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Vorfamulatur in Landsberg am Lech

Die richtige Wahl

Raphael Bruno

Vorfamulatur Lech

Nach etlichen Missverständnissen war ich nach dem Ende meines zweiten Semesters am Ziel. Ich bekam die Zusage für meine erste (und einzige) „Vorfamulatur“. Das größte Problem war, zu erklären, was ich eigentlich genau vorhatte. Daher beginne ich auch hier noch einmal mit einem kurzen biographischen Vorspann. Ich studiere Humanmedizin und war nach dem Ende meiner ersten Semesterferien mit dem Pflegepraktikum fertig. Dies lag vor allem daran, dass ich vor dem Studium etwas zu viel Zeit hatte, meine Rettungssanitäterausbildung stark in die Länge zog und länger als nötig im Krankenhaus blieb.

Der Weg zur Vorfamulatur


Nachdem ich also auch das zweite Semester hinter mich gebracht hatte, musste ich in den Ferien irgendwie um die Vorbereitung auf das Histologie-Eingangstestat zum dritten Semester herumkommen. Als effektivste Arbeitsvermeidungsstrategie schien es mir, mich kopfüber in die medizinische Praxis zu stürzen. Leider war mein Wissen über Chirurgie und Innere zu diesem Zeitpunkt noch sehr sehr überschaubar. Dafür hatte ich aber während meines RS-Praktikums eine Woche in der Anästhesie verbringen dürfen. An diese Erfahrung wollte ich anknüpfen. Dort kam es nämlich erstens mehr auf handwerkliches Geschick als große klinische Kenntnisse an und zweitens entsprach es meinem privaten Interesse für Notfall- und Intensivmedizin.
Anfangs wusste ich nicht, ob eine „Vorfamulatur“ rechtlich überhaupt möglich ist. Und wenn ja, ob so etwas erwünscht wäre.
Ich bewarb mich beim Klinikum Landsberg am Lech, einem kleineren Krankenhaus mit etwa 250 Betten. Ich bekam erstmal eine Absage, worin ich aufgefordert wurde, mich an die Pflegedienstleitung zu wenden. Nachdem ich klar gestellt hatte, dass ich kein Pflegepraktikum mehr machen wollte, hielt man mich für einen RS-Praktikanten. Nach drei Wochen eifrigen Briefwechsels griff ich zum Telefonhörer und rief in der Klinik an. Zu meiner eigenen Überraschung wurde ich ruck-zuck mit dem Chefarzt der Anästhesie verbunden (obwohl dieser im OP war!). Ich schilderte mein Anliegen und CA Dr. Meyrl fragte mich nur, wann ich denn vorbeikommen wolle. Ich plante zwei schöne Februarwochen ein.

Der erste Arbeitstag


An meinem ersten Arbeitstag unterschrieb ich einen Famulaturvertrag, in dem einfach ein kleines „Vor“ eingefügt wurde. Anschließend bekam ich zum ersten Mal in meiner medizinischen „Karriere“ einen Kittel, Hosen und so weiter. Im Laufe des Tages stellte ich aber enttäuscht fest, dass ich das neue Outfit aber nur brauchte, um von der Kantine zum OP und zurück zu kommen. Auf diesen Wegen stellte ich mich allen vor und wurde von Pflegern und Ärzten gleichermaßen freundlichen willkommen. Im OP selbst rotierte ich in den Sälen und konnte so möglichst viele Einleitungen* mitmachen. Zwischen diesen nahm sich jeder Anästhesist viel Zeit, mir die Medikamente zu erklären, die Unterschiede der Beatmungsarten und –parameter und einiges mehr. Verwirrend war, dass jeder über die Jahre einige eigene Kniffe im praktischen Vorgehen entwickelt hatte. So lernte ich an einem Tag vier verschiedene Methoden zum Legen einer Magensonde**. Besonders stolz war ich darauf, in der Königsdisziplin der Notfallmedizin, der endotrachealen Intubation, einige Erfahrung sammeln zu dürfen. So hatte ich in den zwei Wochen etwa zwanzig Mal erfolgreich und einige Male ohne Erfolg intubiert. Die Ruhe, Geduld und Erfahrung der Anästhesisten ermöglichte eine hervorragende Lernatmosphäre. Sie vermittelten mir die Sicherheit, jederzeit an die Profis abgeben zu können und setzen mich nie unter Zeitdruck.

Fazit


Ich denke, dass es viele Medizinstudenten gibt, die schon vor dem Studium viel im Krankenhaus waren. Ich möchte mit diesem Artikel zeigen, dass es Kliniken gibt, die einem auch in einem sehr frühen Stadium des Studiums gründlich ärztlich ausbilden, auch wenn es nur für zwei Wochen ist.