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Innere und Pädiatrie in den USA

Das PJ in New Orleans

Anett Koch

Das PJ in New Orleans

Im Rahmen eines durch den DAAD geförderten Austauschprogrammes unserer Universität hatte ich die Möglichkeit, zwei Tertiale meines Praktischen Jahres (Innere Medizin und Pädiatrie) an der Tulane University New Orleans zu absolvieren. Für alle Interessierten möchte ich über meine Erfahrungen in diesen 8 Monaten berichten.


1. Lehrangebot, Kurswahl, Betreuung
Der Tulane Medical School sind 4 Kliniken angegeliedert: das TulaneMedical Center (eine Privatklinik), das Veterans Administration Hospital (VA), ein Krankenhaus nur für Armeeangehörige, das Charity und University Hospital in staatlicher Trägerschaft, wo nicht Versicherte behandelt werden. Als Student wechselt man monatlich in eine andere rotation, wodurch man die verschiedenen Kliniken und auch unterschiedliche Subspezialisierungen (z.B. innerhalb der Inneren Medizin Kardiologie, Gastroenterologie, Hämatologie/Onkologie usw.) durchläuft. Dabei ist man einem Team zugeteilt, das meist aus einem oder mehreren Studenten, einem intern (Arzt im 1. Jahr der Facharztausbildung), einem resident (Arzt im 2. bis 4. Jahr der Facharztausbildung), einem fellow (Arzt in der Ausbildung der Subspezialisierung) und einem attending / staff (Oberarzt) besteht. Auch diese wechseln monatlich.
In der Regel wird man als Gaststudent den consultant services zugeteilt, d.h. man arbeitet in einer Subspezialisierung und betreut zusammen mit dem Team Patienten konsiliarisch. In der Pädiatrie ist es, im Gegensatz zur Inneren Medizin, auch möglich, in einem primary team (Primärversorgung, Stationsteam) zu arbeiten. Diese, auch subinternship genannte Rotation, ist ähnlich der Arbeit der interns, man hat, wie diese, jeden 4. Tag Dienst.

Arbeitsalltag auf Station
Der reguläre Arbeitsalltag ist abhängig von der Rotation und dem zuständigen attending. In den consultant services beginnt die Arbeit meist zwischen 7.00 und 8.30 Uhr mit dem Schreiben der progess notes, nachdem man "seine" Patienten untersucht und die neuen Befunde zusammengetragen hat. Diese und Vorschläge für das weitere Procedere bespricht man mit dem resident oder fellow und stellt die Patienten bei der Visite dem attending vor. Wieder wird über das weitere Vorgehen nachgedacht, wobei die Visite auch für ausgiebiges teaching genutzt wird. Nachmittags hat man häufig Gelegenheit, in den Fachambulanzen mitzuarbeiten und auch selbständig Patienten zu sehen, wonach diese ebenfalls dem Oberarzt vorgestellt und mit ihm besprochen werden. Täglich gibt es noon lectures für die residents und einmal pro Woche grand rounds. Diese Fortbildungsveranstaltungen sind meist interessant, teils klinisch, teils wissenschaftlich ausgerichtet. Auch die einzelnen Abteilungen bieten Weiterbildungen an. Häufig wird man auch aufgefordert, selbst zu einem ausgewählten Thema einen Vortrag auszuarbeiten oder einen Fall vorzustellen. Meist endet der Arbeitstag zwischen 16.00 und 18.00 Uhr. Es ist schwierig, Empfehlungen für die Auswahl der Rotationen zu geben, da diese sehr abhängig vom Team, den Gewohnheiten des jeweiligen Oberarztes und dessen Motivation sind. Mit den Bewerbungsunterlagen bekommt man Formulare zugeschickt, auf dem man Wünsche für Rotationen äußern kann. Am besten richtet man sich nach persönlichen Interessen.

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Erste Schritte

Erste Schritte

In New Orleans angekommen, erhält man in der Office of Student Affairs seinen Rotationsplan und ein welcome package mit Sicherheitshinweisen, Lageplänen und T3-survival manual, das über die zahlreichen, anfangs rätselhaften Abkürzungen des Klinikalltages Aufschluß gibt und Hinweise zum Schreiben einer progress note und von Anamnese & Status (history & physical) sowie viele wichtige Telefonnummern enthält. Die Mitarbeiter des Büros für Studienangelegenheiten sind auch beim Tauschen von Rotationen behilflich, vorausgesetzt, es existiert ein freier Platz. Ansprechpartner für Gaststudenten ist Charlotte Steger (e-mail: ).

In Innerer Medizin entschied ich mich für die Rotationen InfectiousDiseases, Pulmonary Diseases, Hematology / Oncology und Cardiology. Insgesamt habe ich das Arbeitsklima in den einzelnen Rotationen als sehr angenehm empfunden, die Studenten werden voll in das Team integriert. Besonders interessant waren für mich die Monate in Infectious Diseases und Cardiology, wobei die Therapie von Patienten mit AIDS und Sepsisnach i.v.-Drogenabusus für mich vollkommen neu war. Auch Patienten mit Tuberkulose und atypischen Mykobakteriosen wurden von unserem Team betreut. Hervorheben möchte ich hier die mikrobiologischen Fallvorstellungen, die einmal pro Woche durchgeführt wurden und sowohl differentialdiagnostische Überlegungen als auch praktisches Mikroskopieren trainierten.
In Pädiatrie wählte ich Cardiology, Gastroenterology, Nephrology und eine subinternship General Pediatrics, wovon mir die Rotationen in Kardiologie und Allgemeiner Pädiatrie am besten gefielen.

2. Anerkennung der Studienleistungen
Vor der Abreise habe ich mich bei Frau Gutzeit vom Landesprüfungsamt Halle über mögliche Schwierigkeiten bei der Anerkennung erkundigt, da ja in der Regel nur ein Tertial im Ausland genehmigt wird. Dieses Programm ist jedoch eine Ausnahme, da von der Universität organisiert und angeboten.
Außerdem habe ich mir die notwendigen, zweisprachig abgefaßten Formulare vom Landesprüfungsamt schicken lassen, das Certificate Concerning Practical Training und eines über die Gleichstellung mit amerikanischen Studenten.

3. Unterkunft
Gewohnt habe ich im Wohnheim (204 S.Saratoga, New Orleans, LA 70112), direkt downtown und neben dem Tulane Hospital. Das ist sicher und bequem, aber recht teuer. Für ein Appartement, bestehend aus einem Wohnraum mit Küche, Bad, einer kleinen Vorratskammer und 2 Schlafräumen, das man mit einem anderen Studenten teilt, bezahlt man monatlich $545.
Mit etwas Verhandlungsgeschick kann man mit der Managerin Mrs. Martha Dees eventuell eine Minderung um $100 bis $145 vereinbaren. Telefonkosten betragen $20 im Monat, wobei diese nur Stadtgespräche decken. Für long distance calls kauft man sich eine Telefonkarte.



Tipps zum Wohnen, Formalitäten

Tipps zum Wohnen, Formalitäten

Im Wohnheim gibt es auch Waschmaschinen und Trockner auf jeder Etage. Die Küche ist mit Herd, Kühlschrank und Mikrowelle ausgestattet, jedoch gibt es keinerlei Geschirr. Auch Kissen, Decke und Bettwäsche muß man sich mitbringen oder vor Ort kaufen. Eventuelle Besucher finden hier ebenfalls bei rechtzeitiger Voranmeldung problemlos Unterkunft. Uns hatten Gerd Nestler und Karl-Heinz Binias, die im Vorjahr im Rahmen des Austauschprogrammes in New Orleans waren, schon Wohnheimplätze reserviert. Mit der Managerin Mrs. Martha Dees kann man sich per e-mail in Verbindung setzen: . Alternativ kann man auch privat wohnen, Angebote findet man in Aushängen in der Medical School.

4. Formalitäten
Alles beginnt mit der Bewerbung, für die als Voraussetzung der TOEFL recht frühzeitig abgelegt werden muß, außerdem benötigt man 2 Empfehlungsschreiben von Universitätsprofessoren und dem Dekan, einen Lebenslauf, Kopien der Hochschulzeugnisse, eine Aufstellung aller bisher im Studium besuchten Kurse mit Bestätigung des Prüfungsamtes und einen Studienplan (Beschreibung des Studienvorhabens in Englisch). Nach dem Auswahlgespräch muß man sich um Impfnachweise und Krankenversicherung kümmern. Ich wählte ein Angebot der Vereinten Krankenversicherung für 21,80 DM monatlich. Außerdem benötigt man eine private Unfall- und Haftpflichtversicherung, die Berufshaftpflicht wird von der Tulane University übernommen. Von der Tulane University bekommt man das I-20 zugeschickt, ein Formular, das für die Beantragung des Studentenvisums (F-1) notwendig ist. Am besten informiert man sich über die Möglichkeiten, ein Visum zu bekommen, im Internet (http://www.us-botschaft.de), da sich die Regeln öfter mal ändern. Im Juli 1999 habe ich das Visum in der Konsularabteilung der Botschaft der USA, Clayallee 170, 14195 Berlin schriftlich beantragt und alle notwendigen Dokumente (Reisepaß, Antragsformular OF-156, I-20, 1 Paßbild, Überweisungsbeleg der Visaantragsgebühr von 85,50 DM, frankierter Rückumschlag) per Post geschickt. Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel 2-3 Wochen, man sollte aber bis zu 6 Wochen einplanen.
In New Orleans meldet man sich am 1. Arbeitstag in der Office of Student Affairs, wo Visum und Krankenversicherungsnachweis kopiert werden. Hier kann man auch einen Studentenkittel ($15) und einen Piepser ($10 pro Monat plus $10 Grundgebühr) ausleihen und erhält einen vom dean (Dekan) unterzeichneten Brief über den Studentenstatus, mit dem man sich die picture-ID ausstellen läßt. Letztere wird stets am Kittel getragen und ist auch notwendig für die Anmeldung in der Bibliothek.



Fazit, Wertung, Kritik und Tipps zum Schluß

Fazit, Wertung, Kritik und Tipps zum Schluß

Die 8 Monate in New Orleans waren für mich eine sehr spannende und interessante Erfahrung. Ich habe die Offenheit und Freundlichkeit der Südstaatler kennengelernt und ihre tiefe Religiosität. Erschreckend waren für mich die riesigen sozialen Unterschiede.
Die Arbeit in der Klinik unterscheidet sich sehr von der, die man hier im PJ gewohnt ist. Man lernt dort nicht, venöse Zugänge zu legen oder Blut abzunehmen, dafür wird großer Wert auf das Verstehen und eigene Erarbeiten von Diagnostik und Therapie gelegt. Größere sprachliche Schwierigkeiten hatte ich nicht. Wer sich gern vorab einen Überblick über die in der Klinik allgegenwärtigen Abkürzungen verschaffen möchte, dem sei das Buch Medical English aus dem Thieme-Verlag empfohlen.
Die Stadt selbst ist auch sehr gegensätzlich, einerseits prunkvolle Villen, andererseits verkommene, schmutzige Ecken. Jedenfalls gibt es viel zu entdecken: Ob das French Quarter mit Musik, Kneipen und seinen urigen Gestalten, der Business District mit den vielen Galerien oder der Garden District mit den alten Südstaatenvillen. Wer Jazz liebt, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten, Veranstaltungskalender gibt es im off beat oder freitags für die kommende Woche in der Lokalzeitung. Für Hobby-Musiker bietet sich auch die Gelegenheit, in Orchester oder Band der Tulane University mitzuspielen. Also Instrument nicht vergessen! Groß gefeiert wird der Fasching, Mardis Gras genannt, mit vielen Paraden von bunt geschmückten Wagen und Marching Bands. Im April findet jährlich das Jazz-Fest statt, das auf mehreren Freilichtbühnen und Zelten Musik über 14 Tage bietet. Lohnende Ausflugsziele sind die alten Plantagenhäuser entlang dem Mississippi, die swamps (Sumpfgebiete) mit den Alligatoren und die Golfküste (Pensacola Beach in Florida). Für solche Ausflüge benötigt man natürlich einen fahrbaren Untersatz. Wir hatten uns zu dritt ein Auto geleistet, das auch für Einkäufe sehr praktisch war, da die großen Supermärkte relativ weit vom Wohnheim entfernt gelegen sind. Die Unterhaltskosten betrugen ca. $50 pro Kopf.
Mit Behörden benötigt man in Louisiana viel Geduld. Ich hatte das Pech, in einem Taxi zu verunfallen. Um den polizeilichen Unfallbericht zu bekommen, waren viele Telefonate und fast 2 Monate Wartezeit notwendig. Über die rechtlichen Grundlagen von Schadenersatzforderungen und Rückerstattung der Kosten der Krankenhausbehandlung durch die Versicherung des Taxiunternehmens konnten weder der Counsel der Tulane University noch der deutsche Honorarkonsul befriedigend Auskunft erteilen. In solchen Fällen sollte man sich nicht scheuen, zu einem Anwalt zu gehen. Bei Übernahme des Falls wird ein Honorar auf Erfolgsbasis verabredet, d.h. die Anwaltskosten werden aus dem erstrittenen Betrag gedeckt.
Hier noch die Adresse des deutschen Honorarkonsulats:

Honorary Consulate
Federal Republic of Germany
1100 Poydras Street, Suite 1700
New Orleans 70163-1701
TEL: (504) 585-7588
FAX: (504) 585-7775

Abschließend möchte ich noch einmal Frau Matthies Dank sagen für die aufwendige Organisation dieser spannenden 8 Monate in New Orleans und hoffe, daß noch viele Studenten die Möglichkeit haben, durch dieses oder ähnliche Programme wertvolle Erfahrungen im Ausland zu sammeln.

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