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Pflegepraktikum in Kapstadt

Ich habe eine Menge gelernt und es gab sehr viel Abwechslung

Alexandra Feidt

 

Nachdem ich ein Pflegepraktikum in Deutschland vor dem Studium gemacht hatte, wollte ich nun ein anderes Gesundheitssystem kennen lernen. Zudem wollte ich Arbeit, Lernen und Urlaub miteinander verbinden. Einige PJ-ler-Berichte, die ich zuvor gelesen hatte inspirierten mich nach Afrika zu gehen. Ich entschied mich für Kapstadt. Die Wahl viel nicht schwer, wohin es in Kapstadt gehen sollte: das Victoria Hospital befand sich ganz in der Nähe meines Onkels, der dort wohnt.

Bewerbung

Kurzerhand besorgte ich mir die Telefonnummer des Hospitals und rief dort an. Die Krankenhausleitung meinte, dass sie bis 2009 ausgebucht seien und keine Möglichkeit für mich besteht, so etwas zu machen. Ich war überzeugt, dass sie mich nicht richtig verstanden hatten- in Kapstadt heißt das Pflegepraktikum wie ich später herausgefunden habe nicht „patient care training“ sondern „nurse aid“. Ich blieb also dran und fing an mit dem Krankenhaus per Email zu korrespondieren und zu erklären, was ich machen möchte und warum. Nach einigem hin und her wollten sie eine Bestätigung meiner Universität, dass ich dort studiere und überhaupt solch ein Pflegepraktikum machen muss. Ein Professor hat dies netterweise dann dem Krankenhaus beglaubigt und kurz darauf kam die Bestätigung, dass ich für ein Pflegepraktikum angenommen bin. Dies war sehr kurzfristig, denn eigentlich wollte ich im August hin (in Afrika ist dann Winter), aber die konnten mich auch schon Ende Februar annehmen- Anfang Februar bekam ich die Zusage…

Gelauscht (Foren)

Pflegepraktikum

Die Arbeit im Victoria Hospital

Mit blauer Hose, weißem Shirt und schwarzen Schuhen fing mein erster Tag um 6.45h an. Ich sollte mich bei der Oberschwester des Hospitals melden und die empfing mich herzlich mit einem „Stundenplan“ für die nächsten 30 Tage. Sie zeigte mir das komplette Krankenhaus mit den einzelnen Stationen und ich musste mich jedes Mal vorstellen und sagen was ich hier mache- alle sind wirklich sehr neugierig, freundlich und interessiert. Laut Stundenplan durfte ich jede Woche in einem anderen Bereich arbeiten. Die erste Woche war ich im „Surgical Male Ward“ (Chirurgie) und ich arbeitete von 7-16h. Eine halbe Stunde Teatime und 1 Stunde Lunchtime waren inbegriffen. Die konnte man entweder draußen im wunderschönen Bedienstetengarten, wo vor 4 Monaten noch ein Schwimmbad gewesen war, in einem Raum mit anderen Schwestern oder am Computer (kostenloses Internet) verbringen. Die erste Woche war sehr spannend und lehrreich. Es gab sehr viele Wunden, Amputationen, Knochenbrüche und Dinge, die man in Deutschland nie sehen würde. Ich durfte viel mithelfen nur der Geruch störte ab und zu meine Neugier. Die Männer waren in einem großen Saal zu sechzehnt untergebracht und dann gab es noch zwei so genannte „Stubs“ die etwas kleiner waren und in die die gerade operierten Patienten kamen. Die zweite Woche ging es in den „Medical Female Ward“ (Innere), wo Herzkrankheiten, AIDS und Tuberkulose an der Tagesordnung waren-eine sehr traurige Erfahrung und 2 junge Menschen starben während dieser Zeit. Hinzu kam, dass XDR- und MDR-Fälle(extensive drug resistant und multi drug resistant Tuberkulose) dort lagen und einige Krankenschwestern keine Ahnung hatten, wie gefährlich dies ohne Schutzmaßnahmen sein kann. In der dritten Woche ging es dann ins „Theatre“ = OP. Das war fantastisch: ich durfte die ersten 2 Tage im Aufwachraum die Patienten versorgen und die Berichte schreiben .Danach ging es von morgens bis abends in den OP an sich. Von Augenoperationen über alle möglichen abdominellen Sachen bis hin zu neuen Knien, Hüften, Oberschenkelbrüchen und urologischen Sachen durfte ich mir alles anschauen und viele Fragen stellen- dort habe ich eindeutig am meisten gesehen und gelernt! Hier wurde sehr auf Sterilität und Vorschriften geachtet und die Geräte kamen lustigerweise fast alle aus Deutschland. In der vierten Woche war Casualtytime(Ambulanz). Ich durfte Spritzen geben, Hb, Blutdruck, Fieber, Puls und Blutzucker messen sowie die Atmung zählen und die Patienten befragen was sie hatten und dies dann auch aufschreiben. Es gab viel zu tun, aber es war auch gefährlich- ja nachdem welche Krankheit jemand hatte (MDR, XDR etc.). Hier durfte ich die Ärzte auch sehr viel Fragen und sie haben mich auch ab und an zu spannenden Fällen mitgenommen. Die letzten 2 Tage verbrachte ich dann in der Pädiatrie. Dort betreute ich 8 Kinder fast alleine und musste sie füttern, herumtragen, mit ihnen spielen, wickeln usw. Auf jeder Station fing der Tag gleich an: Betten machen, waschen und frühstücken um 7 Uhr, Visite um 8 Uhr. Um 10h Kaffee und um 12 Uhr Mittagessen. Über das Victoria Hospital ist noch zu sagen, dass es staatliches Lehrkrankenhaus und somit knapp bei Kasse ist. Es dürfen nur Leute von der Straße, Arbeitslose und Menschen mit einer Rente von umgerechnet 28 € pro Monat dort hin. In private Krankenhäuser gehen die anderen. Dort kann man ein Pflegepraktikum nicht machen- man wird abgelehnt. Mit einer Organisation kann man noch zusätzlich jede Woche abends in die Slums und dort den Menschen helfen. Mir persönlich war es zu gefährlich, aber eine PJlerin aus Deutschland, die zu dieser Zeit auch da war, fand es einmalig und aufregend.
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