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Famulatur in Neuseeland

Klinikeinblicke aus dem Kiwi-Land

Leonie Franke

Der letzte Sommer vor dem zweiten Staatsexamen, die letzte Famulatur – eine gute Möglichkeit, noch einmal Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Meinen Freund brauchte ich nicht lange von Neuseeland zu überzeugen, das Ziel stand also schnell fest. Wir entschieden uns für die Bewerbung über das Internet. Die Adressen der Krankenhäuser konnte ich über die Webseite www.everybody.co.nz/hospitals ausfindig machen.

Famulatur im Kiwi-Land: Taranaki Base Hospital

Wir schrieben ein Jahr vorher an cirka 30 öffentliche Krankenhäuser formlose E-Mails, da private Kliniken in Neuseeland keine Studenten aufnehmen. Wir erhielten vier Antworten, davon drei Absagen und eine Zusage, diese vom Taranaki Base Hospital in New Plymouth. Danach ging alles sehr schnell und unkompliziert. Die Bewerbungsunterlagen bekamen wir per E-Mail zugeschickt, dazu viele Informationen über das Krankenhaus, die Unterkunft und die Stadt. Mit den Bewerbungsunterlagen mussten wir ein „Immunization Record“ über sämtliche Impfungen und Titer und einen Nachweis über einen negativen MRSA-Test mitschicken. Um in Neuseeland ein Praktikum/eine Famulatur zu machen (auch unbezahlt) braucht man ein Work Visa. Nähere Informationen und das Visum gibt es bei der neuseeländischen Botschaft in Berlin ( www.nzembassy.com ). Im Gepäck für Neuseeland sollten feste Schuhe, eine gute Outdoorjacke und ein Fotoapparat nicht fehlen. Nicht gebraucht haben wir unsere weißen Kittel, Stethoskope und Reflexhammer.


Nach einiger Zeit lief das Studium

Ich weiß noch ganz genau wie ich mich in diesen Tagen gefühlt habe und es hat noch einige Zeit gedauert, bis man sich an den Gedanken gewöhnt hat, dass alles irgendwie schon läuft. Nach der ersten Klausur sagt Du dir: „OK - die war ja auch ganz leicht oder das war halt mal Glück“ und die Klausuren kommen und gehen und den Stress, den man sich für die ersten gemacht hat, tut man sich in der Folgezeit längst nicht bei jedem Testat an. Und das Bestehen ist dann längst nicht immer nur Glückssache – man stellt mit einem Mal stolz fest, dass es doch immer irgendwie einen Weg gibt, den ein oder anderen Schein zu erlangen.

Bin ich im falschen Film? Nein - ich habe das Physikum!

Und irgendwann kommt dann der Augenblick, in dem es Dir dann so geht wie mir: Du stehst im Prüfungsamt Schlange und wartest auf Dein Physikumszeugnis. Ihr könnt mir glauben: ich hab echt gedacht ich bin im falschen Film. Jetzt stehe ich hier mit dem Physikum in der Tasche. Ich hab die erste Hürde geschafft, und das Wichtigste: ganz ohne Bio Leistungskurs oder Physik-Grundkurs in der Oberstufe. Ich hatte es wirklich geschafft, ich - die ich in der Schule immer das absolute Chemie-Weichei, der Nullchecker in Sachen Organik, Strukturformeln und Co. war.
Durch die Einfachverglasung der Fenster war es manchmal sehr kalt, zumal es nach typical british style nur Laken und Steppdecken zum Zudecken gab. Dennoch ließ es sich dort gut leben und die gemeinsamen Abende mit den anderen Bewohnern waren immer sehr gemütlich.

Krankenhaus

Das Taranaki Base Hospital ist für neuseeländische Verhältnisse ein mittelgroßes Krankenhaus mit 210 Betten. Es versorgt zusammen mit dem kleinen Hawera Hospital (26 Betten, ca. 1 Stunde von New Plymouth) die gesamte Taranaki Region mit insgesamt 102 000 Einwohnern. Nahezu alle Bereiche werden hier abgedeckt und nur in schweren Fällen werden die Patienten in das nächste Haus mit Maximalversorgung in Hamilton verlegt.

Zwischen Kaffee und Geburten – der Klinikalltag:

Ich verbrachte den Monat in der Gynäkologie. Dort waren eine Assistenzärztin und vier Belegärzte für die gynäkologische Station, den Kreissaal und den „Postnatal Ward“ zuständig. Die meiste Zeit verbrachte ich bei den Hebammen im „Labour Ward“ (Kreissaal) und wurde von den Ärzten nur angepiept, wenn es etwas Spannendes zu sehen oder machen gab.

Die Hebammen kümmerten sich sehr nett um mich. Ich betreute mit ihnen die Schwangeren vor der Entbindung, war bei Geburten dabei und ging ab und zu mit zu den Hausbesuchen. In Neuseeland wird jede Mutter in den ersten sechs Wochen nach der Geburt regelmäßig von einer Hebamme besucht. Dabei kann sie zwischen einer Hebamme des Krankenhauses und einer selbständigen sogenannten „Independent Midwife“ wählen. Als mich die Hebammen ein wenig besser kannten, durfte ich alles rund um die Geburt selber machen. Dazu gehörten die Betreuung vor der Entbindung, die Geburt des Kindes und später die Untersuchung des Neugeborenen. Selbst ein Kind zu entbinden war ein wunderschönes Erlebnis und eine Erfahrung, die man bestimmt nicht überall machen darf. Manchmal wurde ich auch nachts von den Hebammen gerufen, allerdings nur, wenn ich mich dazu bereit erklärt habe. Mit den Ärzten war ich nur selten unterwegs. Ich ging mit ihnen zu Aufnahmeuntersuchungen oder in den OP, wo ich entweder zuschaute oder assistierte. Grundsätzlich machten sie alle Eingriffe mit nur zwei Leuten, so war ich immer erste Assistenz und konnte viel sehen und lernen. Allerdings war das Arbeiten weitaus entspannter als ich es aus Famulaturen in Deutschland kannte. Oft war fast zu wenig zu tun, wenn einmal keine Geburt oder OP anstand. Dann traf man sich in der Cafeteria auf einen Kaffee oder Tee.
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