Moderne Recherchetechniken
Kapitel 1: Literaturbeschaffung
Redaktion (MEDI-LEARN)
MEDLINE ist die bibliographische Datenbank der „National Library of Medicine" und entspricht dem Index Medicus. Diese Datenbank enthält etwa 6,5 Mio. dokumentierte Zitate seit 1966, jährlich kommen ca. 350.000 Zitate aus 3.400 Zeitschriften dazu. MEDLINE wird monatlich aktualisiert.
Neben Angaben zu Autoren, Titel und Schlagwörtern ist in ca. 80% der seit 1976 erfassten Publikationen auch ein Abstract gespeichert. Dadurch sind eine sofortige Relevanzprüfung und eine Freitextsuche möglich. Die Verwendung mehrerer Suchbegriffe erlaubt auch eine Kombinationssuche.
Suchstrategie
In aller Regel wird man eine Suche relativ weit gefasst beginnen, um keine relevanten Zitate zu übersehen. Der Anteil der gefundenen unter allen relevanten Ergebnissen heißt „recall" und ist das Maß für die Trefferquote; ein „recall" von 0,85 heißt beispielsweise, dass 85% aller wirklich relevanten Zitate gefunden wurden. Die Präzision ist der Anteil der relevanten Zitate unter allen gefundenen, eine Präzision von 0,6 heißt also, dass 60% der gefundenen Information relevant sind, 40% sind nicht verwertbar. Diese Werte hängen einmal von der benutzten Such-Software ab, zum anderen von der eigenen Suchstrategie. Anfänglich wird man also mit einem hohen „recall" bei niedriger Präzision arbeiten, man nimmt also viele ir- relevante Zitate in Kauf, um keine relevanten zu übersehen.
Zeigt sich, dass die Zahl der gefundenen Zitate zu gering ist, werden die Suchbegriffe überprüft und evtl. weiter gefasst. Ist die Zahl der gefundenen Zitate hoch, sollten sie auf Kosten der irrelevanten Zitate eingeschränkt, also die Präzision erhöht werden. Hierzu kann man versuchsweise konkretere Suchbegriffe eingeben, läuft dabei aber Gefahr, auch relevante Artikel zu verlieren. Diese Auslese lässt sich natürlich auch „von Hand" durchführen, indem man alle gefundenen Abstracts durchliest und die relevanten markiert.
Online-Recherchen
Die älteste der „modernen" Recherchetechniken ist eine Online-Recherche über das „Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information", kurz DIMDI, in Köln. Online bedeutet, dass eine direkte Verbindung zum Computer von DIMDI hergestellt wird. Für eine Online-Recherche braucht man eine Zugangsberechtigung, die sich für den Einzelnen aber kaum lohnen dürfte. Viele Universitäten bieten die Online-Recherche als Serviceleistung ihrer Bibliotheken an. Dort sind auch die Formulare für den Suchauftrag erhältlich. Eine Online-Recherche hat einige Vorteile: Der Hauptvorteil ist die enorme Datenmenge, auf die man über DIMDI Zugriff hat. Über 100 Datenbanken mit Publikationen aus den Bereichen Medizin und Biowissenschaften samt Randgebieten sind verfügbar. Die wichtigste Datenbank für den Mediziner ist MEDLINE. Andere wichtige Datenbanken sind beispielsweise „cancerlit" über die gesamte Onkologie oder „PsycINFO" mit Zitaten aus der gesamten Psychologie.