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Famulatur in Ungarn

Erfahrungen in der Chirurgie

Juliane Barth

 

Im August des Jahres 2005 habe ich in der ungarischen Stadt Pécs in der Chirurgie des Universitätsklinikums eine Famulatur gemacht, von der ich euch meine Eindrücke schildern möchte. Da die Ungarn als ein sehr deutschfreundliches und geselliges Volk gelten und ich noch nie in Ungarn war, wollte ich diese Famulatur nutzen, um das reizvolle Land einmal intensiver kennenzulernen. 

Chirurgiefamulatur in Ungarn

Vorbereitung
Bei der "bvmd" (www.bvmd.de) habe ich mich für diese Famulatur beworben, was relativ unkompliziert funktionierte, da die "bvmd" sehr gut organisiert ist. Ich musste mich dafür im Dezember des Vorjahres bewerben, die Zusage kam dann im April.
Da mir gesagt wurde, dass ungarisch eine sehr schwierige Sprache ist, habe ich vor der Famulatur einen Ungarischkurs belegt. Leider konnte ich diesen nur für vier Stunden besuchen, aber die wichtigsten Worte (Hallo, Danke, guten Tag, Ich heiße...) waren mir nicht mehr fremd.
Bei meiner Hinreise bin ich mit dem Nachtzug über Wien nach Budapest und von dort nach Pécs weiter gefahren. Das Ticket hat zusammen mit einem Euro-Domino-Ticket (dieses kann man an vier Tagen in Ungarn innerhalb eines Monats nutzen) etwa 100 € gekostet. Eigentlich hätte ich mir das Domino-Ticket aber sparen können, weil die Zugtickets in Ungarn viel günstiger sind als hier in Deutschland.
Da die Zugfahrt von Leipzig nach Pécs doch etwas lange gedauert hat (etwa 22h), bin ich nach dem Monat in Ungarn mit dem Flugzeug zurückgeflogen. Bei Easy-Jet hat dieser Flug 92 € mit Gebühren gekostet. Das klingt zwar viel, ich hatte den Flug aber auch erst zwei Tage vor Abreise gebucht. Wenn man aber zeitig genug bucht, kommt man mit dem Fliegen relativ günstig hin.
Sprache
Wie gesagt, ungarisch ist wirklich eine sehr schwere Sprache, welche für mich so gut wie nicht nachvollziehbar war.
Doch die meisten Leute, mit denen wir etwas zu tun hatten (u. a. mit den Ärzten im Krankenhaus, den Kontaktpersonen), konnten entweder sehr gut Englisch oder Deutsch, was dann kein Problem mit der Verständigung war.
Oft war es sogar so, dass die Ungarn einen besser verstanden haben, wenn man Deutsch sprach und kein Englisch.
Wenn man sich in öffentlichen Einrichtungen, z. B. beim Einkaufen, mit einem „Köszönöm“ bedankte, merkte man meist, dass die Ungarn darüber sehr erfreut sind, wenn man als Ausländer versucht, ihre Sprache zu sprechen.

Arbeit im Krankenhaus
Am ersten Tag unserer Famulatur wurden wir Austauschfamulanten von unseren Kontaktpersonen in die jeweiligen Kliniken und Stationen gebracht und sie haben dann für uns auch alles Wichtige geregelt (z. B. Klinikbekleidungs-Ausleihe).
Wie vier andere ausländische Famulanten hatte ich mir Chirurgie als Fach ausgesucht.
Jeden Morgen 7.45 Uhr begann der Tag auf der Chirurgie mit einer Morgenbesprechung mit allen Ärzten der Chirurgie. Eigentlich war diese Besprechung nicht sehr sinnvoll für uns, weil wir nichts von dem Ungarisch verstanden haben (außer hin und wieder mal einen medizinischen Fachbegriff).
Nach dieser Besprechung begannen die OPs. Es gab drei OP-Säle, und wir konnten uns aussuchen, bei welcher OP wir zusehen wollten. Das Programm der OPs war sehr vielfältig (Operationen von z. B. Darm, Galle, Lunge, Schilddrüse, Magen, Hernien...), so dass wir ziemlich viele unterschiedliche Eingriffe beobachten konnten.
Leider war es nur für drei von uns fünf Famulanten möglich, während der ganzen Zeit nur einmal Haken zu halten. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass neben uns noch einige ungarische Studenten mit da waren oder ob es zu schwierig war, sich unsere Namen zu merken und diese mit auf den Plan zu schreiben. Jedenfalls war unsere einzige Aufgabe bei den OPs zuzuschauen. Das ist sehr interessant, wenn man einen guten Blickwinkel hat. Es bringt aber nichts, wenn man die ganze Zeit nur den Rücken des Operateurs sieht. Denn wir mussten ja trotzdem noch einen gewissen Sicherheitsabstand wegen der Sterilität bewahren, sonst hat man schon mal einen bösen Blick von der OP-Schwester gefangen, auch wenn man nichts berührt hat.
Teilweise haben uns die Ärzte die OPs sehr gut erklärt, was das ganze wieder interessanter gemacht hat. Die Anästhesisten waren ebenfalls meist sehr hilfsbereit.
Was ich sehr merkwürdig fand, war, dass manche Ärzte während der OP mit ihrem Handy ständig telefoniert haben. Sind nicht Handys in deutschen Krankenhäusern verboten??? (auch wenn sich wenige daran halten)
Die Patienten haben wir nur auf dem OP-Tisch gesehen, denn wir ausländischen Famulanten waren nicht einmal mit auf Station (was aber sicher auf die Sprachbarriere zurückzuführen ist).
Nachdem die OPs beendet waren, konnten wir auch gehen, was so etwa 12-14 Uhr war (also nicht zu Vergleichen mit der Strenge in Deutschland). Wenn man die Ärzte gefragt hat, ob man eher gehen darf, weil wir was vor hatten, war das auch kein Problem. Manchmal haben uns die Ärzte sogar geraten, lieber Land und Leute kennenzulernen, als ins Krankenhaus zu kommen, was einige von uns sehr genutzt haben.

Verpflegung
Mittags haben wir in einer Art Mensa während der Woche Essen bekommen.
Ansonsten mussten wir uns selbst versorgen. Da die Preise in Ungarn aber einiges günstiger für Lebensmittel sind als in Deutschland, war das relativ kostengünstig.
Sehr gefallen haben mir die Märkte, auf denen man frische Lebensmittel aller Art nicht teuer kaufen konnte.
Wer besonders Fleisch und Paprika mag, der wird in Ungarn auf alle Fälle auf seine Kosten kommen.
Bei uns ausländischen Studenten hat fast jeden Abend eine andere Nation für alle gekocht, was das ganze auch nicht zu teuer werden ließ.

Unterkunft
Wir Famulanten waren in einem Studentenwohnheim untergebracht, was dem osteuropäischen Standard entspricht. Es waren 3-Bettzimmer, die etwas eng, einfach eingerichtet und mit einem Kühlschrank und einem Waschbecken ausgestattet waren. Es ließ sich aber darin aushalten.
Die Duschen und die Toiletten waren auf dem Gang, doch diese waren aufgrund des Gestanks und der Kakerlaken im ersten Moment schon ein kleiner Schock, aber man gewöhnt sich an alles!

Freizeitgestaltung
Unsere Kontaktpersonen haben sich für uns wirklich große Mühe gegeben, denn sie hatten sich für jeden Tag des Monats ein „social program“ überlegt. Sie organisierten u.a. kleine Partys für uns, wir konnten die Stadt Pécs mit ihren schönen Plätzen kennenlernen und wir sind zu sehenswerten Orten in der Umgebung von Pécs gefahren. An den Wochenenden waren wir am Balaton, in Budapest und in Széged (einer ungarischen Stadt).
Die meisten Touren sind wir mit dem Bus oder mit dem Zug gefahren, was in Ungarn wirklich sehr günstig ist. Bei der Fahrt zum Balaton (ca. 200km) haben wir pro Person nur etwa 600 ft bezahlt, was weniger als 3 € sind.

Fazit
Der Monat in Ungarn war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Bei einer Famulatur in Deutschland hätte ich bestimmt mehr gelernt, aber es war ein tolles Erlebnis und ich habe im Krankenhaus in Pécs trotzdem sehr viel für mich Neues gesehen.
Ungarn ist wirklich eine gute Wahl für eine Famulatur im Ausland, wenn man nicht gleich etwas völlig exotisches machen will, weil vieles den deutschen Gewohnheiten entspricht. Die Ungarn sind ein sehr nettes und freundliches Volk, was außerdem viel lockerer und gelassener mit den meisten Dingen des Lebens (z. B. mit Pünktlichkeit u.v.m.) umgeht.
Besonders gefallen hat mir, so viele nette Leute aus den unterschiedlichsten Kulturen zu treffen und mit ihnen einen Monat zusammenzuleben. Außerdem haben uns unsere Kontaktpersonen den Aufenthalt in Ungarn sehr angenehm gestaltet und uns die Möglichkeit gegeben, das Land gut kennenzulernen.
Ich würde jedem empfehlen, ebenfalls eine Famulatur im Ausland zu machen!