Wie man sich schon fast denken kann, schmeckte auch der morgendliche Kaffee nicht mehr so erfrischend wie sonst und nach meiner unruhigen und zergrübelten Nacht schlief in der Zellbio-Vorlesung und im Genetik-Seminar vor Müdigkeit und Unbehagen doch tatsächlich beinahe ein. Und das Schlimmste: Im Rückblick hätte ich mir diese Panik mache eigentlich auch gut sparen können, denn es war mal wieder ganz anders als erwartet und hat schließlich sogar richtig Spaß gemacht!
Auf zum Tatort
Nachdem wir unsere Spinde im großen Umkleidesaal bezogen und uns alle in weiße Schale geworfen hatten, wurden die schweren Türen Richtung Präpsaal 2 geöffnet und mit zittrigen Knien folgte ich den Massen zum Tatort. Dort wurden wir von ebenfalls professionell medizinisch eingehüllten Tutoren und Assistenten begrüßt und stellten uns hinter die noch in Leintuch und Folie unkenntlich eingehüllten leblosen Körper, die alle mit uns bereits zugeteilten Nummern versehen worden waren. Meine Fünfergruppe hatte die Nummer 1807 und unsere beiden Tutoren wirkten gleich auf den ersten Blick recht umgänglich und sympathisch. So schlimm kann es ja wohl nicht werden!
Suche nach Kennzeichen
Unsere erste Aufgabe bestand nun darin, die Leiche vorsichtig in unserem eigenen Tempo zu enthüllen, uns mit dem Körper vertraut zu machen, und nach besonderen klinischen Kennzeichen wie zum Beispiel Narben oder Hämatomen zu suchen. Vor mir lag jetzt ein älterer Herr in den Siebzigern, der zahlreiche Dekubitus-Geschwüre an Ellenbogen und Beinen hatte, sonst aber von der Gestalt einen recht normalen Eindruck machte.
War er vielleicht im Pflegeheim verstorben und hat daher die vielen Dekubiti am Körper? Ist er vielleicht einfach nur friedlich eingeschlafen? Die genaue Todesursache wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Nachdem wir nun gemeinsam die entsprechenden Befunde erhoben und im Skript dokumentiert hatten, bestand die nächste Aufgabe darin, einen Teil der Rückenhaut vorsichtig in Form eines Lappens abzupäparieren. Zunächst war dies sehr schwierig und ungewohnt, doch nach einigen Skal- Das 3B-Scientific Anatomie-Special Dieser Artikel ist Teil des Themenspecials rund um den Bereich Anatomie, den wir dir in Kooperation mit 3B Scientific in der MLZ ausführlich vorstellen. Weitere Infos auch online unter: www.medi-learn.de/anatomie pell-Schnitten klappte es schon immer besser und am Ende lobten uns sogar unsere Tutoren für die sorgfältig abgetragenen Hautlappen.
Wir hatten also in gemeinsamer Teamarbeit alle für heute bestimmten Aufgaben zur besten Zufriedenheit erfüllt und trafen uns dann anschließend mit der leitenden Professorin zur Nachbesprechung in einem separaten Gruppenraum. Sie gab uns dann allen die Gelegenheit, über unsere Gefühle vor und während dieser ersten Kursstunde zu sprechen.
Insgesamt war diese allererste Präpstunde wirklich ein sehr prägendes Erlebnis, was mich sicher auch im weiteren Verlauf des erst begonnenen Medizinstudiums begleiten wird. Die erste Begegnung mit dem leibhaftigen Tode lässt sich kaum in Worte fassen, doch eines ist sicher: Respekt und Hochachtung vor all jenen Menschen, dir ihren eigenen Körper uns Studierenden zur Verfügung stellen, damit wir lernen können!
Das 3B Scientific-Anatomiespecial
Dieser Artikel ist Teil des redaktionellen Specials zum Thema Anatomie, das wir dir mit freundlicher Unterstützung von 3B Scientific, dem renommierten Hersteller anatomischer Modelle, präsentieren können.
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