Wie war der Präpkurs?
Ronald I.
Der Präpkurs ist sicherlich DAS Highlight der vorklinischen Ausbildung: denn hier lernt der angehende Mediziner den Aufbau des menschlichen Körpers bis in das letzte Detail kennen. Wir waren neugierig, wie Studenten hierzulande den Präpkurs erlebt haben. Lies unsere Interviews, die dir einen Einblick in die Erfahrungswelt junger Mediziner liefern.

1. Kannst du dich noch an den Augenblick und die Szene erinnern, als du den Präp-Saal zum ersten Mal betreten hast? Wie sah das aus und was ging dabei in dir vor?
Wir hatten im 1. Semester vor dem eigentlichen Präp-Kurs einen Kurs, in dem Knochen erläutert wurden. D.h. wir waren an den Präpsaal schon gewohnt. Am ersten Tag des Präp-Kurses sah es nicht wesentlich anders aus, nur dass auf den Metalltischen große blaue Tüten lagen; die Leichen waren so nicht zu sehen und wurden erst vom Tischdozenten ausgepackt.
2. Hast du auch im Vorfeld vor dem ersten Termin des Präp-Kurses schon vermehrt an das „Erste Mal Präppen“ gedacht? Habt ihr in der Vorlesung dieses Thema ausführlicher behandelt?
An eine gezielte Vorbereitung in der Vorlesung kann ich mich nicht erinnern. Ich war vor dem ersten Präp-Termin schon aufgeregt aber nicht lange Zeit davor.
3. Mit welchen Erwartungen bist du in den Präp-Kurs gegangen? Wurden Sie erfüllt oder eher enttäuscht?
Erwartet habe ich die Struktur des menschlichen Körpers zu erlernen. Leider lief mein Präp-Kurs sehr unorganisiert ab (Übergangssemester zwischen alter und neuer AO; sehr unerfahrene Dozentin), so dass es sehr schwer war, einen Überblick zu bewahren.
4. Was war in deinen Augen das absolute Highlight des Präp-Kurses, an das du dich noch heute erinnerst?
Die Präparation der (Bauch-) Organe fand ich sehr spannend. Allgemein all das plastisch zu sehen, was man im Atlas ja nur zweidimensional sieht, ist sehr interessant.
5. Welches Themengebiet fandest du am schwierigsten zu lernen?Den Kopf-Hals-Bereich fand ich ziemlich schwierig.
6. Was hat dir beim Präppen am meisten Spaß gemacht?
Die Präparation der Bauchorgane fand ich super spannend.
7. Und im Gegenzug: was fandest du beim Präp-Kurs am unangenehmsten?
Das Aufräumen am Ende. Insbesondere die große Tonne, in der alle Reste landeten und die sehr unangenehm roch.
8. Wie häufig und wie lang fand der Präp-Kurs statt?
Dreimal pro Woche - jeweils 3 Stunden
9. Konnten am Präp-Nachmittag alle gleichzeitig und im Team präparieren oder ging das abwechselnd?
Während der Präp-Vormittage war 1 1/2 Stunden die eine Hälfte und die anderen 1 1/2 Stunden die andere zum Präppen eingeteilt, aber gegen Ende wurde das nicht mehr so streng gehandhabt.
10. In welcher Form und Häufigkeit mussten Testate und Prüfungen absolviert werden?
Im 2. Semester: 1. Situs 2. Bein und Rücken 3. Kopf-Hals und Arm und im 3. Semester die Neuroanatomie.
11. Der Umgang mit Leichen ist sicher für einen Anfänger nicht leicht. Hattest du hier auch im weiteren Verlauf noch Probleme oder hast du dich einfach dran gewöhnt?
Ich habe mich recht schnell dran gewöhnt und auch als Hiwi im Präp-Kurs weitergearbeitet.
12. Wurde über die Herkunft der Personen und den nötigen Ablauf, sich der Lehre und Wissenschaft z.B. für den Anatomie-Kurs zur Verfügung zu stellen, gesprochen?
Ja, mehrfach.
13. Gab es nach dem Ende des Präp-Kurses eine Art Trauerfeier, an der auch die Präp-Kurs-Studenten teilnehmen konnten? Falls ja: was ging dabei in dir vor, woran hast du gedacht und welche Bilder stiegen in deinem Innern auf?
Ja, es gab eine von der Uni organisierte Trauerfeier. Sie war sehr respektvoll und schön gestaltet. Ich hatte allerdings kein gutes Gefühl als die Angehörigen an uns Studenten vorbei aus der Kirche gingen. Sie waren sehr in ihre Trauer vertieft und sicherlich von der Masse von nicht persönlich trauernden Menschen überfordert.
14. Würdest du gerne den Präp-Kurs noch einmal absolvieren (weil es so großen Spaß machte und interessant war) oder bist du der Ansicht "Einmal genügt".
Ich würde den Präp-Kurs in der Form, in der ich ihn hatte (Übergangssemester zwischen alter und neuer AO) nicht noch mal machen. Inzwischen hat meine Uni die Struktur aber deutlich verbessert und, da ich den Kurs allgemein sehr interessant fand, habe ich ihn als Hiwi auch weitere 3 Semester noch mal gemacht.
15. Welche Tipps würdest du Studenten geben, die den Präp-Kurs noch vor sich haben?
Es einfach auf sich zu kommen lassen und sich eingestehen, dass es anfangs eine merkwürdige Situation ist! Parallel zum Kurs (und nicht nur für die Testate) lernen und vor allem im Team an der Leiche lernen!
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