Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Ein Interview mit den Gründern der Würzburger AGN

Wer, wie, wo, was?

Carolin Redelberger

Problemorientiertes Handeln - Studentische Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin (AGN)

Ein Interview mit den beiden Gründern der Würzburger AGN, Thomas Plappert und Ulrich Rohsbach. Die beiden Studenten des 5. bzw. 3. klinischen Semesters an der Julius-Maximilians-Universität sind Rettungssanitäter bzw. -assistent und wurden auf dem Bundeskongress Rettungsdienst zweite beim Wettbewerb um das beste Rettungsteam 2002 auf dem "Weinmann"-Notfallparcours.

Hallo, ihr zwei. Erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurem tollen Erfolg auf dem Bundeskongress und vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt.
Hier auch schon die erste Frage: Für was stehen eigentlich die Buchstaben AGN?

Ulrich: „Das ist ganz einfach. AGN steht für Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin.“

Wann und warum habt ihr die AGN in Würzburg gegründet?

Thomas: „Im Sommersemester 2002 gab es in meinem Semester erste Überlegungen. Damals kamen Mitstudenten während des Notfallkurses an der Uni auf Andreas Redel und mich zu, da wir vor dem Physikum bereits Erste Hilfe-Kurse angeboten hatten, und äußerten, das in der Uni Gelernte nochmals praktisch üben zu wollen. Kurze Zeit später erfuhren wir beinahe zufällig durch die Fachschaft, dass am Rande des Bundeskongresses Rettungsdienst das AGN-Jahrestreffen in Nürnberg stattfindet, zu dem Ulrich und ich dann hingefahren sind, um uns Tipps und Anregungen von anderen, schon länger bestehenden AGNs zu holen.
Über die Münchner AGN wurde uns der Kontakt zu dem Würzburger Anästhesisten Dr. Andreas Schoefinius vermittelt, der früher als Student in München in der AGN aktiv war. Wir haben uns mit ihm getroffen und ein Konzept ausgearbeitet. Dadurch, dass wir inzwischen sechs Tutoren waren, allesamt Rettungssanitäter oder –assistenten, zum Teil sogar mit Erfahrung in der Ausbildung, konnten wir dann sehr bald den ersten Kurs mit 36 Teilnehmern starten.“
Ulrich: „Um es noch einmal kurz zu sagen, gab es eigentlich drei Gründe, die uns dazu bewogen haben eine AGN auf die Beine zu stellen:
  • Die Nachfrage der Studenten nach mehr Praxisausbildung.
  • Wir haben im Rettungsdienst die Erfahrung gemacht, dass die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Rettungsdienstpersonal nicht immer optimal ist, weil beide Seiten zuwenig voneinander wissen. Das wollen wir mit unserem Kurs zumindest von ärztlicher Seite her versuchen, ein wenig zu ändern.
  • Die AGN München verschickte zu diesem Zeitpunkt gerade eine Einladung zur Jahreshauptversammlung der bundesweiten AGNs über den Fachschaftsverteiler.“

Was wollt ihr mit der AGN erreichen?

Ulrich: „Nun, einmal, wie vorhin schon gesagt, eine Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Rettungsdienstpersonal. Die Studenten sollen sich bewusst machen: was kann ich und was kann der andere? Und auch mal sehen, z.B. in einer Megacode-Demonstration durch ein Rettungsdienstteam, dass die Rettungsdienstler nicht nur „Krankenwagenfahrer“ sind, sondern durchaus auch über kompetentes Wissen verfügen.
Zum anderen wollen wir eine verbesserte notfallmedizinische Ausbildung erreichen, weil die Notfallmedizin an den Unis doch meistens nur einen geringen Stellenwert hat und im Zuge der neuen Approbationsordnung nicht einmal mehr ein Pflichtfach ist.Wir wollen den Studenten Raum geben für Wiederholungen und natürlich viele, viele praktische Übungen in Kleingruppen. Das Ganze soll weniger theoretisiert werden. Für uns ist es wichtig, dass die Studenten alles selbst ausprobieren und üben können, ihr an der Uni erworbenes Wissen strukturieren. Bestimmte Handgriffe sollen sich „einschleifen“ und automatisiert werden, wie z.B. die Vorgehensweise beim Auffinden eines Patienten oder die Reanimation.“
Thomas: „Außerdem wollen wir den Teilnehmern ein positives Selbstbild vermitteln. Denn wer eine Maßnahme schon einige Male praktisch geübt hat, der kann im Notfall ruhiger und damit handlungsfähig bleiben, weil er weiß wie es geht und dass es schon mal geklappt hat.
Dieses Wochenende soll auf keinen Fall eine Notarztausbildung sein, vielmehr wollen wir den Leuten die Notwendigkeit von Basismaßnahmen deutlich machen und ihnen die Angst davor nehmen, diese auch am Patienten zu ergreifen. Bei einigen Erkrankungen ist es schlichtweg zu spät für den Patienten, wenn man tatenlos auf den Notarzt wartet. Ein Ziel dieses Praxisseminars ist, die Teilnehmer ein bisschen für die Notfallmedizin und notfallmedizinische Fragen zu sensibilisieren und ihnen aber auch zu zeigen, dass Notfallmedizin keine Hexerei ist, sondern die Basismaßnahmen für jeden erlernbar sind.“


Welches Spektrum umfasst eure Arbeit in der AGN?

Ulrich: „Zum einen natürlich die Ausrichtung des Praxisseminars Rettungs- und Notfallmedizin, das jedes Semester stattfindet. Da wir den Teilnehmern sozusagen ein zweitägiges „All-Inclusive“-Wochenende anbieten, müssen wir uns im Vorfeld um das Essen kümmern, Getränke und Süßigkeiten für zwischendurch einkaufen, die entsprechenden Räumlichkeiten organisieren – hier ein herzliches Dankeschön an den Malteser Hilfsdienst Würzburg, der uns nun schon zum dritten Mal in Folge seine Lehrsäle und Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung stellte – das Material beschaffen (Danke JUH Würzburg!), die Verletztendarsteller, Schminker incl. Schminkzeug, die RTWs , Megacode-Trainer usw.usw. organisieren. Das alles stellt einen nicht unerheblichen logistischen und organisatorischen Aufwand dar, damit am entscheidenden Wochenende alles an Ort und Stelle ist."

Gelauscht (Foren)

Allgemeines
Thomas: „Des weiteren haben Ulrich und ich dieses Jahr die Organisation und Ausrichtung des bundesweiten AGN-Treffens auf dem Bundeskongress Rettungsdienst übernommen. Dieses Treffen dient dem Erfahrungs- und Meinungsaustausch unter den verschiedenen AGNs, von dem alle für die Arbeit in ihrer jeweiligen AGN profitieren.Wir stellen Kontakte zu anderen Universitäten her, an denen es noch keine AGN gibt, aber interessierte Leute vorhanden sind, und unterstützen und beraten die dortigen Studenten beim Aufbau einer solchen. Nicht zu vergessen die Präsenz auf der Messe, wo wir versuchen, Kontakte zu Rettungsdienstschulen und den Rettungssanitätern, -assistenten und Notärzten zu knüpfen, mit denen unsere Kursteilnehmer später evtl. zusammenarbeiten werden.
Ein weiteres Projekt der Würzburger AGN ist die Ausarbeitung eines Curriculums für ein Rettungsdienstpraktikum für Medizinstudenten. Ziel ist, dass Medizinstudenten als Praktikanten auf dem Rettungswagen mitfahren können, um so noch tiefere Einblicke in verschiedenste Notfallsituationen zu gewinnen und ihr Wissen in der Praxis und unter dem Stress eines echten Einsatzes anwenden zu können. In Würzburg ist das bereits möglich und wir würden es befürworten, wenn es in Zukunft deutschlandweit möglich wäre. Um die Lerninhalte des Praktikums zu vereinheitlichen und den Lerneffekt möglichst optimal zu halten, haben wir mit einer Arbeitsgruppe in Würzburg dieses Curriculum entwickelt.“

Wie ist denn so die Resonanz auf eure Arbeit?

Beide: „Überwältigend!“
Ulrich: „Gut, was die anderen Studenten von unserer Arbeit mitbekommen, ist ja in erster Linie das Praxisseminar, aber die Reaktionen darauf sind durchweg ausgesprochen positiv. Der Kurs ist jedes Semester ausgebucht, und viele, die den Kurs mitgemacht haben, wollen im nächsten Semester gleich noch einmal teilnehmen. Wir haben jetzt schon Anmeldungen für den nächsten Kurs, der Mitte des nächsten Semesters stattfinden wird.“
Thomas: „Viele Leute kommen auch noch in den Wochen nach dem Kurs auf uns zu und wiederholen noch einmal, wie toll sie es finden, dass so ein Wochenende angeboten wird, und dass es so engagierte Studenten gibt, die ihr Wochenende „opfern“, um anderen Studenten etwas beizubringen. Auch die Evaluationsbögen, die wir nach jedem Wochenende austeilen, zeigen eindeutig positive Resonanzen. Natürlich nehmen wir konstruktive Kritik ernst und versuchen darauf zu reagieren, um den Kurs noch weiter zu verbessern.“

Wie finanziert sich die AGN eigentlich und woher bekommt ihr das ganze Material, das ihr für das Praxisseminar benötigt?

Ulrich: „Das Essen und die Getränke am Kurswochenende sowie evtl. Kaufmaterial, das wir für den Kurs benötigen, finanzieren wir durch einen Unkostenbeitrag, den die Teilnehmer entrichten. Die Tutoren, sowohl von ärztlicher als auch von studentischer (und rettungsdienstlicher) Seite, arbeiten unentgeltlich.“
Thomas: „Ganz besondere Unterstützung bekommen wir von den Hilfsorganisationen, allen voran vom Malteser Hilfsdienst in Würzburg, der uns neben den Räumlichkeiten auch noch einen Rettungswagen und sonstiges Material zur Verfügung stellt, und von der Johanniter Unfallhilfe in Würzburg, die uns vom Megacode-Trainer über Verletztendarsteller bis hin zu jeder Menge Verbrauchsmaterial alle mögliche Hilfe zukommen lässt. Den Maltesern und Johannitern sind wir zu tiefem Dank verpflichtet. Ohne sie wären diese Kurse nicht möglich. Und natürlich auch nicht ohne all diejenigen, die wir hier nicht explizit genannt haben. Danke!“


Was habt ihr bezüglich der AGN für Pläne für die Zukunft?

Thomas: „Ein Ziel ist, weiterhin so kompetente und einsatzerfahrene Tutoren zu finden, da die ersten der jetzt insgesamt fünfzehn Gruppenmitglieder im Sommer ins Examen gehen. Hier ist der Nachwuchs gefragt, dieses wichtige Projekt weiter zu gestalten.“Ulrich: „Außerdem wollen wir noch mehr Studenten den Zugang zur Notfallmedizin ermöglichen. Dies soll einmal durch das Curriculum zum Rettungsdienstpraktikum geschehen, und zum anderen wollen wir versuchen, das Praxisseminar in Zukunft zweimal pro Semester anzubieten anstatt wie bisher nur einmal, damit die Leute bei Bedarf auch mehrmals teilnehmen können.
Ein weiteres Ziel, an dem wir arbeiten, ist die Einrichtung eines Gerätepools für unsere AGN. Dafür suchen wir Sponsoren, die uns sowohl finanziell als auch mit Material unterstützen, damit wir dieses Ziel verwirklichen und die notfallmedizinische Ausbildung der Studenten auch in Zukunft zum Wohle der Patienten noch weiter verbessern können.“

Ich danke euch für dieses Gespräch und wünsche euch auch weiterhin viel Erfolg mit eurer AGN beim „Weinmann“-Notfallparcours 2003.


Carolin hat zudem noch einen Artikel über das Praxisseminar geschrieben und uns freundlicherweise einen Ablaufplan davon zur Verfügung gestellt. Die Links dazu findet Ihr unten.

 

Die Webseite von MEDI-LEARN wird unterstützt von

     © MEDI-LEARN, Elisabethstraße 9, 35037 Marburg/Lahn 1996-2011