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Ein Beitrag aus dem Forum

Dr. Wolfgang Oertel, Chefarzt der Anaesthesie im Krankhaus Burg

Aus dem Forum

© derateru / PIXELIO
Folgender Beitrag wurde 16.11.00 im Forum für Studium und AiP gepostet. Da wir das Thema für sehr wichtig halten, haben wir uns entschieden diesen Beitrag in Absprache mit dem Autor Dr. Wolfgang Oertel, Chefarzt der Anaesthesie im Krankhaus Burg auf Fehmarn, abzudrucken."Lieber Gast,man bekommt das nicht nach Lehrplan beigebracht - aber man kann es sich aneignen, z.B. mit der Hilfe von seriösen KollegInnen, während der verschiedenen Abschnitte des klinischen Lernprozesses, durch Gespräche mit Geistlichen verschiedener Konfessionen und durch Hospitationen - s.u.

Zunächst einmal sterben nicht allzuviele Patienten plötzlich und unverhofft.
Gerade im Intensivbereich suchen wir von Anfang an den engen Kontakt mit den Angehörigen - so vorhanden.
Im weiteren Behandlungsverlauf informieren wir möglichst offen und engmaschig über den Verlauf.
Wenn der Patient präfinal wird, dann versuchen wir, die weitere Vorgehensweise rechtzeitig zu organisieren; d.h. Benachrichtigung im Todesfall (wann, wen, Wunsch nach Abschied im Sterbezimmer, geistlichen Beistand etc.).

Wenn die Angehörigen so vorbereitet und integriert sind, dann kann man sich am Telefon in angemessener Weise und mit dem Ausdruck des persönlichen Bedauerns zunächst darauf beschränken, den unmittelbar bevorstehenden bzw. stattgehabten Tod des Patienten mitzuteilen.
Bei dieser Gelegenheit verabreden wir uns mit den Angehörigen und bemühen uns, bei deren Eintreffen persönlich anwesend zu sein. Hier sind dann tröstende Worte angebracht, das an die Hand-nehmen und zum Toten begleiten.
Der Patient ist bereits entsprechend hergerichtet - die Hände liegen übereinander auf dem Brustkorb.
Wir bieten den Angehörigen Sitzmöglichkeiten an, verharren noch einen Augenblick, ermutigen Sie zum Körperkontakt mit dem Verstorbenen und ziehen uns dann diskret - mit dem Angebot, danach noch miteinander zu sprechen - zurück.
Wenn die Angehörigen dann Abschied genommen haben und in den Tagen danach stehen wir den Angehörigen für Fragen und Gespräche zur Verfügung.
Das ist der Idealfall, und dennoch kommt es auch vor, dass ein Patient einfach so verstirbt und wir situativ nicht präsent sein können.

Wichtig ist uns, dass frühzeitig die Frage des geistlichen Beistandes geklärt und organisiert wird, damit z.B. die Sterbesakramente erteilt werden können bzw. entsprechende Ritualien zeitgerecht erfolgen können.
Hier sind unsere ortsansässigen Pfarrer und Pastoren eine wertvolle Hilfe.

Neben diesen "Formalien" ist mir aber ein anderer Gesichtspunkt viel wichtiger:
Wir Mediziner sind in aller Regel nicht darauf vorbereitet, in diesen Situtationen selbst emotional zu reagieren und agieren daher eher mit Regression und Formalismus.
Es steht aber nirgends geschrieben, dass ein Arzt nicht traurig über den Tod eines Patienten sein darf, und erst recht nicht, dass er seine Gefühle verheimlichen muss.
Es steht auch nirgends geschrieben, dass man einen Angehörigen nicht spontan in den Arm nehmen darf, und seine Anteilnahme nicht auch über die Körpersprache ausdrücken darf.
Ich halte diese Emotionalität allemal für ehrlicher, als das Geschwafel über die "herzliche Anteilnahme" oder das "aufrichtige Beileid".

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