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Auf dem Weg zum Titel

Die Suche nach der richtigen Doktorarbeit

Linda Vilz

Kaum ist das Physikum vorbei, beginnen die Eifrigsten unter uns Medizinstudenten schon die Suche nach einer Doktorarbeit. Früher oder später stellt sich jeder von uns die Frage: Will ich einen Titel? Und wenn ja, was will ich investieren? Von den wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, die das nötige Kleingeld und das „Gewissen“ haben, sich ihren Rang zu erkaufen oder von Papa schreiben zu lassen, sollte man sich im Klaren darüber sein: Der Titel kostet einen mehr oder weniger großen Haufen Arbeit. Aber wir Mediziner haben bekanntlich den Vorteil, dass wir schon während des Studiums mit der Dissertation beginnen können.
Ich persönlich gehörte nicht zu den allerersten, die sich sofort nach einer Doktorarbeit umschauten. Allerdings hielt ich der innerlichen Unruhe, die Erfahrungsberichte von Kommilitonen über ihre „Diss“ in mir erzeugten, nicht lange stand. Schließlich kann ja immer mal was schief gehen und wenn man früh anfängt, bleibt möglicherweise etwas Spielraum übrig.
So begann ich gegen Ende des 2. klinischen Semesters, über meinen möglichen Titel nachzudenken. Bald standen zwei Dinge für mich fest: Titel ja, dafür aussetzen nein. Alles andere war offen.

Je mehr Informationen, desto besser

Wie sollte ich nun an ausstehende Arbeiten kommen? Worauf sollte bei der Auswahl achten? Ich interviewte also erst einmal sämtliche Mitstudenten, von denen ich wusste, dass sie bereits ihre Dissertation begonnen hatten. Dabei interessierte mich besonders, was für eine Art von Arbeit sie machten, wo sie sie machten und wie zufrieden sie dort waren. Ich achtete auf Aushänge in den Kliniken, fragte bei Ärzten während Famulaturen oder Untersuchungskursen nach, ging zu einzelnen Oberärzten (oder deren Sekretärinnen) und schrieb haufenweise E-Mails.

Langsam wurden meine Vorstellungen greifbar

Die Ausbeute war nicht schlecht. Zwar antworteten einige erst gar nicht auf meine Anfragen, dennoch zeigte sich, dass die Mehrheit der Oberärzte durchaus daran interessiert ist, Doktorarbeiten zu vergeben. Schließlich haben sie ja auch etwas davon.
Ich machte also Termine für persönliche Gespräche aus, hörte zu, redete und stellte Fragen. Mein Motto: je mehr Information, desto besser. Nach Möglichkeit sprach ich auch noch mit zweiten oder dritten Personen (z.B. anderen Doktoranden aus der Arbeitsgruppe). Eine Entscheidung treffen wollte ich erst, wenn das Spektrum breiter und mein Blick für die Sache klarer würde.
Langsam wurden meine Vorstellungen greifbar: Etwas Experimentelles? Nein. Die meisten Doktorväter erwarteten ein bis zwei Urlaubssemester, was für intensives naturwissenschaftliches Arbeiten sicherlich sinnvoll ist. Man arbeitet sehr speziell und bekommt unter Umständen beeindruckende Ergebnisse. Einige boten auch Arbeiten ohne Aussetzen an, schließlich muss man ja nicht jede Vorlesung besuchen und den Nebenjob kann man damit vielleicht auch noch vereinbaren. Da ich aber nicht unbedingt eine universitäre Karriere anstrebe und meine Frustrationstoleranz und Geduld diesen Anforderungen wahrscheinlich nicht gewachsen wäre, entschied ich mich dagegen.
Eine klinische Studie? Schon eher. Eine Freundin von mir machte eine solche. Bei den prospektiven Studien läuft man aber leider häufig Gefahr, auf einmal nicht mehr genügend Patienten zu haben, beispielsweise wenn es um das Erproben neuer Medikamente geht. Patienten ziehen um oder wohnen zu weit entfernt, sind nicht mehr auffindbar oder versterben. Oft sind die neuen Medikamente den Kliniken zu teuer und noch viele weitere Hürden stehen vor einem. Dafür hat man in der Regel aber Patientenkontakt, was meist ein abwechslungsreiches Arbeiten bedeutet.

Gelauscht (Foren)

Dr. Arbeit

Die Wahl ist getroffen

Also eine rückblickende Studie? Das hieße dann Akten, Akten und nochmals Akten. Und natürlich Statistik, man will ja schließlich etwas auswerten. Die Probleme hier: Oft fehlen Dokumente, Schriften sind nicht entzifferbar und man benötigt ordentlich Sitzfleisch und einen langen Atem. Vorteile sind die Überschaubarkeit und die relativ individuelle Zeiteinteilung, denn die Akten laufen ja nicht weg.
Überschaubar sollte es schon sein, doch Patienten sehen wollte ich auch. Außerdem kam es mir sehr darauf an, dass mein Betreuer/Doktorvater in spe und ich auf einer Wellenlänge sind und dass er eine relativ genaue Vorstellung von dem Projekt hat.
Nach Möglichkeit sollte er auch schon einige Erfahrung mit Doktoranden haben, denn ohne gute Betreuung macht das spannendste Thema irgendwann keinen Spaß mehr. Frustrierend wäre auch, wenn die Arbeit infolge mangelnder Planung nicht ausreicht oder einfach im Sande verläuft. Wie man leicht sieht: Überall gibt es Vor- und Nachteile.
Meine Entscheidung fiel schließlich auf eine retrospektive Datenerhebung mit klinischer Nachuntersuchung und Referenzpathologie. Bis auf Experimente bietet sie von allem etwas. Das Thema ist speziell, aber interessant, mein Doktorvater ist für jegliche Fragen offen, kompetent und sehr nett – und das nicht im Sinne von adrett mit Besenstiel im Rücken, sondern locker und witzig.
Das schafft ein gutes Klima, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Es ist wichtig, sich diesen Schritt gründlich zu überlegen.

Ein bisschen Glück gehört dazu

Doch auch bei bester Planung: Letztlich steht man immer vor etwas ganz Neuem und Großem, dessen Ende man unmöglich absehen kann, egal, wie gut man vorbereitet ist. Wie der berühmte Ochs vorm Berg, wenn man so will. Informieren kann und sollte man sich, aber es gehört auch immer ein bisschen Glück dazu.

Bei Problemen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen

Ob alles so klappt wie geplant, hängt nun mal von vielen verschiedenen Faktoren ab. Größere oder kleinere Schwierigkeiten wird es immer geben, da braucht man sich keine Illusionen zu machen. Wenn man sich erst einmal entschieden hat, sollte man es nach Möglichkeit auch durchziehen und bei auftretenden Problemen nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Denn wenn man an diesem Punkt nicht aufgibt, hat man es schon fast geschafft!