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Famulatur auf den Cook Islands

Medizin in der Südsee

Andrea Schimmel

Münsteraner Sommerhitze, endloses Schwitzen in der kleinen Studentenbude, Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen, unzählige kleine Kreuzchen neben blöden IMPP-Antwortmöglichkeiten...So sollte mein Sommer 2002 eigentlich aussehen. Doch manchmal kommt es anders und deshalb hieß es statt dessen für mich 2 Monate lang Sonne, Palmen, kristallklares Wasser, exotische Menschen und wohlverdienter Urlaub auf den Cook Inseln, weit, weit weg vom trüben Deutschland. Doch von Anfang an..

Nach dem Physikum macht sich Fernweh bemerkbar

Nach meiner ersten Famulatur in einem deutschen Krankenhaus direkt nach dem Physikum entwickelte sich der Wunsch, auch mal im Ausland medizinische Erfahrungen zu sammeln. Am liebsten wäre ich wohl eine Weile nach Australien oder Neuseeland gegangen, doch nach ersten Erkundigungen musste man dort mit einer hohen Studiengebühr rechnen. Also sah ich mich nach etwas anderem um, bis ich per Zufall einen kleinen Reisebericht über die Cook-Inseln in einer Fernsehzeitung las.
Ich habe mich sofort in die Bilder verliebt. Mal ehrlich, wer hat noch nicht davon geträumt? Hellbeiger, feiner Sand, kristallklares Wasser, Palmen soweit das Auge reicht, freundliche Menschen, mildes Klima, eben ein kleines tropisches Inselchen wie aus dem Märchen. Konnte man dort famulieren? Ich wusste nicht einmal, wo die Cook-Inseln liegen, ob es dort überhaupt ein Krankenhaus gab, welche Sprache man dort wohl sprach. In dem Artikel war die Adresse eines deutschen Arztes angegeben, Dr. Wolfgang Losacker, ein Internist, der seit knapp 30 Jahren dort lebt und ohne lang nachzudenken schrieb ich genau diesem eine Email.([email protected]) Die Antwort kam prompt und war überraschend erfreulich mit etwa folgendem Wortlaut: „Na klar. Ich würde mich freuen, wenn du kommst. Das Krankenhaus hat schon zugesagt. Sag Bescheid, wann du kommst, ich hol dich vom Flughafen ab.“

Wo liegen eigentlich die Cook-Inseln?

Ich war natürlich baff, doch damit war eine konkrete Idee geboren: Ich würde auf den Cook-Inseln famulieren. Vorne weg gesagt, es war mit ehrlich egal, ob das LPA diese Famulatur anerkennen würde, doch sie hat es nach meiner Rückkehr anstandslos getan. Also selbst dafür ist gesorgt! Nun, wo liegen die Cook-Inseln überhaupt?

Surftipp

Auslandsbereich
Wenn Ihr bisher erfolglos versucht habt, sie auf dem Globus zu finden sucht an folgender Stelle noch mal: 1.Südhalbkugel, dann 2. Finger auf Neuseeland, und 3. 2500 km nach Norden, danach 4. 2000 km nach Osten. Irgendwo dort zwischen Fidji und Tahiti mitten im Pazifischen Ozean liegt Rarotonga, die Hauptinsel der 15 Inselchen die zu den Cook-Inseln gehören. Nicht mehr als ein kleiner Punkt auf dem Globus, grad mal 32 km im Umfang, 12000 Einwohner, in der Mitte ein Berg, ein internationaler Flughafen, ein kleines Krankenhaus, ein paar Kneipen und Supermärkte und mehr weißer Strand als man auf einmal verkraften kann.

Noch schnell Sonnencreme besorgen und auf geht´s...

Naja, um die Sache abzukürzen: Ich machte ernsthafte Pläne, verschob mein 1. Staatsexamen auf den nächsten Winter, hab mir ein Flugticket gekauft (ca. 1300 Euro hin und zurück, über die USA billiger als über Australien), Sonnencreme besorgt und weg war ich.
Bin also irgendwann Mitte Juli in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen und etwa 40 Stunden später nach 10 stündigem Aufenthalt in Los Angeles und Zwischenstopp auf Tahiti am frühen Morgen auf Rarotonga gelandet. Alle Flüge kommen und starten nachts bzw. frühmorgens, daher sieht man die Insel leider nie von oben. Doch das herrlich warme Klima entschädigt einen sofort. In unserem Sommer ist auf den Cook-Inseln gerade Winter, doch auch nachts sinkt das Quecksilber kaum unter 20 Grad und tagsüber ist es sommerlich warm und dabei nicht zu heiß.

Meine zweite Heimat Aremango Inn

Dr. Losacker hatte leider vergessen, mich abzuholen, stattdessen nahm mich ein freundlicher Einheimischer in seiner Klapperkiste mit. Während meines ganzen Aufenthalts waren die Einheimischen, die zum großen Teil von den Maori abstammen und neuseeländische Pässe haben, von meinen blonden Haaren fasziniert und ich hatte nie Probleme damit, eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern. Zusammen mit Dr. Losacker suchte ich dann nach einer Unterkunft, die meinem mageren Budget gerecht wurde und landete letztendlich in einer kleinen Pension am Muri Beach, dem schönsten Strand der Insel. Meine neue Heimat für die nächsten 2 Monate hieß Aremango Inn und war eine Art Jugendherberge mit 4er Zimmern und Gemeinschaftsküche. Im allgemeinen nicht mit einem Hotel zu vergleichen, doch dort gingen die jungen Leute ein und aus, ich habe dort sehr viele Menschen in meinem Alter aus aller Herren Länder kennen gelernt und oft haben wir bis spät in die Nacht am Grill gesessen, frischen Papageienfisch gegessen und gequatscht bis die Sonne aufging. Die jungen Betreiber der Unterkunft haben mir zum Schluß einen guten Preis gemacht, wohl als Dankeschön dafür, das ich dem Besitzer nach einem Surfunfall die Fäden gezogen habe und dem ein oder anderen Gast die Korallenstückchen aus den Füßen entfernt habe. Im Endeffekt habe ich etwa 4 Euro pro Nacht gezahlt, ein fairer Preis. Das Aremango Inn war nix besonderes, aber sauber und immer voll mit Leben. Wer einen größeren Geldbeutel hat kann zwischen 4 und 1000 Euro pro Nacht ausgeben. Alles ist möglich.
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