Dr. Thomas Keller im Gespräch
ACOMED Statistikberatung
Thomas Keller (ACOMED Statistik)
Die sieben Weltmeere der Statistik sind für den Medizinstudenten und Doktoranden alles andere als ein gewohntes Gewässer und als Neuling ist man dankbar für einen erfahrenen Steuermann. Ein Fachmann für statistische Fragestellungen rund um die medizinische Doktorarbeit ist Dr. Thomas Keller (Acomed) aus Leipzig, den wir euch in einem Interview einmal ausführlicher vorstellen möchten.
Was (und wo) haben Sie studiert und mit welcher Motivation haben Sie dieses Studium aufgenommen?
Ich habe in den Jahren 1981-86 Physik in Leipzig studiert. Motiviert war ich zum einen durch gleichartige Berufe meines Großvaters und Vaters, die Mathematiker bzw. Physiker waren. Ich habe mich zeitig auf biomedizinische Anwendungen konzentriert (In-vivo-NMR-Spektroskopie an Tierorganen), weil ich diese interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physikern, Biologen und Medizinern als sehr anwendungsrelevant und fruchtbar empfunden habe.
Können Sie sich an die absoluten Höhe- wie auch Tiefpunkte des Studiums erinnern?
Da ich während des Studiums heiratete und später meine beiden Töchter zur Welt kamen, sind die schönsten Erinnerungen meiner Studienzeit eigentlich mit diesem Teil des Lebens verbunden. Vielleicht war dieser Rückzug ins Private durchaus symptomatisch, denn die permanenten Versuche, auch Physikstudenten ideologisch zu indoktrinieren, gehörten zum unangenehmen Teil der Studienzeit.
Wann haben Sie den Entschluß gefasst, ACOMED ins Leben zu rufen? Was ist das reizvolle für Sie an dieser Tätigkeit?
Nach vielen Jahren am Institut für Biophysik in Leipzig wurde ich Leiter Forschung&Entwicklung in einer Biotech-Firma, und hatte als solcher vorrangig mit klinischen Studien und statistischen Auswertungen zu tun. Als die Firma wuchs, und externe Berater mit Hintergrund Automobilindustrie ihre Vorstellungen von Forschung im Unternehmen propagierten, war es Zeit für einen Wechsel.
So gründete ich ACOMED statistik. Die Erwartungen, die ich an die eigene Firma hatte, haben sich erfüllt, wenn nicht gar übererfüllt. Eigentlich wollte ich als ausschließlich als Dienstleister wirken. Mittlerweile bin ich aber wieder in Forschungsprojekte mit Industrie und Universitäten integriert, schreibe Veröffentlichungen, trage auf Kongressen vor. Der Stress ist geblieben – doch während er früher häufig in Frustration mündete, ist es jetzt ausschließlich positiver Stress.
Reizvoll ist es natürlich, als Unternehmer komplett die Verantwort zu tragen, und sein Unternehmen fortlaufend zu steuern und zu optimieren. So ist die Arbeit – auch wenn ich den ganzen Tag allein vor dem Computer sitze und ab und zu telefoniere – absolut spannend.
Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus und wie darf man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Ich arbeite zu Hause, mit Blick auf den Leipziger Auewald. Wie gesagt, sitze ich mehr oder weniger den ganzen Tag am Computer. Das mag eintönig klingen; die Abwechslung kommt durch die oben beschriebenen, vielfältigen Aufgaben zustande – hinzu kommen noch die unternehmenstypischen Dinge wie Marketing, Controlling, Buchhaltung etc.
Welche Kunden betreuen Sie?
Der Kontakt zu den Kunden läuft hauptsächlich über E-Mail und Telefon. Meine Kunden sind Unternehmen aus der Diagnostika-Branche, universitäre Forschungsgruppen und schließlich Doktoranden. Während die ersten Kundengruppen Dienstleistungen in eine spezifische Richtung benötigen, wird durch die Doktoranden ein breites Spektrum statistischer Methoden zu verschiedenartigsten medizinischen Fragestellungen abgefragt.
Gab es einmal im Rahmen der von Ihnen betreuten Studien ein 'besonderes Erfolgserlebnis' im Sinne einer herausragenden Publikation o.ä.?
Für die Bayer Vital GmbH habe ich zwei neue statistische Verfahren entwickelt, die die Unterschiede zwischen verschiedenen PSA-Subformen (PSA-Tumormarkerdiagnostik für Prostata-Karzinom) auf neue Weise verdeutlichen. Dies öffnete mir den Weg zur Auswertung einer Reihe von europäischen Studien, Publikationen und Vorträgen.