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Interview Teil 2

Interviewserie mit Prof. Dr. Dr. Steinhausen

Redaktion MEDI-LEARN

7. Sie überblicken mit Ihrer langjährigen Erfahrung ja viele Studentengenerationen. Haben sich die Studenten über die Jahre hin geändert? In welcher Art und Weise?
Über viele Semester habe ich von meinen Seminargruppen Passfotos erbeten, welche ich als Gruppenfotos montieren ließ. Äußerlich hat sich das Erscheinungsbild vom gepflegten Anzug bis zum sehr legeren Äußeren gewiss deutlich verändert. Persönlich konnte ich auch nicht den Eindruck unterdrücken, dass die Anzahl derjenigen, die mir für das Medizinstudium ungeeignet erschienen, im Laufe der Jahre immer größer wurde. Die Unterschiede zwischen besonders gut motivierten intelligenten Studenten sowie besonders klugen Studentinnen auf der einen Seite gegenüber schlecht vorgebildeten, mangelhaft vorbereiteten und gelegentlich sogar mit Unkenntnissen auftrumpfenden Kursteilnehmern auf der anderen Seite (manchmal sogar bis zur Hälfte) wurden im Laufe der 80er und beginnender 90er Jahre immer größer.

8. Was war für Sie der absolute Höhepunkt in Ihrem Studium?
Besonderes Highlight war für mich im physiologischen Praktikum die Beobachtung des schlagenden Froschherzens unter dem Stereomikroskop. Besonders gefreut hat es mich auch, dass mir völlig unerwartet einmal ein Anatomieprofessor in der Vorlesung ein Buch als Anerkennung überreicht hat, weil ich am Tag zuvor nach der Vorlesung eine offenbar nicht ganz dumme Frage an ihn gerichtet hatte. Ich muss aber doch zugeben, dass das Ende der letzten Physikumsprüfung und auch das Ende der Staatsexamensprüfung wohl die eigentlichen Höhepunkte meines Studiums waren, weil jeweils die Note „Sehr gut“ als Erfolgserlebnis der Familie vorgezeigt werden konnte. Peinlich? Sonst hat sich sowieso niemand für die Noten interessiert. Persönlicher – aber viel wichtiger - absoluter Höhepunkt während des Studiums: Verlobung und Hochzeit.
9. Und anders herum: Was war der absolute Tiefpunkt in Ihrem Studium?
Innerhalb des Medizinstudiums habe ich keine Tiefpunkte mehr in Erinnerung. Zu einer besonders schlechten Vorlesung musste man ja nicht ein zweites Mal hingehen. Persönlicher Tiefpunkt: Tod meines Vaters.

10. Welche Fächer haben Ihnen in Ihrem Studium besonderen Spaß bereitet? Warum?
In der Vorklinik hat mich Anatomie und Physiologie am meisten angezogen. Die bisher stets unsichtbaren Dinge zu sehen und dabei zu begreifen, wie Organe funktionieren, hat mich wirklich begeistert. In der Klinik war eigentlich der Spaß vorbei. Hier war ich mehr erschüttert, welche üblen Krankheiten man bekommen kann. Immerhin hat mich gelegentlich die Vorstellung beruhigt, dass man manche Erkrankungen (z.B. Infektionskrankheiten, aber auch das Lungenkarzinom, Geschlechtskrankheiten und vieles mehr) durch gesunde Lebensführung vermeiden kann.

Gelauscht (Foren)

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11. Und anders herum: Welche Fächer haben Sie eher weniger gemocht? Warum?
Alles, was man durch stumpfsinniges Auswendiglernen pauken musste, habe ich nie gemocht. Da uns zu wenig erklärt wurde, wie man das Geheimnis der vielen biochemischen Formeln lüften kann, fand ich große Teile der Biochemie, bei denen uns nur immer wieder neue Formeln zum Lernen angeboten wurden, nur lästig. Noch schlimmer fand ich das Pauken der unterschiedlichen Charakteristika von Bakterien für die entsprechende Prüfung.

12. Wann ist ein Arzt aus Ihrer Sicht ein guter Arzt?
Voraussetzung für einen guten Arzt ist die optimale Beherrschung seines Handwerkes. Ein guter Arzt muss schnell erkennen, ob ein Krankheitsbild in seinen Kompetenzbereich fällt, anderenfalls sorgt ein guter Arzt dafür, dass ein/e kompetentere Kollege/Kollegin schnellstmöglich die Behandlung übernimmt. Da die Natur sich oft auch selbst heilen kann, sollte ein guter Arzt lieber Nichts als etwas Falsches tun. Hochstapler stolpern in der Regel nicht über Kunstfehler sondern über Betrugsversuche. Ein guter Arzt wird niemals falsche ärztliche Bescheinigungen oder Gefälligkeitsgutachten ausstellen.