Chirurgie in Ungarn
Ein Famulaturbericht aus Budapes
Daniel Eberst, Martin Braun, Pascal Gossen
Angesichts akuter Geldsorgen und der Notwendigkeit im Famulaturprogramm voranzukommen, entstand unter mir und zwei Kommilitonen die Idee, doch das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: Wir spielten mit dem Gedanken, eine Famulatur in Ungarn zu absolvieren. Da wir natürlich alle Fristen von Organisationen wie z.B. dfa längst verpasst hatten und wir in ca. 2 Monaten starten wollten, schien uns eine spontane Internetbewerbung die einzige Möglichkeit zu sein
Prompte Reaktionen: Die Zusage liess nicht lange auf sich warten
Wir suchten an einem Nachmittag einige E-Mail-Adressen von Professoren aus der Chirurgie heraus, verfassten ein kurzes Bewerbungsschreiben auf Englisch und schickten dann munter Bewerbungen heraus.Für die Chirurgie hatten wir uns bewusst entschieden, da wir auf ungarisch einfach keine vernünftige Anamnese erheben könnten und unserer Meinung nach das Sprachproblem im OP-Saal nicht mehr so gravierend sein würde. Wir erhielten nach extrem kurzer Zeit positive Antwort von einem Professor und waren selbst überrascht, wie einfach das alles zu gehen schien. Der von uns angegebene Zeitraum von 15 Tagen wurde uns zugesagt, und wir sollten nur noch eine Bestätigung unserer Düsseldorfer Uni schicken, dass sie dieses Vorhaben unterstützt und damit auch belegt, dass wir auch wirklich Medizin studieren. Wir schickten also jeder einen „Letter of recommendation“ unserer Studiendekanin an den Budapester Professor und harrten der Dinge die da kommen sollten.
So war’s wirklich: Ankunft, Wäsche-Ausgabe und ab in den OP
Mit dem Auto fuhren wir einige Tage vor unserem Start im Krankenhaus vom Rheinland aus nach Ungarn los und fanden auch recht problemlos unser Apartment in Budapest. Das hatten wir natürlich auch über das Internet gebucht und hatten ein richtig Gutes erwischt! Sehr zentral gelegen und gut ausgestattet, lieferte es uns eine hervorragende Basis, um die Stadt zu erkunden, was wir auch ausgiebig taten. Budapest ist eine absolut besuchenswerte Stadt und auch das Abendprogramm kann sich sehen lassen.An unserem ersten Arbeitstag mussten wir dann erst einmal die Klinik finden, was aber dank hilfsbereiter Budapester gut klappte. Dort kurz vor neun angekommen, machten wir der Sekretärin des Professors ungefähr klar, wer wir sind (sie verstand kein Wort Englisch oder Deutsch…). Wir wurden dann bald von einem Chirurgen begrüßt, der uns umgehend mit ungarischen Studentinnen bekannt machte, die sowohl Deutsch als auch/oder Englisch gut beherrschten. Sie führten uns dann zur Wäsche-Ausgabe, wo wir zwar nicht ganz passend, aber immerhin komplett eingekleidet wurden und zeigten uns auch sonst alles Wesentliche (Umkleide, OP-Saal und nicht zuletzt das „Bufe“, was wir unter dem Namen Cafeteria kennen).
Um den Tag abzurunden, gingen wir dann auch zielstrebig direkt in den OP, wo wir zwar jedem auffielen, jedoch niemals negative Reaktionen ernteten, sondern ganz im Gegenteil viele freundliche Leute trafen. Nach und nach stellten sich uns einige ÄrzteInnen vor, von denen erstaunlich viele exzellent Deutsch sprechen und die teilweise Freude hatten, diese Kenntnisse wieder zu gebrauchen. Wir durften fortan an mindestens drei Operationen pro Tag im Fachgebiet der Abdominalchirurgie zuschauen und Fragen stellen, sowohl an die Chirurgen wie auch an die Anästhesisten, von denen auch viele im Ausland einen Teil ihrer Ausbildung geleistet haben und daher gut Deutsch können. Erstaunlich für uns war die Tatsache, mit wie viel Enthusiasmus und Begeisterung die Ärzte ihren Beruf ausübten, trotz der Tatsache, dass sie im Monat im besten Falle nicht mehr als 500,- Euro Gehalt bekommen!