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Warum ich Mediziner wurde

Interview mit praktizierenden Ärzten

MEDI-LEARN (Redaktion)

Interview

„Warum bist du Arzt geworden?“ Diese Frage haben wir zwei praktizierenden Medizinern gestellt: Lilian und Andrej. Die Antworten der beiden „fertigen Ärzte“ geben unterschiedliche und abwechslungsreiche Einblicke in mögliche Beweggründe, ein Studium der Humanmedizin zu beginnen.


Beschreibt bitte kurz Euren Werdegang. Welche Höhepunkte und welche Tiefpunkte gab es im Medizinstudium?


Lilian:
Meine Schulzeit verlief ohne große Probleme und Vorkommnisse. Der Beginn meines Studiums sah da schon anders aus: Nach dem Abi erhielt ich im Nachrückverfahren einen Studienplatz für Medizin an der Uni Magdeburg. Hier sah ich mich nicht nur mit einer mir völlig fremden Stadt und neuen Leuten konfrontiert, sondern auch mit einem bereits laufenden Semester! Die ersten Testate standen an und ich wusste gar nicht, wann und vor allem wie ich anfangen sollte, den Stoff zu lernen.
Die Kurzfassung der Geschichte ist, dass ich mich im zweiten Jahr entschied, die Uni zu wechseln und drei Jahre bis zum Physikum gebraucht habe. Diese Entscheidung habe ich nie bereut, da ich an meiner neuen Uni in Lübeck gemerkt habe, dass das Studium auch Spaß machen kann und nicht größtenteils aus Tiefpunkten besteht.
Die klinische Zeit verlief auch für mich reibungsloser. Während der Blockpraktika konnte ich immer etwas Klinikluft schnuppern und an der lange vermissten Praxis teilhaben. Zum Praktischen Jahr (PJ: letztes Jahr im Medizinstudium) habe ich die Uni nochmals gewechselt, weil ich diesen Abschnitt meines Studiums nicht an der Klinik der Uni machen wollte, wo sich viele Studenten auf einer Station drängeln. Ich erhielt über die Uni Göttingen einen Platz an einem Bremer Lehrkrankenhaus. Das PJ war für mich definitiv einer der Höhepunkte des Studiums, da mir hier bewusst wurde, dass ich das für mich richtige studiert habe!

Andrej:

Mein Abi habe ich mit 19 gemacht, dann kam die Bundeswehr – ursprünglich nicht für zwölf Monate, sondern für zwölf Jahre geplant. Ich durchlief die normale Offizierskarriere inklusive Maschinenbaustudium (unter anderem in Unna, Aachen, Hannover, Hammelburg, Altenstadt, München und Augustdorf). Dann gab es plötzlich die Möglichkeit, die Verpflichtungszeit von zwölf auf neun Jahre, trotz Studiums, zu verkürzen, da die Bundeswehr damals von 490.000 auf 370.000 Mann verkleinert wurde.
Diese Chance ließ ich mir natürlich nicht entgehen und entschied mich gegen das Arbeiten und für ein Studium, da ich die Freiheiten eines Studiums sehr wohl zu schätzen wusste und zudem finanziell durch eine ordentliche Abfindung und Übergangsgebührnisse sowie zusätzlich durch eine kleine Nebentätigkeit in einem eigenen Ingenieurbüro relativ unabhängig war.
Ich habe dann also an der Medizinischen Hochschule in Hannover mein Studium begonnen und nach fünf Jahren und dem 2. Staatsexamen für das Praktische Jahr an die WWU nach Münster gewechselt. So richtige Tiefpunkte gab es eigentlich nicht. Ich habe das Studium genossen und es als fortwährenden Höhepunkt angesehen!

Mit welcher Motivation habt Ihr Euch entschieden, Medizin zu studieren?


Lilian:
Mein Vater war Arzt und ich fand es schon als Kind spannend, mit ihm ins Krankenhaus zu fahren, ab und zu mal einen Blick in den Rettungswagen werfen zu können und ihn auszufragen, was er eigentlich den ganzen Tag so macht. Erst in der Oberstufe habe ich mich vermehrt mit der Frage beschäftigt, ob ich Ärztin werden sollte. Ich fand die Vielzahl an Möglichkeiten spannend, die dieser Beruf bietet. Der Gedanke, anderen Menschen helfen zu können, hat mich einfach fasziniert, auch wenn sich das etwas platt anhört. Wirklich ernsthaft darüber nachgedacht, etwas anderes zu studieren, habe ich eigentlich nicht. Irgendwie wusste ich, dass das der richtige Beruf für mich ist!

Andrej:

Ich habe Medizin gewählt, weil ich es mit meiner vorherigen Ausbildung bestens verbinden kann. Mein Ziel ist und bleibt eine Tätigkeit im Überschneidungsgebiet von Maschinenbau und Medizin: Die Entwicklung von Endoprothesen beispielsweise ist ein Traum für mich. Aber auch die derzeitige Arbeit in der Orthopädie ist schön.

Wie bewertet Ihr Eure Entscheidung rückblickend? Wer sollte Medizin studieren?


Lilian:
Ich denke, dass eine Portion Idealismus dazugehört, dieses Studium auf sich zu nehmen und es durchzustehen. Ich wusste, was ich wollte, auch wenn ich manchmal nicht wusste, wie ich das erreichen sollte. Wenn ich aus Prestige oder Geldgründen den Arztberuf gewählt hätte, hätte ich wahrscheinlich schon früh aufgegeben.

Andrej:
Prestige allein bringt einen sicher nicht weit. Und ich finde, man muss kein Überflieger sein, um Arzt zu werden. Ich würde mich wahrlich nicht als „Brenner“ bezeichnen, ich bin auch kein Arbeits- oder Lerntier. Das Ökonomische Prinzip – also mit möglichst wenig Aufwand das Maximum zu erreichen – das habe ich quasi perfektioniert!

Wie sieht der Alltag als Arzt für Dich heute aus? Was macht Dir am meisten Spaß? Was am wenigsten?


Lilian:
Ich arbeite seit ein paar Monaten als Assistenzärztin in einer großen unfallchirurgischen Klinik. Im Moment arbeite ich in der Ambulanz: Das kann sehr stressig, aber umgekehrt auch sehr lehrreich sein. Beim Befunden von Röntgenbildern, Festsetzen der Therapie und Fragen nach OP-Indikationen gibt es zwar fast täglich Fälle, bei denen ich nicht so recht weiter weiß, weil man durch Uni und PJ einfach nicht genug Routine und Praxiswissen bekommen hat. Aber ich habe nette Kollegen, die mir immer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Nach dem 3. Staatsexamen habe ich zunächst an meiner Doktorarbeit geschrieben. Ich wünschte, ich hätte sie schon fertig stellen können – an den dienstfreien Wochenenden auch noch an der Dissertation zu schreiben, ist ziemlich anstrengend.

Andrej:

Derzeit arbeite ich in einem schnuckeligen Ort in der Schweiz als Assistent in der Orthopädie. Hier arbeite ich zu 50 % klinisch und zu 50 % wissenschaftlich, natürlich im Bereich der Endoprothetik. Das hält mich auf dem richtigen Weg und macht viel Freude!
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