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Interview mit Daniel Lüdeling - Teil 2

Rippenspreizer stellt sich vor

Daniel Lüdeling im Interview mit Jens Plasger (MEDI-LEARN)

Interview mit Daniel Lüdeling - Teil 2

Wer malt eigentlich die ganzen Cartoons, die unter
www.rippenspreizer.com eine satte Portion Humor in Medizin und Rettungsdienst bringen?
Wir stellen euch die Webseite von Rippenspreizer im Rahmen einer Artikelserie
weiter vor: heute liefert Daniel Lüdeling im zweiten Teil seines Interviews Einblicke in die tägliche Arbeit eines Cartoonisten, der neben dem Zeichnen auch noch
als Arzt in der Anästhesie tätig ist.

Interview Teil 2 zum Dasein als Cartoonist mit Daniel Lüdeling (www.rippenspreizer.com)

1.Viele sind sicherlich neugierig darauf zu erfahren, wann du dein Zeichentalent entdeckt hast. Hast du schon mit 3 Jahren perfekt gemalt oder wie hat sich das Zeichentalent entwickelt?


Wie so vieles in meinem Leben fußt auch diese Entwicklung auf einem Zufall; unsere neu gegründete Schülerzeitung "VIRUS" an der Gütersloher Anne-Frank-Gesamtschule suchte einen Zeichner und glaubte diesen auch in mir - einem 14jährigen zeichnerisch hochgradig unbegabten Schüler gefunden zu haben. Von da an entwickelten sich meine Fähigkeiten vom ersten geraden Strich ohne Lineal bis zum computercolorierten Hochglanzkalender.

2. Was haben eigentlich deine Eltern dazu gesagt, als du ihnen die ersten Cartoons unter die Nase gehalten hast?


Ehrlich gesagt hat mein Vater den ersten Cartoon für die Debüt-Ausgabe bereits erwähnter Schülerzeitung gemalt; letztlich obsiegte aber der Ehrgeiz und es entstanden die ersten Eigenwerke. Ein Bestreben, welches ohne den aufmunternden Zuspruch meiner Eltern vermutlich auch kurzfristig später wieder verschwunden wäre…

3. Bei der Fülle an unterschiedlichen Motiven in den Cartoongalerien von Rippenspreizer drängt sich eine Frage besonders auf: Wo kommen die Ideen her?


Es wäre gelogen zu behaupten, dass alle diese Ideen aus mir herausbrechen würden. Vermutlich hätte ich sogar etwas Angst, wenn dem tatsächlich so wäre! Glücklicherweise ist die Summe der Cartoonideen ein Produkt aus den Vorschlägen vieler Menschen um mich herum und nur zu einem kleinen Teil aus meiner unmittelbaren Alltagserfahrung.
Mit der Zeit entwickelt man ein Gespür für Situationen, die alleine schon komisch sind und mit einer freien Interpretation plus dosierter Übertreibung hat man meist schon eine brauchbare Idee, die nur noch auf´s Papier gezeichnet werden möchte.

4. Wo kommen dir die besten Ideen? Gibt es Dinge, die deine kreative Ader bei guter Laune halten?


Phasenweise sprudeln lustige Ideen nur so hervor, andererseits gibt es aber auch Tage und Wochen, die geprägt sind von Schaffenskrisen und kreativem Kahlschlag. Eine heisse Dusche hat schon so manche gute Idee hervorgebracht, ein paar freie Tage wirken ebenfalls Wunder.
Leider muss ich feststellen, dass meine klinische Tätigkeit mit zahlreichen nebenberuflichen Obligationen einen schlechten Einfluss auf meine Kreativität zu haben scheint. Immer häufiger brauche ich auch Freiraum für mich und das bedeutet eben nicht nur Pause für das Laryngoskop sondern auch für den Bleistift…

5. Wie lange dauert es, bis ein Cartoon fertig wird? Und welche Schritte sind dabei nötig?


Der Schritt von der Bleistiftzeichnung (Skribble) bis zum vollcolorierten Cartoon hängt natürlich sehr vom Aufwand des Cartoons ab. Je mehr Details und Hintergrundelemente der Carton beinhaltet, umso länger dauert die Umsetzung und Fertigstellung.
Mit den Jahren hat sich ein relativ festes Schema eingeprägt und somit dauert ein routinierter Standardcartoon heute knapp 30-40 Minuten. Daran schliesst sich die Arbeit zahlreicher anderer Menschen an, die diesen Cartoon für unsere Webseite www.rippenspreizer.com oder einen Auftraggeber mediengestalterisch überarbeiten oder für eine Druckerei aufbereiten.

6. Und: wie malst du die Cartoons eigentlich technisch gesehen (Material, Farben etc)?


Ein bisschen Papier, ein bisschen Stift und los geht´s. Je nachdem, was ich gerade zur Verfügung habe. Startpunkt sind die Augen eines Cartoonmännchens und darum herum entwickelt sich der komplette Cartoon. Geinkt, d.h. in Tusche gezeichnet wird diese Bleistiftzeichnung mit einem Copic-Liner 0,8 oder 1,0 und die Coloration übernimmt mein Pelikan Wassermalfarbkasten oder eben auch Photoshop auf dem Rechner.

7. Was malst du am liebsten? Und andersherum: Welche Art von Motiven ist dir eher ein Greuel?


Kleine heitere Mini-Cartoons auf die Durchschlagbögen der Narkoseprotokolle für kleine Patienten oder erwachsene Narkosepflegekräfte sind meine Favouriten. Dafür ein Albtraum Menschengruppen aller Art, Tiere, nicht lustige Auftragsarbeiten bei denen nur der Auftraggeber den Witz versteht und jeglicher Humorberatung gegenüber resistent ist sowie jegliche Auftragsarbeiten, die eigentlich schon gestern fertig sein sollten.

8. Was war der Tiefpunkt deiner Arbeit als Cartoonist?


Als ich im 10.Semester eine Providerrechnung über 800 € bekommen habe, weil 25 GB Traffic durch Cartoondownloads doch etwas zuviel waren. In dieser Zeit fiel auch die Entscheidung, Rippenspreizer als Projekt zu beenden oder ein Konzept zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit zu entwickeln. Letzteres ist mir Dank einer sympathischen Kooperation mit Medi-Learn geglückt, sodass ich heute wenigstens nicht mehr für meine zeichnerische Tätigkeit draufzahlen muss.

9. Was war der bisherige Höhepunkt deiner Arbeit als Cartoonist?


Jedesmal, wenn ich Menschen mit meinen Cartoons zum Lachen bringe, erlebe ich es als kleinen Höhepunkt und hohe Wertschätzung meiner Arbeit. Da ich an Wettbewerben und Conventions nicht teilnehme, krönen weder Preise noch Auszeichnungen meine zeichnerische Vitae. Trotzdem haben wir mit Rippenspreizer viel erreicht und machen mit den Cartoons täglich über 2.000 Besucher glücklich - ich glaube, dieses Gesamtergebnis ist der momentane - aber noch ausbaufähige - Höhepunkt!


10. Welche Ziele hast du dir für deine Arbeit als Cartoonist bei Rippenspreizer in 2006 gesetzt?


Neben dem Cartoonist gibt es ja noch den Arzt und Privatmensch in mir, sodass ich auch 2006 versuche, alle Aspekte meines Lebens in einem gesunden Verhältnis zueinander weiter entwickeln zu können. Gerade bei Rippenspreizer wird es neben den traditionellen Projekten wie Cartoonkalendern, wöchentlichen Cartoons und der Neuentwicklung lustiger Produkte viel Arbeit im administrativen Bereich geben. Die Verwaltung der zahlreichen Community-Mitglieder wurde gerade optimiert und mit einem weiteren Ausbau bestehender Angebote und völlig neuen Konzepten wollen wir auch 2006 in erster Linie für unsere User das Sahnehäubchen ihres klinischen oder rettungsdienstlichen Alltages sein. Eine virtuelle Spaß-Oase mit über 500 Cartoons zum Entspannen und einem lebendigen Forum voller netter Menschen. Und das ist erst der Anfang…

11. Welche Tipps möchtest du angehenden Medizinstudenten, die das Studium noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?


Bleib Dir selbst treu und erlaube Dir ein Leben neben der Medizin. Wenn Du hinfällst, steh einfach wieder auf und geh weiter. Laß Dir helfen und achte auf Deine Umgebung: es gibt immer jemanden, der vielleicht Deine Hilfe braucht.

Vielen Dank für das nette Gespräch!