selbst mehrfach entsprechende Aushänge gesehen.
Massenhaft traten die Wechsel gegen Bares dagegen seit einigen Jahren in Österreich auf. Dort wollen einheimische Studierende in der Regel viel lieber in der Millionen-Metropole Wien als im vergleichsweise kleinstädtischen Innsbruck leben. Den deutschen Jungmedizinern mit Studienplatz in Österreich scheint das nicht so wichtig zu sein – für sie geht es hauptsächlich um die Vermeidung der in Deutschland fälligen Wartezeit. Also boten in den vergangenen Jahren viele von ihnen den österreichischen Kommilitonen einen Tausch „Wien gegen Innsbruck“ zu Preisen bis über 8000 Euro an, berichtet die Tageszeitung ÖSTERREICH.
Das offenbar lukrative Nebengeschäft wurde Anfang 2011 durch die Hochschulen selbst unterbunden. Neuerdings dürfen nur noch Deutsche mit Deutschen bzw. Österreicher mit ihren Landsleuten die Plätze tauschen, was deutlich seltener vorkommt. Die Kernfrage steht trotzdem in beiden Ländern weiter im Raum: Ist es moralisch in Ordnung, dass die finanziellen Möglichkeiten eines Studenten darüber entscheiden, wo er studiert? Die Platzvergabe nach Abiturnote werde durch derartige Nebengeschäfte ad absurdum geführt, beschweren sich die einen. Das Studium werde ein ganzes Stück leichter, wenn man nach dem Kassieren der Tauschprämie weniger jobben muss, meinen die anderen. Wie man die Sache auch dreht und wendet – ein schaler Geschmack bleibt in jedem Fall.