Den Bakterien auf der Spur
Erfahrungsbericht Famulatur
Felix Reschke
Den Bakterien auf der Spur
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Schon im Mikrobiologiekurs im 5. Semester an der TU Dresden entdeckte ich mein Interesse für die Welt der Bakterien, Viren und Parasiten. Ich war von Infektionen, ihren Erscheinungsformen und den Bekämpfungsmöglichkeiten fasziniert und fasste den Entschluss, meine Doktorarbeit im Bereich der Mikrobiologie anzufertigen. Was lag da näher, als die nächste Famulatur auf einer infektiologischen Station zu verbringen?
Im Großraum Dresden und Ostsachsen ist die von PD Dr. Teichmann geleitete Station für Infektiologie und Tropenmedizin die einzige, die sich auf dieses Themengebiet spezialisiert hat. Dr. Teichmann, der einen MSc-Titel (Master of Science) für Tropenmedizin in London erworben hat und früher einmal für das Robert Koch-Institut gearbeitet hat, ist einer von zwei Ärzten in Sachsen, die eine Weiterbildungsbefugnis für die Zusatzbezeichnung “Infektiologie” haben. Diese Reputation überzeugte mich.
An der Schleuse
Zu Beginn meiner Famulatur erhielt ich zunächst eine kurze Einweisung in den Daten- und vor allem Infektionsschutz, meinen Spindschlüssel und meine Kleidung ausgehändigt und dann fand ich mich an der Schleuse der infektiologischen Station ein.
Generell ist vorgesehen, auf diese Station nur Patienten einzuweisen, die möglicherweise ansteckende infektiologische Erkrankungen haben. Daher ist die Station nur über eine Schleuse zu betreten und Patienten sind in Einzelzimmern mit Doppeltüren untergebracht. An die Station ist außerdem die Reise- und Tropenmedizinische Ambulanz, die Impfstelle für Tollwut und Gelbfieber sowie eine Immunschwächeambulanz für HIV-Patienten angeschlossen. Da die Station auch über videoüberwachte Räume verfügt und parterre liegt, wurden gelegentlich auch suizidgefährdete Patienten dort behandelt. Trotz der Sicherheitsvorkehrungen: Auf der Station herrscht ein sehr entspanntes Arbeitsklima. Während meiner Famulatur waren ein Oberarzt, zwei Internisten in infektiologischer Weiterbildung und ein PJler der Station zugeteilt. Die Krankheitsbilder der Patienten sind, trotz der sprichwörtlichen Reiselust der Sachsen nicht so exotisch, wie es der Name der Station zu versprechen scheint: Während meiner Famulatur wurde zum Beispiel nur ein einziger Malariapatient behandelt und mir wurde gesagt, ich hätte „Glück“, überhaupt einen zu sehen.
Es überwiegen Patienten mit Magen-Darm-Erkrankungen (vor allem mit Norovirus!), mit exazerbierten COPDs, mit Pneumonien und Meningitis. Es gab aber auch Fälle von Hepatitis, Lues und HIV.
Symptomen auf der Spur
Ich war vom ersten Tag an absolut ins Team integriert. Es gab keine sinnlose Hierarchie unter den verschiedenen Arzt- und Studentenrängen. Im Gegenteil: Man versuchte gemeinsam, gerade in ungeklärten Fällen, den mannigfaltigen Erregern der unterschiedlichen Symptomenkomplexe auf die Schliche zu kommen und diese adäquat zu behandeln. Echtes Teamwork! Als Famulus war ich vor der Visite für Blutabnahmen und das Legen von Venenverweilkanülen zuständig. Sollten hierbei einmal Probleme auftreten, half jeder mir gerne und ohne Murren. Die Visite dauerte einer Station der Inneren entsprechend relative lang, oft gar bis zur Röntgen-Konferenz gegen 12 Uhr. Nach dem Mittagessen konnte ich auf der Station noch Urinkatheter legen, Zugänge aufnehmen oder andere kleine Stationsarbeiten selbstständig erledigen. Auch die Befundung der EKGs war mir überlassen, wobei sich immer jemand fand, mit dem man den jeweiligen Befund noch einmal besprechen konnte. Während der Visite konnte ich Fragen zu jedem Patienten stellen und sollte auf der anderen Seite aber auch Patienten vorstellen, die ich selbst aufgenommen hatte. Oft wurde man auch von den Ärzten dazu ermuntert, selber eine Antibiotika-Therapie vorzuschlagen. Das Für und Wider der einzelnen Therapien wurde dabei ganz ungezwungen erklärt und diskutiert. Sollte einmal eine Pleura- oder Aszitespunktion vorgenommen werden, durfte ich als Famulus mitkommen. Hier durfte ich jedoch nicht selbst Hand anlegen. In der Impfambulanz hingegen durfte ich selbst Injektionen setzen.
Therapiegeschult
Die Famulatur auf der infektiologischen Station des Krankenhauses Dresden-Neustadt bietet einem weniger jene spektakulären Krankheitsbilder, die man in diesem Bereich vermuten würde. Wer jedoch schon immer mehr über die verschiedenen Antibiotika-Therapien wissen wollte und gerne in einem ausgesprochen freundlichen Team selbstständige Arbeiten verrichtet, anstelle den Ärzten nur über die Schulter zu schauen, ist hier für eine Famulatur gut aufgehoben!