Mit der Famulatur hoch hinaus
Die Rocky Mountains rufen!
Anne Pabst
Mit der Famulatur hoch hinaus
© Melmonth / PIXELIO
Eine Auslandsfamulatur ist nichts besonderes mehr und doch wollte ich etwas aufregendes erleben. Zugegeben, die USA ist bei weitem kein exotisches Land – dennoch hörte sich eine kleine Stadt mitten in den Rocky Mountains mit einem noch kleineren Krankenhaus für mich ziemlich verlockend an.
Also schickte ich Emails, Briefe, telefonierte und musste ein Visum bei der Botschaft beantragen (im Nachhinein vermutlich die größte Hürde). Als es endlich soweit war, sackte mein Mut ins Bodenlose und meine Skepsis stieg gewaltig. Mein Schulenglisch ist zwar alles andere als miserabel, doch hatte man schon so viel Abschreckendes über die Lehrmethoden der amerikanischen Krankenhäuser gehört. Da musste ich jetzt wohl durch und marschierte an meinem ersten Tag mutig ins Krankenhaus. Dieses war sehr viel kleiner als ich gedacht hatte: 25 Betten, 4 Hospizbetten und 2 Dialyseplätze waren nicht gerade viel, zumal diese Betten von allen Fachrichtungen belegt wurden. Doch trotz der Winzigkeit hatte dieses Gebäude so eine Vielzahl von Gängen und Korridoren, dass ich mich erst einmal gehörig verlaufen habe. Toll und das am ersten Tag.
Ich war der chirurgischen Abteilung zugeordnet, die aus genau zwei Ärzten und zwei Schwestern bestand. Im Büro der Abteilung angekommen wurde ich prompt durch die Gänge zurück in die OP-Säle geschickt, wo man angeblich schon fiebernd auf mich warten würde. Nach weiteren endlosen Minuten des Suchens, stand ich endlich vor der Umkleidekabine und schlüpfte eiligst in die Sachen. Mit sanftem Druck wurde ich zum Waschen gezwungen und fand mich binnen Minuten in voller Montur in einem der Säle wieder. Ich gebe zu, dass ich mich in diesem Moment mehr nach Freiwild als nach Studentin fühlte. Wie es der Zufall so wollte, war ich mehr auf Hernien und Gallenblasen eingestellt und vor mir lag eine Patientin, bei der eine Hemikolektomie durchgeführt werden sollte.
Schon bald fühlte ich mich richtig wohl
Die schrecklichen Visionen von fiesen Fragen und wütenden amerikanischen Ärzten im Hinterkopf, gelang es mir ein schüchternes HI durch die Lippen zu pressen. Erst Stille und dann redeten mit einmal alle anwesenden Schwestern und Ärzte durcheinander auf mich ein: Es ist schön dich zu sehen, Wie ist es so in Deutschland? Jeder kramte noch mindestens einen Verwandten hervor, der mit Sicherheit ursprünglich deutsch war. So ließ meine Spannung allmählich nach und ich fühlte mich schon bald richtig wohl. Ich gebe zu, dass ich meine Anatomielücken an diesem Tag sehr hinter scheinbarer Sprachschwierigkeiten versteckte, doch es war einfach eine sehr entspannte Atmosphäre.
Auch der nächste Tag war sehr aufregend und alles wurde mir genau gezeigt, erklärt und ich sollte immer möglichst viel selbst machen und ausprobieren. So verschwand diese Vision in meinem Hinterkopf und ich kann heute gar nicht glauben, wie viel Müll über amerikanische Ärzte erzählt wird. Zugegeben ist das Leben in Montana nicht gerade eines der aufregendsten und alle sind „very laid back“. Außerdem kommen nicht wirklich viele Studenten an diesen verlassenen Ort und schon gar keine ausländischen. Dennoch stürzten sich die Ärzte mit sehr viel Begeisterung auf die Lehre und ich habe mit Sicherheit mehr gelernt, als ich erwartet hätte.