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Zieglerspital Bern - Fachabteilung Innere - Geriatrie

Wie Geriatrie als PJ spannend sein kann...

Peter Enns

 

Ca. 1 Jahr im Voraus schrieb ich 20 blinde Bewerbungen in diverse Häuser in der Schweiz. Die Anschriften holte ich mir einfach aus der LPA Liste für anerkannte Häuser (http://medweb.uni-muenster.de/fachschaft/service/pj/fs_text.html). Eine andere Website mit Adressen, Emails und Homepages für Schweizer Spitäler/Kliniken findest Du unter: http://www.doktor.ch/.

Ich erhielt nur zwei Zusagen: aus Bülach und dem Zieglerspital, Bern. Ich entschloß mich für Bern auch wenn ich nur in der Geriatrie dort arbeiten durfte. Und ich habe es nicht bereut. Hier gab es wenig zu organisieren. Den Vertrag als Unterassistent hatte man mir zugeschickt.

Eine Wohngelegenheit gab es direkt am Spital im Personalwohnheim (ein sehr gutes Zimmer für 205,- sFr/Mo + Telefonkosten). Die Arbeitskleidung wurde bereitgestellt. Für mich gab es auch einen Sucher/Peeper. Die Geriatrische Klinik ist weit bekannt in Europa. Sie betreibt Akutgeriatrie und Rehabilitation auf einem hohen Leistungslevel. Auch für die gute Teamatmosphäre ist die Geriatrie berüchtet. Die Klinik hat einen Stellenschlüssel von 2-4-10-2 (Unterassistenten). Am ersten Tag gab es ein freundlichen Empfang in der Morgenbesprechung und dann ein Rundgang mit einem der Oberärzte. Ich wurde auf eine Station zugeteilt wo ich mit einem jungen Assistenzarzt die Stationsarbeit verrichten sollte. Zur Unterstützung hatten wir einen ständig erreichbaren, kompetenten und netten Oberarzt.

Für mich gab es einen eigenen Arbeitstisch mit Tel. Aber das wichtigste war: ich durfte sehr viel lernen. Morgens gab es immer eine Röntgenbesprechung mit gutem Teaching.

Danach gingen alle Ärzte (meist ohne Ausnahmen, inkl. CA und OÄ) frühstücken - alle an einem Tisch und ganz in Ruhe. Dann wurde visitiert. Interessante Befunde wurden immer diskutiert. Mittags gab es immer Zeit um ruhig Essen gehen. Nachmittags wurden dann neue Patienten aufgenommen, Briefe diktiert, Verläufe geschrieben, EKG’s ausgewertet. Vor dem Arbeitsschluß gab es jeden 2. Tag Fortbildungen, die sehr praxisorientiert und hilfreich waren. Gearbeitet wurde ca. 9 Stunden/Tag. Schon bald durfte ich ein eigenes Zimmer betreuen. Meine Aufgaben waren: Patientenaufnahme mit gründlicher Untersuchung (gerade dabei habe ich sehr viel gelernt: die Pat sind da so multimorbid, dass man fast bei jedem ein Herzgeräusch oder sonst welche Pathologie findet).

Jeglicher auffällige Befund wurde vom OA nachgeschaut, auch wenn er ohne Relevanz für die Therapie war. Das war ein sehr gutes Feedback. Sehr belohnend war dann ein Fall, wo ich dank der gründlichen Untersuchung ein Prostata-Ca primär diagnostiziert hatte. Sonst gab es so alles zu tun was man in Innere tut. Viel Wert war auch die Möglichkeit selbständig zu arbeiten. So durfte ich ab und zu die Stationsarbeit auch komplett selbst erledigen, wenn mein betreuender Arzt gerade im Urlaub war (inkl. Visite, Medikation, Entlassungen, etc.). Bei Fragen hatte ich dann einen jederzeit erreichbaren OA. Sehr nette CA und OÄ waren nicht nur um unser Arbeiten und Lernen besorgt, sondern auch um die Freizeit.

Sehr oft wurde einem angeboten doch mal ein langes Wochenende zu machen... Studientage gab es offiziell nicht, dafür aber immer bei Bedarf. In der Freizeit (auch mal in der Mittagspause) ging man zusammen aus zum Essen oder Fußballspielen. Die beste Aktion war aber eine Schiffahrt auf dem Thunersee, die der CA und OÄ finanziert hatten. Fazit: sehr empfehlenswerte Stelle für Innere, besonders wenn jemand Allgemeinmedizin oder Innere später machen will. Eine Stelle kann man relativ leicht da bekommen. Und dafür gibt es dann noch 854,- sFr / Mo.