5. Wie ist der Tag organisiert, sind Lernzeiten eingeplant? Gibt es viele Vorlesungen an denen du nicht teilnehmen kannst, z.b. Abends?
Da ich im PJ war und weder an Klausuren,noch Vorlesungen teilnehmen musste, war dieser Zeitpunkt sogesehen ein idealer,um ein Kind zu bekommen.Ich machte mein 3.Tertial in der Pädiatrie an der Medizinischen Hochschule, wo auch meine Tochter betreut wurde und jeder auf Station verstand, dass ich Sie bis 16.15 Uhr dort abolen mußte.Es war ideal und ich konnte prima beides vereinen-Kind und Studium!Während der Lernzeit fürs 3.Staatsexamen saß ich von 9- 16 Uhr täglich in der Unibibliothek und holte meine Tochter danach quasi gegenüber aus der Kita ab.
6. Gibt es Kinderbetreuungsangebote von der Universität? Was wäre wünschenswert?
Wie schon erwähnt hatte ich das Glcük einen solchen begehrten Betreuungsplatz an unserer Hochschule für meine Tochter zu bekommen, aber ich weiß ,wie lang die Wartelisten auf einen solchen Platz sind und wie hoch die Nachfrage bei geringem Angebot ist. DIese Krabbelgruppe betreut 15 Kinder von 1-3 Jahren.
7. Nimmst du das Kind manchmal mit in die Vorlesung, stößt du auf Verständnis bei Kommilitonen und Dozenten?
8. Wie ist die finanzielle Situation, gibt es ausreichende staatliche Unterstützung? Musst du noch nebenbei jobben?
Da mein Freund sehr gut verdient geht es uns nicht schlecht und wir haben uns entschieden, dass er weiterhin voll arbeiten geht, während ich seit meinem 3.Staatsexamen auf Jobsuche bin. Und genau da ist der Knackpunkt.Seit mittlerweile einem Jahr schicke ich Bewerbungen um eine Teilzeitstelle als Assistenzärztin in die Umgebung meines Wohnortes und habe als Berufsanfängerin leider kaum Chancen.Ich bekomme lediglich 154 Euro Kindergeld.Diese lange quasi einkommenslose Zeit vertreibe ich mir "hauptberuflich" mit Gelegenheitsjobs auf Messen, Kongressen, Tagungen, Promotionaktionen und Events und muss leider feststellen, dass ich als "fulltime" Gewerbetreibende mehr netto verdiene ,als selbst bei einer 100 % Stelle im Krankenhaus als Assistenzärztin. Ist das nicht traurig, frustan und motivationshemmend????
9. Wie ist die Wohnraumsituation?
Wir wohnen in einer 86qm Altbauwohnung sehr zentral in einer Großstadt mit 4 Zimmern, doch allmählich wird uns auch das zu klein und wir spielen mit dem Gedanken, etwas zu kaufen. Dafür brauche ich aber einen Arbeitsvertrag und feste Arbeit als Ärztin, sonst würden wir diesen finanziellen Schritt nicht wagen wollen.Die Arbeitslosigkeit hemmt somit unsere Zukunftspläne.
10. Ist dein Studium in der Regelstudienzeit möglich oder um wie viele Semester verlängert sich das Studium nach deiner Einschätzung?
Gab es Urlaubssemester oder Pausenzeiten, längere Studienunterbrechungen? Mein Studium verlängerte sich durch die Geburt und Erziehung meiner Tochter um 1,5 Jahre. Diese Auszeit(Pause ,kein Urlaubssemester) nahm ich mir während des PJ, was auch der einzige gültige Grund ist, zu diesem Zeitpunkt Pause zu machen.
11. Wie hat der Berufseinstieg ausgesehen, ist deiner Einschätzung nach Karriere mit Kind möglich? Möchtest du in deinem Beruf arbeiten, strebst du evtl. eine Teilzeitstelle an?
Genau das ist der Punkt, weswegen ich an dieser Umfrage teilgenommen habe. Ich möchte hier ganz ausdrücklich betonen, wie gefrustet ich bin von meiner momentanen Situation, die ich schon unter Punkt 8 kurz angerissen habe. Es ist als motivierte junge approbierte Ärztin mit Kind in Deutschland einfach nicht möglich, einen Einstieg ins Berufsleben zu finden, wenn man lediglich Teilzeit arbeiten kann.Meine Tochter wird bis Sie 3 Jahre alt ist bis 16 Uhr betreut, danach wird sie einen Ganztageskindergarten besuchen, der bis halb sechs Kinder betreuen könnten. Das heißt, ich habe in meinen Bewerbungsanschreiben betont,dass in absehbarer Zeit ein Wechsel in eine Vollzeitstelle möglich wäre.Mein Freund steht komplett hinter mir und versucht mich zu unterstützen, wo es geht und würde unsere Tochter morgens immer zur Kita bringen können, sodass ich sie lediglich bis 16 Uhr abgeholt haben muss.
Es ist nicht so, dass ich keine Bewerbungsgespräche hatte, eigentlich waren es sogar 7 insgesamt bei circa 30 Bewerbungen bisher, aber es gibt immer MitbewerberInnen, die kein Kind haben oder bereits Berufserfahrung. Von wegen Ärzte werden gesucht. Wo denn? Teilweise hört man Fragen wie: " Wie ,Sie haben ein Kind? Achso Sie wollen Teilzeit arbeiten? Wie stellen Sie sich das denn vor?Und was ist mit Forschung und wenn das Kind krank ist. Sie können wir leider nicht in unserem Team integrieren!"Sicherlich ist einschränkend, dass ich maximal eine 75% Stelle arbeiten kann, aber festgelegt auf eine Fachrichtung habe ich mich noch nicht mal, mittlerweile bin ich für alles offen, nur um einzusteigen.Die Wunschvorstellung, in meinem Lieblingfachgebiet Pädiatrie einzusteigen, habe ich schon sehr früh ablegen müssen.Ich bewarb mich in einem Umkreis von einer dreiviertel Stunde Fahrzeit mit Bahn oder Auto von unserem Wohnort und mittlerweile bin ich bei 1 Stunde und mehr angelangt, wobei die Frage ist, ob sich 2,5h Autofahrt pro Tag bei einer halben Stelle mit 4,5 Stunden Arbeitszeit überhaupt noch lohnt!Das alles macht mich sehr wütend und teilweise ertappe ich mich schon beim resignieren, obwohl ich natürlich weiß, dass ich nicht aufgeben darf und will, endlich als Ärztin auch arbeiten zu "dürfen".
12. Würdest du ein Studium mit Kind noch einmal auf dich nehmen?
Es ist schwierig, das zu beantworten. Wenn man die Zeit während des Studiums betrachtet, war diese Wahl und dieser Zeitpunkt sicherlich ideal während des PJ. Andererseits wäre es vielleicht ganz klug, den Berufseinstieg so zu planen, dass man mit einer vollen Stelle anfangen kann, dann, wenn das Kind mit 3 Jahren im Kindergarten länger betreut wird.Ein Rechenbeispiel wäre : 1. Tertial PJ, dann Geburt,dann 1,5 Jahre aussetzen( dann 2. und 3. Tertial PJ), dann Examen, dann fulltime-Jobeinstieg. Leider kann man aber in den wenigsten Fällen beeinflussen, wann genau so ein Würmchen geboren wird .
Ausserdem gibt es dann ja immernoch die 2.Meinung, ein Kind aus Karrieregründen wenn überhaupt, sowieso erst dann zu bekommen, wenn man seinen Facharzt hat und biologisch eigentlich zu alt ist, fürs Kinder bekommen. Zusammenfassend kann man sagen, es gibt eigentlich nicht DEN! perfekten Plan, ein Kind ins Medizinstudium oder die Berufszeit als Ärztin zu integrieren, weil es immer Ziele gibt, die erreicht werden wollen (Klausuren, Examen,Berufserfahrung, Facharzt), bei dessen Erreichen man in Deutschland nicht sonderlich unterstütz wird. Das ist meine Meinung und Erfahrung.