Das MEDI-LEARN Uni-Ranking 2009
MEDI-LEARN
Medizinstudium ist nicht gleich Medizinstudium
– jeder der aktuell
36 Studienorte von Aachen bis Würzburg
hat seine Stärken, Schwächen und
Besonderheiten. Doch wo gefällt es den
Studierenden am besten? Wie gut ist die
Ausbildung, wie schwierig sind die einzelnen
Fächer? Diese Antwort können
nur die Studierenden selbst liefern. Wir
haben dazu mehr als 3.500 Studenten bundesweit im Jahre 2008 zum zweiten Mal
in der großen MEDI-LEARN Umfrage
dazu ausführlich befragt.

Wieder hohe Teilnehmerzahl
Die Teilnehmerzahl liegt wie schon
vor vier Jahren bei über 3.000 Personen
(n = 3.192), das sind immerhin
rund 5% aller aktiven Medizinstudenten.
65 % der Teilnehmer unserer
Umfrage sind weiblich, 35 % männlich
– das entspricht ziemlich genau
dem Geschlechterverhältnis der deutschen
Medizinstudierenden. Allen, die
sich die Mühe gemacht haben, den
Fragebogen mit seinen insgesamt 50
Fragen zu beantworten, möchten wir
an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön
ausrichten!
Winners and Losers
Welche Uni ist die beste? Wir haben die
Frage gestellt: „Würdest Du einem Studieninteressierten
oder Studenten empfehlen,
an Deiner Uni zu studieren?“
Der Sieger heißt Lübeck: Die Studierenden der Hansestadt geben ihrer
Universität, die in Studienangebot und
Forschung insgesamt die Medizin im
Fokus hat, die Durchschnittsnote 1,55
– dicht gefolgt vom Titelverteidiger der
Erhebung aus dem Jahr 2004, Regensburg,
mit einer 1,59 und Münster mit
einer 1,61 (Schulnoten entsprechend
von 1 bis 6). Übrigens: In der studentischen
Bewertung der Qualität der
vorklinischen und klinischen Ausbildung
hat auch dieses Mal Regensburg
die Nase vorn. Die rote Laterne geht – wieder – an die
Uni Düsseldorf: Die Ausbildungsstätte
bekommt die Note 3,22. Aber: Die
Studis der Heinrich-Heine-Universität
schnitten im Sommer beim Ersten Abschnitt
der Ärztlichen Prüfungen bundesweit
am besten ab – 214 von 227
Studenten bestanden, das ist ein Traumschnitt
von über 94 Prozent! Die Studienbedingungen
scheinen die Düsseldorfer
Mediziner abzuhärten.
Abbildung 1: Uni-Empfehlung deutschlandweit mit Städten
Qualität der Vorklinik
„Wie schätzt du die Qualität der vorklinischen
Ausbildung an deiner
Universität ein?“ So lautete Frage 5
unserer Studie. Jeweils eine 2+ (1,8)
dürfen die Unis Leipzig und Regensburg
für sich verbuchen – Spitzenreiter.
Schlusslichter: Wiederum Düsseldorf
und Kiel mit einer 3,4. Für die
Uni Kiel ist das ein echter Absturz:
Vor vier Jahren war man noch auf
Platz neun, mit einer Note von 2,2.
Durchschnittswert aller Vorkliniken:
2,5. Übrigens: Eine „Vollklatsche“ in
Form einer 5 oder 6 verteilen nur rund
3,5 Prozent aller 3.192 Umfrageteilnehmer
für die Grundausbildung an
ihrer Uni.
Wie hart ist die deutsche
Vorklinik?
Landauf, landab beißen sich die Medizinstudenten
vor allem an der Biochemie die Zähnchen aus: Der Schnitt liegt bei
4,2. Physiologie und Anatomie bekommen
eine 3,7 bzw. eine 3,6, die leichte
Ausnahme der „großen Fächer“: Psychologie
mit einer 1,9 im bundesweiten Mittel.
Die „kleinen Fächer“: Eine 3,3 gibt
es für die Chemie, 2,9 für die Physik und
Biologie eine 2,5.
Biochemie: hart
Wie sehen nun die uni-spezifischen
Ergebnisse aus? Fangen wir an mit der
Biochemie. Hier zeigt sich: Wirklich
leicht findet sie fast niemand. Abgesehen
von Mainz, mit knapp 9 % „sehr
leicht“ und 25 % „leicht“, krebsen die
sehr guten Noten im unteren einstelligen
Bereich herum. Die „Traumnote“ 6
gibt es dafür gleich an drei Unis von
über der Hälfte aller Medizinstudenten:
In Düsseldorf, Rostock und Ulm muss
sich offenbar warm anziehen, wer
durch die Biochemie will. Das sehen
an diesen Unis nicht nur einzelne Studenten
so, das zeigt auch der Schnitt:
Ulm ist mit einer satten 5,3 Schlusslicht,
Düsseldorf und Rostock mit 5,2
folgen dichtauf. Auch in Regensburg
gibt es eine Fünf. Die Wittener Studenten
hingegen einigen sich auf eine
milde 2,8.
Anatomie: mittel
Die Anatomie ist ein großes Mittelfeld
– hier liegen die Unis mit Dreien und
Vieren dicht beieinander. Am leichtesten
fällt sie den Hannoveranern: 34 % sagen
„leicht“ (und 3 Prozent „sehr leicht“), insgesamt
gibt es eine 2,8. Auf der anderen
Seite: Fast 40 % der Bochumer verteilen
„schwer“ oder „sehr schwer“, insgesamt
ist die Ruhr-Universität Vorletzter mit
einer 4,2. Schwieriger ist es nur – schon
wieder – in Ulm, mit 4,3 im Schnitt.
Physiologie: schwieriger
Der Gesamteindruck, den die Physiologie
hinterlässt: Überall kein Zuckerschlecken.
Die meisten vergeben an jeder Uni
eine 4 oder gar eine 5. In Bonn und Mainz
gibt es von über 30 % der Kommilitonen
sogar die 6. So richtig knallt das Fach in
Freiburg raus: Eine unglaubliche 5,4 im
Schnitt attestieren die Studenten ihrem
Vorklinikfach! In Bonn sieht es mit einer
4,7 nicht wesentlich besser aus. Die meisten
anderen Unis schaffen es wenigstens
noch auf eine Drei vor dem Komma, aber
nur Tübingen kommt auf eine 2,9.
Abbildung 2: Uni-Empfehlung deutschlandweit

Psychologie: leicht
Ein bisschen Aufatmen erlaubt die Psychologie:
Der Bundesschnitt von 1,9 findet
sich an vielen Unis wieder, Frankfurt
darf mit einer 1,4 besonders tief durchatmen.
Die Privatstudenten aus Witten hingegen
müssen die Luft anhalten: 3,5. Das
besondere Curriculum verlangt ganz offensichtlich
eine besondere Hinwendung
zu dieser Disziplin. Heißt: pauken. Von
den regulären Unis fallen nur Düsseldorf
(2,7), Greifswald (2,6) und Jena (2,4) etwas
aus dem Rahmen.
Kleine Fächer
Die Einzelergebnisse für die kleinen Fächer:
Besonders leicht scheint Biologie
(D-Schnitt 2,5) an der RWTH Aachen zu
sein: Über 40 % geben hier an, Biologie
sei „sehr leicht“, im Schnitt ergibt das
eine 1,8. In Mainz sieht das ganz anders
aus: „Sehr leicht“ hat hier niemand vergeben,
dafür rund 12 % die Note 6 – insgesamt:
3,8. Homburg verteilt sogar eine
glatte 4.
Die weiteren „kleinen Fächer“: Physik ist
nach Einschätzung der Studierenden besonders
in Regensburg „sehr leicht“ (32
%) oder „leicht“ (30 %), Schnitt 2,2. Mit
deutlichem Abstand am schwersten tun
sich die Gießener mit der Disziplin: Satte
43 % sagen „sehr schwer“, weitere 53 %
sagen „schwer“, 5,1 sagt der Schnitt.
Die Chemie geht den Homburgern – ein
fairer Ausgleich für die harte Biologie –
am besten von der Hand: 2,3. Hier müssen
vor allem die Regensburger tapfer
sein: 44 % stufen den Härtegrad mit einer
6 als „sehr schwer“ ein, die Gesamtnote
der Kommilitonen ist eine 5,1.
Anmeldung zur Prüfung
Kurz noch zur Prüfungsanmeldung: Zum
Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung
meldeten sich (erstmalig) 64 % nach
den gemäß Regelstudienzeit vorgesehen
vier Semestern an, gut 12 % ein Semester
später. Nach sechs Semestern sind
es noch gut 6 %. Danach fällt die Zahl
in den Ein-Prozent-Bereich und darunter
ab. Normalverteilung.
Größe der Präp-Kurse
Auch das erfragten wir im Rahmen des
Grundstudiums: Wie groß sind eure
Präp-Kurse? Ergebnis: Knapp 18 % arbeiteten
in Gruppen von bis zu drei Studenten,
57 % in Vierer- bis Sechsergruppen
und rund 25 % in Gruppen zwischen
sieben und zehn Studenten. Am besten
schnippelt es sich in Hannover, Regensburg
und Lübeck: An der Leine dürfen
93 % in Gruppen à 4 bis 6 Personen arbeiten,
an der Ostsee 76 % und an der
Donau knapp 70 %. Kleinere Gruppen
in den Präp-Kursen sind absolute Ausnahmefälle.
Abgesehen von Witten, wo immerhin 20 % alleine, zu zweit oder zu
dritt arbeiten dürfen.
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