teaser bild

Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Als Hospitantin auf dem Rettungshubschrauber

Ein nicht ganz alltägliches Praktikum

Bergita Ganse

Am 11.2.2002, in der letzten Woche meines ersten Medizinsemesters in Halle an der Saale, durfte ich eine sehr interessante und aufregende Erfahrung machen, nämlich ein Tagespraktikum auf dem Rettungshubschrauber Christoph Sachsen-Anhalt. Als freiwillige Feuerwehrfrau begeistern mich Rettungshubschrauber schon seit langem.

Auf einer Tour durch die Internetseiten der Uni bin ich auf eine Notfallmedizin-Seite über den luftgebundenen Rettungsdienst gestoßen, die mich dazu animiert hat nachzufragen, ob ein Praktikum möglich sei. (URL s.u.) Es war sehr schön, zwischen Physik-, Chemie- und Bio- MC- Klausuren endlich mal ein bisschen "echte" Medizin zu schnuppern und nebenbei Sachsen-Anhalt aus der Luft kennen zu lernen; ich finde, man sollte auch in der Vorklinik viel mehr solcher Möglichkeiten haben!

Das Uniklinikum Kröllwitz (UNI Halle) besetzt notarztmäßig den RTH Christoph Sachsen-Anhalt des HSD (Hubschrauber Sonder Dienst), auf dem ich als Hospitantin einen Tag lang mitfliegen durfte. Die Station des HSD befindet sich auf dem Flugplatz in Halle-Oppin. Sie ist 24 Stunden am Tag besetzt und stellt zwei RTHs (SRTHs) des Typs Bell 222.
Hospitanten fliegen von 8 Uhr (Schichtwechsel) bis zur Dämmerung mit; nachts wird der Platz für den zweiten Piloten gebraucht. Hauptsächlich werden Intensiv- und Sekundäreinsätze (SRTH = Sekundärrettungshubschrauber) geflogen, sprich Intensivtransporte zwischen Kliniken, Organtransporte o.ä., manchmal aber auch Primäreinsätze, wenn der Christoph 61 aus Leipzig gerade beschäftigt ist. Um acht Uhr fängt der Tag für die neue Schicht mit einem gemeinsamen Frühstück an. An "meinem" Tag wurden den umliegenden Leitstellen zwei komplett einsatzbereite Hubis gemeldet; nun hieß es also abwarten und Kaffee trinken. Auch ich bekam einen wichtig aussehenden roten Einteiler, und wir gingen in den Hangar zum Auffüllen und Checken des medizinischen Equipments. Personalmäßig wird jeder Hubi von einem Piloten, einem Notarzt und einem Rettungsassistenten besetzt, in meinem Fall sogar eine Rettungsassistentin.

 

Als fliegende Intensivstation ist er mit Intensiv-Beatmungsgerät, Monitoring (invasive und noninvasive Blutdruckmessung, Kapnometrie, Pulsoxymeter, Temperatur usw.) Defi, noninvasivem Herzschrittmacher, zwei Perfusoren, Thoraxdrainageset, chirurgischem Notfallbesteck, Notfallmedikamenten und so weiter und so fort, also ziemlich üppig ausgestattet.
Der Hospitant darf am Platz des Copiloten sitzen, also vorne links. Ich wurde genau eingewiesen, wie ich einsteige und mich anschnalle, wie ich den Funk benutze und was ich alles auf gar keinen Fall berühren darf... Der Patient ist im hinteren Teil des Hubis auf einem schwenkbaren Tisch gelagert, neben dem vorne der Rettungsassistent und hinten der Notarzt sitzt.
Etwas gewöhnungsbedürftig aber praktisch ist der VOX- Sprechfunk zur Kommunikation in der Luft, bei dem man einen bestimmten Lautstärkepegel überwinden muss, um gehört zu werden. Darüber läuft auch der Funk mit den Leitstellen und Towers der Flugplätze.

Es passierte den ganzen Morgen lang nichts, wir haben auf einen Einsatz gewartet und keiner kam. In Ruhe konnte ich mir alle Hubschrauber und Flugzeuge ansehen und den Tower besichtigen; die Crew tröstete mich, dass an Tagen mit Hospitanten nie viel passiere, aber dass ich ja beim nächsten Mal mehr Glück haben könnte... toll! Um zwei Uhr endlich klingelte das Telefon und wir durften losfliegen. Intensivtransport von Bitterfeld nach Halle (Klinikum Bergmannstrost). Beim Start werden langsam nach einander die beiden Turbinen hochgefahren, bevor man ganz sanft, butterweich abhebt und "plötzlich oben" ist. Beim ersten Versuch wollte eine der Turbinen nicht richtig mitziehen, so dass sich der Pilot nach einer Flugplatzrunde dazu entschloss, den anderen Hubi zu nehmen. Also wieder landen, umsteigen, noch einmal losfliegen. Mit der zweiten Maschine war glücklicherweise alles in Ordnung, in sieben Minuten waren wir in Bitterfeld. Der Hubi fliegt vorzugsweise in ca. 1000 Fuß Höhe, man kann alles am Boden gut sehen und erkennen.
Weiter
auf Seite