Molekulare Medizin
Erfahrungsbericht über das Promotionsstudium
Hans Faber
Als ich vor wenigen Jahren mit dem Medizinstudium begann, wurde ich oft belächelt, wie ich mich denn für einen Studiengang entscheiden konnte, der am Ende jede Menge Arbeitslose hervorbringt. Inzwischen aber wird bekanntlich nicht nur in der Patientenversorgung das Personal knapp, auch die medizinische Forschung findet immer schwieriger wissenschaftlichen Nachwuchs.
Meine Erfahrungen im Studiengang 'Molekulare Medizin'
Attraktive Themen im Promotionsstudium: Gentherapie, Alzheimer, Multiple Sklerose
Um in dieser Richtung etwas zu unternehmen, hat die LMU München vor knapp drei Jahren etwas Einzigartiges auf die Beine gestellt, was sich unter den Studenten offensichtlich noch nicht so herumgesprochen hat: Den Promotionsstudiengang „Molekulare Medizin“. Anders als in Freiburg und Erlangen, wo die „Molekulare Medizin“ für ganz eigene Studiengänge steht, läuft der Promotionsstudiengang „Molekulare Medizin“ in München parallel neben dem regulären Medizinstudium. Anschaulicher als der Begriff Promotionsstudiengang ist vielleicht die Vorstellung von einem kleinen Stipendium für eine experimentelle medizinische Doktorarbeit. Ermöglicht wird dies durch ein sogenanntes „Förderprogramm für Forschung und Lehre“, kurz auch „FöFoLe“ genannt. Angelegt auf eine maximale Förderzeit von 18 Monaten erhalten die Studenten monatlich als wissenschaftliche Hilfskräfte etwa 320 Euro, zusätzlich werden dem Projekt als Verbrauchsmittel ingesamt bis zu 7.500 Euro zur Verfügung gestellt. Das Programm beginnt jeweils zum Wintersemester, insgesamt 30 Teilnehmer können aufgenommen werden, für die entsprechend 30 unterschiedliche Doktorarbeiten angeboten werden. Habilitierte Hochschullehrer der gesamten medizinischen Fakultät können entsprechend Projekte einreichen. Der Promotionsstudiengang ist also nicht auf ein spezielles Fachgebiet beschränkt. So gab es in meinem Jahrgang Arbeiten über die molekularen Grundlagen der Alzheimer-Erkrankung, über eine Immuntherapie mit dendritischen Zellen oder eine Gentherapie mit bestimmten Viren bei Krebserkrankungen bis hin zu dem Einsatz embryonaler Stammzellen bei Herzmuskelerkrankungen, um nur einige der attraktiven Gebiete zu nennen. Ich habe mich für eine Arbeit über die Multiple Sklerose entschieden.
Auf einem eng umschriebenen Gebiet richtig in die Tiefe tauchen
Mich reizt nicht nur die Arbeit mit den Patienten, sondern ich wollte im Rahmen meines Studiums auch die Laborarbeit kennenlernen.
Neben meinem ausgeprägten naturwissenschaftlichen Interesse war auch eine meiner wesentlichen Motivationen für eine experimentelle Doktorarbeit, über die Versuche unmittelbar mitzubekommen, auf welche Art und Weise medizinisches Wissen entsteht, und vor allem zu lernen, wie man es kritisch bewertet. Mich stört etwas am Medizinstudium, daß das breite Spektrum vieler unterschiedlicher und abwechslungsreicher Fächer mit einer ziemlichen Oberflächlichkeit erkauft wird. Eine experimentelle Doktorarbeit ist nun die ideale Möglichkeit, auf einem eng umschriebenen Gebiet einmal richtig in die Tiefe einzusteigen. Für den Nachteil der längeren Dauer im Vergleich zu einer statistischen Arbeit entschädigt der neue Promotionsstudiengang nicht nur in finanzieller Hinsicht.
Los geht´s: am Anfang stand das molekularbiologische Grundpraktikum
Angesprochen werden Studenten im klinischen Studienabschnitt, und da das in München mehrere Semester zusammengenommen sicher über 1000 sind, erscheint eine maximale Teilnehmerzahl von 30 recht klein. Erstaunlicherweise gab es aber, als ich mich vor eineinhalb Jahren beworben hatte, kaum mehr Bewerber als Plätze, und so durften alle auch anfangen. Los ging es zwei Wochen vor Beginn des Wintersemesters mit einem Praktikum, in dem wir in allgemeine molekularbiologische Techniken wie Vektorklonierungen, PCRs oder Western Blots eingeführt wurden und diese auch selbst durchführen durften. Dann kam der große Tag, an dem die Hochschullehrer im Fünfzehnminutentakt ihre Projekte vorstellten. In der zweiten Woche wurden wir in kleine Gruppen aufgeteilt, das Praktikum fand dann an den entsprechenden Instituten statt, die ein Projekt eingereicht hatten. Das bot schon eine erste Gelegenheit, in die Labors einer potentiellen Doktorarbeit hineinzuschnuppern. Nach Semesterbeginn hatten wir noch ein paar Wochen Zeit, uns weitere Doktorarbeiten anzuschauen, und umgekehrt war das natürlich auch die Gelegenheit für die Doktorväter, die Studenten unter die Lupe zu nehmen. Keiner der Studenten wird gezwungen, ein bestimmtes Projekt zu machen, vielmehr sollen sich Doktoranden und Doktorväter selbst finden. Am Ende erstellten sowohl die Studenten als auch die Hochschullehrer eine Liste mit drei Favoriten, dann wurde geschaut, wer mit wem zusammenpaßt.