Famulatur in Dublin, Irland vom 28.07.2003 bis 30.09.2003
Loughlinstown Hospital und Beaumont Hospital
Redaktion Medi-Learn.net
Famulatur in Dublin, Irland vom 28.07.2003 bis 30.09.2003
Eine Famulatur in Irland durchzuführen war bei mir einerseits persönlich motiviert, da ich zuvor schon mehrere Monate in Dublin verbracht hatte und diese Zeit als sehr positiv in Erinnerung hatte und andererseits, weil ich mir von dieser Erfahrung mehr erhoffte als in einem deutschen Krankenhaus. Meine Hoffnungen wurden auch in keiner Weise enttäuscht.
Vorbereitung
Ich hatte mich erst im März entschlossen, eine Famulatur in Dublin anzustreben. Ich dachte mir, dass dies für den offiziellen Weg über das Studentenbüro der Krankenhäuser schon zu spät sei, weshalb ich mich für eine andere Taktik entschied.
Zu allererst schrieb ich Emails an alle Chefärzte, an deren Emailadresse ich über das Internet herankam. Dann rief ich in den Krankenhäusern direkt an und fragte nach. In den großen Krankenhäusern sagte man mir auch gleich, dass alle „electives“ schon vergeben seien. Als ich das Mater Hospital anrief und dort dieselbe Auskunft bekam, drückte ich ein wenig auf die Tränendrüse und klagte der netten Dame am Telefon mein Leid. Diese riet mir dann, es doch in einem der peripheren Krankenhäuser zu versuchen und gab mir die Nummer des Loughlinstown Hospitals. Dort rief ich an und ließ mich mit dem „student coordinator“ verbinden. Diese Dame ist ausschließlich für die Verwaltung der Studenten zuständig, und als ich sie endlich ans Telefon bekam (sie arbeitet leider nur halbtags zu etwas wahllosen Zeiten) sagte sie mir auch sofort zu, allerdings nur für vier Wochen, obwohl ich eigentlich acht Wochen eingeplant hatte. Sie bat mich nur, ihr meinen Lebenslauf zu schicken und einen Letter of Recommendation. Als ich ihr beides schließlich zuschickte, bekam ich auch die definitive Zusage.
Etwa einen Monat später fand ich eine Email in meinem Postfach von dem Consultant der Endokrinologie des Beaumont Hospitals, der mir ebenfalls eine Famulatur anbot. Sofort sagte ich für den zweiten Monat zu. Für ihn war die Sache damit erledigt und er wollte auch keine weiteren Dokumente von mir. So unkompliziert kann es manchmal gehen.
Diese Zusage machte mich besonders glücklich, da das Beaumont Hospital eines der größten Krankenhäuser Irlands ist und außerdem Lehrkrankenhaus des Royal College of Surgeons. Letzteres wusste ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht, es sollte sich aber als eine sehr glückliche Fügung herausstellen.
Da ich bereits eine Unterkunft in Dublin hatte und mich nicht um ein Zimmer bemühen musste, kann ich zur Wohnungssuche nicht allzu viel sagen. Ich weiß aber, dass alle anderen Famulanten, die ich dort kennengelernt hatte, relativ schnell unterkamen. Der Wohnungsmarkt in Dublin entspannt sich gerade, und im Sommer, bevor die Studenten wieder an die Uni zurückkehren, findet man auch eher etwas. Eine Famulantin kam im Studentenwohnheim Trinity Hall in Rathmines unter, was wohl akzeptabel gewesen sein soll. Es ist aber zu sagen, dass man das Stadtzentrum tunlichst meiden sollte, insbesondere als Frau. Ich habe das auch lange für ein Gerücht gehalten, konnte mich aber mal wieder vom Gegenteil überzeugen.
Auch bietet im Notfall die Studienkoordinatorin des Loughlinstown hospitals an, dass man für 20 Euro die Nacht ein Zimmer bei ihr mieten kann. Sie wohnt aber ziemlich weit draußen und 20 Euro sind auch in Dublin nicht wenig Geld. Um einen Flug zu buchen, ist es auf jeden Fall lohnend, mit Ryanair zu fliegen, auch wenn man dann in London STN sein Gepäck wieder auschecken muss. Von Berlin aus ist es oftmals günstiger, nicht mit Ryanair sondern mit Air Berlin nach London zu fliegen. Für meinen Rückflug habe ich so nur knapp hundert Euro bezahlt.
Dublin an sich ist unglaublich teuer. Alles ist teuer, nicht nur die Mieten sind horrende. Bei jedem Lebensmitteleinkauf staunte ich aufs Neue, wie viel Geld man in so wenige Produkte investieren kann, als Beispiel: vernünftiger Orangensaft, ein Liter, kostet zwei bis vier Euro.
Loughlinstown Hospital
Das Loughlinstown Hospital liegt außerhalb der Stadt Dublin im County Dublin. Es fahren zwei Busse aus dem Stadtzentrum direkt dorthin. Ich brauchte immer etwa eineinhalb Stunden, um dorthin zu gelangen.
An meinem ersten Tag zeigte mir die Studienkoordinatorin das Krankenhaus und stellte mich einigen Ärzten vor. Ich war keinem Team zugeteilt und sollte erst mal sehen, was mich so interessiert. Ein Team besteht in Irland, genau wie in England, aus dem Consultant, was im Prinzip dem Chefarzt entspricht und meist zwei Registrars (Assistenten im dritten Jahr), ein oder zwei SHOs (Assistenten im zweiten Jahr) und den Interns, die meiner Meinung nach so eine Mischung aus Pjlern und AIPlern darstellen. Dann gibt es noch die specialised Registrars, die in ein Higher Education Scheme aufgenommen wurden und sich nun endlich spezialisieren dürfen. Generell gilt, mindestens drei Jahre Innere, dazwischen noch das Membership Exam ablegen (meist nach dem SHO-Jahr) und sich dann für so eine Weiterbildungsstelle bewerben, was wohl gar nicht so leicht ist. Viele gehen nach England, wenn sie in Irland keinen Erfolg haben. Die Interns rotieren alle drei Monate zwischen den Fachrichtungen der Inneren, die SHOs alle vier Monate und die Registrars bleiben meist ein ganzes Jahr. Das kann aber auch je nach Krankenhaus ein wenig anders ablaufen.
Die Interns sind meist dafür verantwortlich, die Patienten aufzunehmen, Blut abzunehmen und Befunden hinterherzutelefonieren. Sie haben auch noch Fortbildungen, meist einmal wöchentlich, was so ein bisschen wie der PJ-Unterricht anmutet. In Irland gibt es nämlich kein PJ und die Interns kommen direkt von der Uni und haben daher nur so mäßige klinische Erfahrung.
Nachdem die Studienkoordinatorin mir das Krankenhaus gezeigt hatte, ließ sie mich in der Notaufnahme, wo ich meine Zeit bis zur Mittagsbesprechung verbringen sollte. Die Notaufnahme mutet für meine Begriffe ein wenig seltsam an. Die Patienten lagen auf Tragen in einem großen Raum und waren nur durch Vorhänge voneinander getrennt. Die Ärzte gingen dann in die „Cubicles“, um die Patienten zu versorgen. Es gab allerdings noch einen separaten Raum für „echte“ Notfälle und Reanimation. Ich heftete mich sogleich an die Ärzte, die interessante Fälle hatten. Ich durfte auch selbst einen Patienten aufnehmen, was allerdings völlig schief ging, da ich das System des history takings nicht kannte. Die Anamnese läuft nach einem ganz bestimmten System ab, dass ich mir gleich aufschreiben ließ, denn nach Meinung der irischen Ärzte ist dieses System und die klinische Untersuchung (wofür es auch wieder hundert Systeme gibt) das Allerwichtigste. Man findet sich aber schnell ein.