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Bettenmachen, Schieber, Visiten und mehr

Das Krankenpflegepraktikum im Medizinstudium

Jens Plasger

 

Das Pflegepraktikum stellt für viele den ersten Kontakt mit der Arbeitswelt eines Krankenhauses dar. Volle 90 Tage sind vom Gesetzgeber für diese Pflichtleistung in den ersten beiden Studienjahren vorgesehen. Mit diesem Einstiegsartikel möchten wir euch auf das Thema einstimmen.
4 Städte - 4 Personen zwischen Hannover, Heidelberg, Fürstenfeldbruck und Bordeaux
Anmerkung der Redaktion: Die nachfolgenden Personen sind fiktiv erfunden, stellen aber beispielhafte Erfahrungen von Studenten dar.
Corinna aus der Leinestadt Hannover möchte Medizin studieren und hat sich schon zu Oberstufenzeiten schlau gemacht, was es an Voraussetzungen für das Studium zu erfüllen gilt und wird in den Sommermonaten ihr Krankenpflegepraktikum im Nordstadtkrankenhaus absolvieren. Stefan aus Bruch bei Heidelberg ist bereits mit dem zweiten Semester des Studiums durch, einigermaßen vom Streß an der Uni geschlaucht und blickt nun gespannt seinem ersten Teil des Pflegepraktikums entgegen, das in den kommenden Semesterferien auf ihn wartet. Und Isabelle sitzt in Bordeaux in Frankreich bei einem Glas Rotwein mit ihren Stationskollegen und läßt die vergangenen 90 Tage des Pflegepraktikums Revue passieren: sie nutzte die Pflicht des Pflegepraktikums gleich zur Kür eines Auslandsaufenthaltes und absolvierte das Praktikum in Frankreich. Last, but not least: Christian aus Fürstenfeldbruck, ausgebildeter Sanitäter der Bundeswehr, der bei dem Wort 'Pflegepraktikum' im Munde seiner Kommilitonen sich manchmal ein Lächeln nicht verkneifen kann. Mit seiner Ausbildung ist die Anerkennung der Pflichtleistung Krankenpflegepraktikum bereits gesichert und er muß nicht erneut auf Station antreten.

4 junge Menschen - ein Thema: das Krankenpflegepraktikum

Das Krankenpflegepraktikum ist eine der Pflichtleistungen, die von der Approbationsordnung als Voraussetzung zur Anmeldung zur Prüfung des Ersten Abschnitts (vormals: Ärztliche Vorprüfung) nach 4 Semestern gefordert ist. Volle 90 Kalendertage muss es - die Tage an den Wochenenden studentenfreundlich mitgezählt - mindestens umfassen, darf in maximal 3 Blöcke á 30 Tagen aufgespalten und kann auch bereits vor dem Studium oder aber im Ausland oder - und das ist der Regelfall - in den Semesterferien während der ersten 4 Semester des Studiums absolviert werden.
Das Wort Pflege steht im Zentrum dieser Erfahrungszeit
Eines sollte man sich schon von Beginn an klar machen und vor Augen halten: während dieser Zeit ist man in den Pflegedienst des Krankenhauses eingebunden und sollte sich auch als Mitglied des Pflegepersonals fühlen und entsprechend verhalten. Die Zeiten, in denen man direkt den Ärzten untergeordnet ist und praktische medizinische Erfahrungen sammelt, kommt erst später (und nennen sich by the way: Famulatur). Während des Krankenpflegepraktikums heißen die Kollegen, mit denen man es vorrangig zu tun hat, Schwester Heidi und Pfleger Hans, nicht aber Dr. Maurer oder Prof. Markwart - will sagen: man tut gut daran, sich in den Schwestern- und Pflegerkreis kollegial zu integrieren. Ein selbstgebackener Kuchen für den ersten (und letzten) Tag auf Station kann hier schon Wunder wirken.

Life is life: Betten machen, Essen austeilen, Schieber wegbringen: That´s life at Krankenpflegepraktikum
Abgeleistet wird das Pflegepraktikum in einem Krankenhaus mit akut erkrankten, bettlägrigen Personen, ein Ableisten in Alters- oder Pflegeheimen ist in der Regel NICHT möglich (ihr solltet Euch hierzu sicherheitshalber bei Eurer Fachschaft oder aber dem für Eure Universität zuständigen Landesprüfungsamt, genannt LPA, informieren). Welche Arten von Tätigkeiten kommen auf Euch zu? Der Tag einer Frühschicht beginnt meist mit dem Aufwecken, Bettenmachen und Hilfe bei der Körperpflege (Waschen) für die Patienten, danach seid ihr in der Regel mit dem Austeilen des Frühstücks beschäftigt und helft anschliessend denjenigen Patienten, die alleine nicht mehr essen. Im Laufe des Vormittags folgen dann meist Tätigkeiten wie Krankentransporte, d.h. ihr schiebt die Patienten in ihren Betten zu notwendigen Untersuchungen, holt Befunde aus dem Labor oder bringt solche ebendorthin, ihr helft mit, die Medikamente auszuteilen, dürft - zunächst unter Anleitung - Blutdruck und Puls messen oder bei interessanten Untersuchungen zuschauen. Wenn ihr Glück habt, dürft ihr ständig an Visiten zusammen mit den Ärzten teilnehmen und werdet währenddessen von den pflegerischen Tätigkeiten "entbunden", manches Mal ist die Teilnahme an der ärztlichen Visite eher die Ausnahme, nicht die tägliche Regel. Geschickt angestellt, könnt ihr durch die Frage, wann interessante Untersuchungen oder Operationen anstehen und ihr vielleicht mal die Zeit nutzen könntet, dabeizusein, ohne dasss die von Euch erwartete pflegerische Tätigkeit leidet, erreichen, auch einmal in den OP zu gehen oder einer Herzkatheteruntersuchung beizuwohnen. An den Nachmittagen und in der Spätschicht - die im allgemeinen weniger arbeitsintensiv sind - stehen die Ausgabe von Kaffee und Kuchen sowie des Abendbrotes samt Hilfe bei der Körperpflege auf dem Programm, ihr könnt bei Verbandwechseln und kleineren Untersuchungen zuschauen. Weil weniger arbeitsintensiv, ist der Nachmittag zwar beliebte Arbeitszeit, aber als Praktikant kommt man in vielen Krankenhäusern nicht unbedingt in den Genuß, alle Woche einer anderen Schicht beizuwohnen und hier lernt man dann meist recht schnell, sich an den Dienstbeginn von 06.00 Uhr und das frühe Aufstehen zu gewöhnen.

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