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Praxisnähere Prüfung in Sicht!?

IMPP Pretest zum Hammerexamen

Jens Plasger / Christian Weier (MEDI-LEARN)

Hammerexamen

Am heutigen Mittwoch fand in acht verschiedenen Städten in Deutschland ein Pretest zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung nach Approbationsordnung von 2002, in Studentenkreisen besser als Hammerexamen bekannt, statt. In der Zeit von 9.00 bis 15.00 Uhr brüteten (hitzebedingt) Studenten in Göttingen, Hamburg, Heidelberg, Homburg, Leipzig, Mainz, Neuss und Würzburg über Multiple-Choice Fragen im neuen Stil.

Der Aufbau der Prüfung

Das (Test-)Examen bestand insgesamt aus 123 Fragen, die in vier Hefte gesplittet waren (siehe Schaubild). Die Teilnehmer bekamen immer nur ein Heft ausgehändigt. Das Folgeheft gab es danach im Tausch gegen den Lösungsbogen und das Vorgängerheft.
Im ersten Teil (Heft 1) wurden fünf verschiedene klinische Fälle geprüft. Die Fallbeispiele wurden dabei auf ungefähr einer DIN A4 Seite ausführlich mit Blickdiagnosen, Laborwerten, anamnestischen Aussagen etc. beschrieben. Danach folgten ca. 10 Multiple-Choice Fragen zum jeweiligen Fallbeispiel. Für den ersten Part hatten die Teilnehmer maximal zweieinhalb Stunden Zeit.

Im zweiten Teil der Prüfung (Heft 2 bis 4) waren fünf gesplittete (sequentielle) Fallbeispiele zu finden. Pro Heft wurden je 21 Fragen gestellt, zu deren Lösung pro Ausgabe jeweils 50 Minuten zur Verfügung standen. Im Heft 2 wurden nur Fragen zur Anamnese und zu möglichen diagnostischen Methoden gestellt. Im Heft 3 fanden sich dann die Untersuchungsergebnisse, die in MC-Fragen beurteilt werden sollten. Darüber hinaus wurden z.B. Fragen zur möglichen Medikation gestellt. Im letzten Heft (Heft 4) erfuhr der Teilnehmer dann, was aus dem virtuellen Patienten geworden ist; hier wurden z.B. Fragen zur Weiterbehandlung, zur Prognose oder zu Risikofaktoren der jeweiligen Erkrankung gestellt.
Im MEDI-LEARN Telefoninterview direkt nach der Prüfung sagte uns ein Teilnehmer: „Gerade im zweiten Teil konnte man sehen, ob man die Fragen in den vorhergehenden Heften korrekt beantwortet hatte. Wenn ich merkte, dass ich korrekt gelegen hatte, pushte mich das auf – meine Laune war jedoch im Keller, wenn ich feststellte, dass ich eine Aufgabe falsch gelöst hatte. Dieses Wechselbad an Gefühlen störte meine Prüfungskonzentration im Gesamten doch sehr!“.

Abb.: Aufbau des IMPP-Pretests

Unterstützung

Um die Bearbeitung der Fragen und die Bewertung der Fallbeispiele zu erleichtern, bekam jeder Teilnehmer einen vierseitigen Bogen mit Laborwerten und Referenzwerten. Eine Teilnehmerin sagte nach der Prüfung gegenüber MEDI-LEARN: „Die Laborwerte-Übersicht hat mir die Einordnung sehr vereinfacht. Vielleicht könnte das IMPP die Normbereiche bei zukünftigen Prüfungen direkt in die Fallbeispiele integrieren. Das würde langes Suchen und Blättern vermeiden.“. 


Thema Altfragen

Auf die Frage nach Altfragen äußerten sich die Teilnehmer unterschiedlich – eine Studentin aus Neuss erklärte im MEDI-LEARN Interview: „Eigentlich waren kaum neue Themen zu finden – im Prinzip war das Examen aus Altfragen konstruiert, die den jeweiligen Fallbeispielen zusortiert worden sind. Schön war, dass abgedrehte Fragen z.B. zu seltenen Syndromen in der Prüfung nicht zu finden waren.“ Eine Studentin aus Göttingen äußerte sich dagegen folgendermaßen: „Ich habe kaum Altfragen wiedererkannt – besonders unangenehm habe ich die Folgefragen empfunden, in denen ich mit großer Sicherheit einige Fragen am Stück falsch gekreuzt habe, weil zur Beantwortung der Frage das Wissen der korrekten Antwort der Voraufgabe notwendig gewesen wäre.“ Ein Mitstudent untermalte die Aussage mit einem Beispiel: „Wir wurden nach einer Verdachtsdiagnose gefragt – als Antwortmöglichkeiten standen Hepatis A, Hepatis B, Hepatis C, Hepatis D und Hepatis E zur Verfügung. In der Anschlußfrage sollten wir nun sagen, welche Serologie durchgeführt werden sollte – wer die erste Frage korrekt beantwortet hatte, konnte auch die Folgefrage lösen, wer jedoch die erste Frage falsch hatte, beantwortete zwangsläufig auch die Folgefrage falsch. Naja – vielleicht gibt es ja Teilpunkte!“. 


Der Gesamteindruck

Der Gesamteindruck aller durch MEDI-LEARN befragten Studenten war jedoch sehr positiv. Besonders die vorwiegend klinischen Bezüge und der Verzicht auf „Kolibrifragen“ zu seltenen Krankheiten scheint bei den Teilnehmern gut angekommen zu sein. Auch das an einigen Standorten freundlicherweise verteilte Balisto erfreute die Testkandidaten.
Laut Aussage des zur Prüfungsaufsicht eingeteilten Personals, das nach MEDI-LEARN Informationen teils aus Mitarbeitern der Landesprüfungsämter und teils aus IMPP-Angestellten bestand, wird am 29. Juni auf der Seite des IMPPs eine „abgespeckte Version“ der Fallbeispiele und der Fragen zum Download zur Verfügung gestellt werden.
Ein Student aus Neuss sagte uns abschließend: „Trotz einiger Pannen im Ablauf der Prüfung, die dafür gesorgt haben, dass es im Prüfungsraum recht laut war, hat es viel Spass gemacht, an dem Pretest teilzunehmen. Wenn das Hammerexamen ähnlich aufgebaut sein wird, ist man in jedem Fall mit Altfragen gut vorbereitet. Im Gesamten habe ich die Prüfung als wesentlich praxisnäher und dadurch auch einfacher empfunden.“

Anmerkung zu weiteren Aktionen:


Forum zum IMPP-Pretest
Wir haben in den MEDI-LEARN Foren ein spezielles Unterforum zum IMPP-Pretest eingerichtet. Hier können Teilnehmer des Pretests ihre Erfahrungen an andere Kommilitonen weitergeben und die Fallbeispiele, die im Testexamen geprüft wurden, diskutieren. Für jedes der 10 Fallbeispiele gibt es ein spezielles Unterforum.