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PJ-Bericht Aarau

Als Unterassistent in der Schweiz

Sebastian Serwe

PJ-Bericht
Kantonsspital Aarau in der Schweiz
Dezember 2003 bis März 2004

Aarau in der Schweiz: Stadtbild, Sonnenphasen, 'Nightlife'

Wer einmal im Winter in Homburg/Saar immatrikuliert war, der findet auch den Weg nach Aarau. Man fährt Autobahn, bis der Nebel nicht mehr dichter werden kann, nimmt die nächste Abfahrt, folgt der Landstrasse, wenn es dann auch noch anfängt zu regnen, ist man da. Dass man nach Homburg und nicht nach Aarau gelangt ist, merkt man an den Schlaglöchern in der Strasse. Dafür ist in Aarau der Nebel noch dichter. Hier gibt es Morgennebel, Abendnebel, Schleiernebel, Hochnebel, Tiefnebel, grauen Nebel, weißen Nebel und sogar schönen Nebel. Die meisten Tage, die ich in Aarau verbracht hatte, sah der Ort aus, wie in der Durchleuchtung, mit grauen und graueren Schattierungen und war Tag und Nacht ohne Farben. Na ja, die halbe Stunde, in der die Sonne doch mal hervorlugte, reichte auch völlig aus, um durch die wunderschöne Altstadt zu schlendern, groß ist Aarau ja nicht. Die Stadt hat 16000 Einwohner, von denen man nicht viel mitbekommt, tagsüber. Wenn die Nacht kommt, wird Aarau dann völlig menschenleer, abgesehen von dem einen Aargauer, der gerade sein Auto auf den letzten freien der fünf Parkplätze neben dem Wohnheim parkt. Die weiteren Plätze werden natürlich schon von Autos der anderen deutschen Unterassistenten in Beschlag genommen.

Der Chef : ein Lehrer 'alter Schule'

Ein Tertial meines PJs habe ich in der HNO im Kantonspital Aarau absolviert. Dezember 2003 bis März 2004. Die HNO-Abteilung ist eine B-Klinik, 20 Betten, ein OP, 6 Assistenz-, 2 Ober-, ein Leitender Arzt und Prof. Podvinec. Der Mann hat Sendungsbewusstsein, will die Kunst des Ärztlichen Handelns vermitteln, will lehren, und tut dies in alter Schule. Er kritisiert. Ich halte Chefärzte, die in chronischer Inspirationshaltung gottgleich durch die Gänge schweben, eigentlich für anachronistisch: aber bitte, man lernt was in Aarau, auch wenn die Arbeit dort nicht so viel Spaß macht, wie sie eigentlich könnte. 

Als Unterassisten (=PJ´ler) in Aarau: Sehen und machen lassen

Als Unterassistent (schweizerisches Pendant des Pjlers) wurde man im allgemeinen nicht in die Verantwortung genommen, d.h. man konnte zwar alles mal sehen, vieles auch anfassen und ausprobieren, aber man blieb immer Zuschauer und wurde nicht wirklich in die Behandlung der Patienten einbezogen.  
Aufgaben des Unterassistenten waren die Aufnahmen auf der Station, Assistenz im OP und verschiedene Tätigkeiten im Ambulatorium, von Kopieren über Ohrspülungen bis hin zur Übernahme von Konsilen. Alle Befunde wurden aber von den Assistenz- oder Oberärzten nochmals erhoben. So spürte man nie die Last, aber eben auch nicht die Motivation der Verantwortung.

Tot arbeitete man sich nicht und wurde gut bezahlt

Arbeitszeit war von viertel oder halb acht bist vier oder fünf Uhr mit einer ungeregelten Mittagspause. Wochenenden waren frei, Nachtdienste wurden nicht erwartet. Tot arbeitete man sich also wirklich nicht, zudem zu meiner Zeit meist auch 3 Unterassistenten gleichzeitig in der HNO waren, wo ein halber gereicht hätte. Dafür sind 1500 Franken pro Monat (im vierten Monat 1800 Franken) eine wirklich gute Bezahlung. Ausgeben kann man das Geld in der Cafeteria/Mensa des Spitals, in einer der am Wochenende sogar belebten Kneipen der Altstadt, oder man fährt nach Solothurn, Zürich, Basel...Weit ist in der Schweiz eigentlich nichts entfernt, auch nicht die Ski-/ Wandergebiete.

Und dann war da noch: die Unterkunft

Ein Wohnheimzimmer bekommt man gestellt.

Gelauscht (Foren)

Schweiz-Forum

Ich wohnte im Zimmer M9 des zehnten Stocks der Liegenschaft Haus 39, Südalle 22, 5000 Aarau, einem Zimmer, das im Abnahme-/Übergabeprotokoll (Antrittsprotokoll) als Zimmer mit einem hellen Fleck vor Hocker, mit Türe außen verkratzt plus innen diverse Hicke und einem Lavabo mit zwei Rissen und Chromdefekt beschrieben wurde. Es kostete 310 Franken und war äh, recht klein.
 

Wege zur PJ-Stelle in der Schweiz

Bewerben auf eine Stelle als Unterassistent sollte man sich entweder 1 bis 2 Jahre vor Antritt der Stelle oder sehr kurzfristig. Im allgemeinen findet man die Adressen der Kliniken im Internet beispielsweise unterhttp://www.krankenhaus.ch oder in Broschüren der schweizerischen medizinischen Fakultäten, die über das Wahlstudienjahr informieren, das Äquivalent des Praktischen Jahres, das auch schweizer Kommilitonen durchlaufen müssen.

Per E-Mail oder telefonisch erkundigt man sich am besten, ob es eine freie Stelle als Unterassistent gibt und bewirbt sich dann gegebenenfalls postalisch.

Mein persönliches Fazit

Einen Teil des PJs bei den Eidgenossen zu machen, kann ich nur empfehlen, auch wenn Aarau sowohl von der Stadt, als auch von der Klinik nicht zu den interessantesten Orten der Schweiz gehört.

Weitere Kontakdaten für Aarau

Das Kantonsspital Aarau hat eine Homepage: http://www.ksa.ch
Kontakt zur HNO kann man über M. Bieri (Sekretariat Prof. Podvinec) aufnehmen:

Sebastian Serwe

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