Famulatur in der Chirurgia d` Urgenza
unbekannt
Motivation: Da ich während meiner Schullaufbahn in der Oberstufe Italienisch gelernt hatte, wollte ich nun endlich mal erkunden, inwieweit meine Itlienischkenntnisse außerhalb eines Urlaubes ausreichen, um mich mit den Einheimischen zu verständigen. Mein Wunschort war eigentlich Verona oder Milano, aber es kam mit Messina nun mal anders.
Vorbereitung:
Großer Vorbereitung bedarf es nicht. Selbst wenn man die Sprache nicht beherrscht, kann man sich auch sehr gut mit „Händen und Füßen“ verständigen, was auch einige praktiziert haben.
Man sollte aber wissen, daß man nicht unbedingt bei jedem Italiener mit Englischkenntnissen glänzen kann. Ansonsten sind die Leute dort sehr gastfreundschaftlich, hilfsbereit und auskunftsfreudig.
Von den italienischen Studenten wird ein „Social Programm“ vorbereitet, wo jeder selbst entscheiden kann, an welchen Ausflügen er teilnehmen möchte.

Fachliche Eindrücke / Tätigkeitsbeschreibung
Was soll ich dazu sagen ? Na ja, jemand, der wirklich etwas während seiner Famulatur lernen will, sollte sich vielleicht nicht gerade für Messina bewerben; z.B. sind die offiziellen Arbeitszeiten für Famulanten von 8.30 – 13.00 Uhr. Aber es ist jedem freigestellt, wann er morgens auf der Station eintrudelt oder, ob er vielleicht doch lieber ausschlafen, zum Strand gehen oder einen Ausflug unternehmen möchte.
Viele Operationen habe ich nicht gesehen. Und davon hauptsächlich Hernien jeglicher Art. Man darf eben hier keine zu hohen Erwartungen haben. Wenn innerhalb einer Woche zwei Operationen stattfinden, sollte man zufrieden sein; denn immerhin befindet man sich im tiefsten Süden Italiens und dort geht nun mal alles mit viel, viel Ruhe und Gelassenheit. Nur nicht überanstrengen oder hetzen, wie es oft genug bei uns Deutschen ist. Mit anderen Worten: viel unterhalten, scherzen und nur das Nötigste und Wichtigste tun. Andere Tätigkeiten waren bei Amnamesen zu zuhören bzw. selbst aktiv mitzuarbeiten und die Universität mit all ihren Bereichen zu erkunden.
Sprachprobleme mit Ärzten:
Auf meiner Station war nun mal kein Arzt, der der englischen Sprache mächtig war, so daß ich in diesen Stunden glücklich war, daß ich auf mein Italienisch zurückgreifen konnte.
Ansonsten waren sowohl Ärzte als auch Schwestern sehr freundlich und liebenswürdig und versuchten stets uns etwas mit großer Freude zu erklären.
Organisation:
Eben typisch italienisch, aber dennoch sehr gut !?
SISM (= Segretariato Italiano Studenti In Medicina ) war in Messina durch einige italienischen Medizinstudenten vertreten, die sich um uns ( über 40 internationale Medizinstudenten ) kümmerten: sie holten uns vom Bahnhof ab, begleiteten uns zur Unterkunft, besorgten Essensmarken und das Busticket, kümmerten sich um die Famulaturbescheinigungen und organisierten Ausflüge. Doch bei all dem sollte man stets mit Überraschungen, Änderungen und Chaos rechnen. Daher sollte man sich nie über Banalitäten aufregen. Dazu zählt auch, wenn der Ausflug früh morgens um 6.30 Uhr angesetzt ist, aber doch erst um 8.30 Uhr gestartet wird. In einem solchen Fall sollte man sich sagen: Ich stehe ja gerne so früh auf, das ist für mich kein Problem !!! Weiterhin ist es äußerst wichtig, warten (= aspettare ) zu können. Ansonsten hieß das Motto: Party, Party und Party...Schlafmuffel sind hier fehl am Platze!
Unterkunft / Verpflegung / Verkehrsverbindung
Untergebracht waren wir im „ Casa dello Studento“ ( Studentenwohnheim ) , welches sich 15-20 min. Busfahrt von der Klinik befindet. Die Zimmer, die jeweils von zwei Studenten bewohnt werden, sind mit Bad, Haustelefon und Kühlschrank ausgestattet, ansonsten aber sehr einfach gehalten.
Die Verpflegung erfolgte mit Essensmarken für drei Mahlzeiten pro Tag. Morgens wurde in der 30m entfernt liegenden Bar gefrühstückt. Mittag- und Abendessen – jeweils warm, reichhaltig, viel Obst und Pasta – gab es in der Kantine hinter dem Wohnheim.
Unterkunft und Verpflegung waren kostenlos.
Verkehrsverbindung:
Tagsüber mit Bussen, die sich nicht immer an die offiziellen Abfahrtzeiten halten.
Daher wartet man gerne. Für den Abend bzw. für die Nacht ist es gut, wenn einem ein italienischer Chauffeur zur Verfügung steht, um auch noch in den frühen Morgenstunden mobil zu bleiben.

Medizinerausbildung in Italien und Rückblick
Wie bei uns 6 Jahre. Allerdings gibt es kein PJ und auch kein AiP. Stattdessen müssen die Studenten nach ihrem Studium ein 6-monatiges Praktikum machen.Meinen Eindrücken nach dürfen die Studenten mehr zuschauen als selber machen. Gut finde ich, daß zwischen Profs und Studenten eine lockere, herzliche Atmosphäre besteht.
Rückblick:
Von medizinischer Sicht lernt man nichts, dafür steht mehr das Kulturelle, die Sprache und die Leute im Vordergrund. Vor allem haben mich die Erfahrungen beeindruckt, die ich mit den Einheimischen und den anderen Medizinstudenten aus aller Welt ( Spanien, Portugal, Österreich, Schweiz, Schweden, Polen, Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Tscheslowakei, Türkei, Griechenland, Syrien und Japan ) gemacht habe.
Meine Vorstellungen von einer Famulatur im Ausland sahen ehrlich gesagt, ein wenig anders aus, aber ich würde es sofort noch einmal machen.
Auf jeden Fall kann ich es jedem empfehlen, der das Leben in vollen Zügen genießen möchte.
Adresse des Krankenhauses:
Policlinico G. Martino, Universita` di Messina, Italia
Station: Chirurgia d` Urgenza
Zeitraum: 13.7.98 – 13.8.98
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