Was bringt die Promotion außer dem Titel?
Kapitel 1: Doktorarbeit - warum, wann, wo?
Redaktion (MEDI-LEARN)
In geisteswissenschaftlichen oder in rein naturwissenschaftlichen Fächern hat die Promotion einen völlig anderen Stellenwert als in der medizinischen Fakultät.
Sie ist dort vor allem eine zusätzliche Qualifikation nach dem Studienabschluss und wird fast immer im Rahmen einer Hochschulassistentenstelle angefertigt. Die medizinische Doktorarbeit ist in diesem Zusammenhang am ehesten einer Diplomarbeit in den oben genannten Fächern vergleichbar.
Heutzutage ist es im Rahmen des Medizinstudiums üblich eine wissenschaftliche Arbeit anzufertigen, obwohl dies für die Ausübung des Berufs bzw. für die Approbation nicht Voraussetzung ist. Bei Bewerbungen ist es aber vorteilhaft eine Promotion vorweisen zu können. Wer nicht gerade eine Stelle an einer Universitätsklinik anstrebt, für den spielen Thema und Note meistens keine wesentliche Rolle.
Zusätzlich bietet die Doktorarbeit die Chance, eine Klinik oder ein Institut näher kennen zu lernen, um sich dadurch einen Einblick in eine eventuelle spätere Tätigkeit verschaffen zu können. In diesem Sinne dient die Doktorarbeit auch der Berufsfelderkundung . Mit etwas Glück kann man über die Promotionsarbeit manchmal die Chance bekommen, in die engere Auswahl um eine freie AIP- bzw. Assistentenstelle zu kommen. Im Medizinstudium hat man meist wenig Möglichkeiten Kontakte zu praktizierenden Ärzten zu knüpfen, es sei denn, man arbeitet im Rahmen von Nachtwachen oder als Aushilfskraft z.B. auf einer Intensivstation. Hierbei stößt man natürlich bisweilen auch auf interessante Fragestellungen für Doktorarbeiten.
Im Rahmen der Promotionsarbeit lassen sich diese Kontakte dann intensivieren. Dies kann bei der Vermittlung von Famulaturstellen, bei geplanten Auslandsaufenthalten und zum allgemeinen Erfahrungsaustausch hilfreich sein. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, an der einen oder anderen Publikation mitzuarbeiten, evtl. an Kongressen teilzunehmen und hierdurch Kontakte zu Beschäftigten anderer Universitäten zu knüpfen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Bedeutung von Industriekontakten, z.B. für die spätere berufliche Zukunft.
Was sagt die Statistik?
Umso mehr überrascht, dass nach einer Mitteilung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung nur etwa zwei Drittel der Mediziner überhaupt eine Promotion abschließen. Längst ist die Quote der Promotionen in anderen Studienfächern, beispielsweise Chemie, wesentlich höher. Noch ausgeprägter ist die Situation bei den weiblichen Studienabsolventen: nur 30% promovieren (Quelle: Marburger Bund vom 2.12.1994).
Wer sich entschließt keine Promotion anzustreben, sollte sich bewusst sein, dass er sich damit freiwillig zu einem Außenseiter unter Kollegen macht.
Vielleicht ist dieser Entschluss auch nur Ausdruck einer passageren Oppositionsphase gegen die allgemeine Verschulung des Studiums („nicht noch einen Programmpunkt abhaken"), der jedoch unter Umständen später bereut wird. Will man nach Abschluss des Studiums oder gar später doch noch eine Doktorarbeit anfertigen, ist dies mit großen zeitlichen und organisatorischen Problemen verbunden. In der Regel gibt es keinen „zweiten Bildungsweg" zur Promotion.
Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein relativ großer Anteil von Patienten unberechtigterweise die praktischen Qualifikationen eines praktizierenden Arztes bei fehlendem Doktortitel anzweifelt: „Ist das überhaupt ein richtiger Doktor?" Nicht zuletzt vergibt der Nicht-Doktorand eine Menge Chancen, wichtige Beziehungen zu knüpfen und Einsichten zu erlangen.