Vorklinische Studenten aufgepasst: Ihr könnt die Webseiten zu den Vorklinik-Fächern von MEDI-LEARN mit neuem Leben füllen. Um was geht es? Wir möchten gerne unseren redaktionellen Bereich zu allen vorklinischen Lehrfächern mit Originalstatements und „Live-und-in-Farbe“-Äusserungen aus Studentensicht ergänzen. Zu diesem Zweck startet MEDI-LEARN eine große Interviewoffensive, die sich ganz dem universitären Unterricht auf dem Weg zum Physikum widmet. Wie liefen die Vorlesungen ab? Was fand im Kurs/Praktikum statt? Wie waren Klausur und Testat? Und was gibt es über das Seminar zu erzählen?
Frederike berichtet uns in folgendem Interview von ihren Erfahrungen im Fach Chemie an der Charité Berlin.
Wähle das Fach deiner Wahl, zu dem du berichten möchtest!
Zu welchem Fach möchtest du etwas berichten? Bitte wähle aus folgenden Fächern eines aus, zu dem du dann in den weiteren Fragen des Interviews Stellung nimmst: Anatomie, Physiologie, Biochemie, Psychologie, Biologie, Physik, Chemie, Histologie. Worum dreht es sich bei dir und an welcher Uni studierst du?
Chemie an der Charité.
Abschnitt A: Die Vorlesungen
Wie waren die Vorlesungen in diesem Fach gestaltet? Lohnte sich der Besuch oder hattest du eher den Eindruck, dass du auch ohne Professor mit dem Lehrbuch alleine besser klar gekommen wärest?
Vorlesung fand einmal die Woche vormittags 90 Minuten statt. Wie vermutlich bei allen Naturwissenschaften kommt es darauf an, in wieweit man über Vorkenntnisse verfügt. Ich hatte bis dato z.B. noch keine Organik gehabt, von daher eher sinnvoll.
Was fandest du an den Vorlesungen besonders gut? Was war deiner Meinung nach eher verbesserungsfähig? Wurden moderne Medien genutzt?
Gut empfand ich an der Vorlesung, dass sie klar strukturiert war und dies trotz unterschiedlicher Dozenten auch so durchgezogen wurde. Verbesserungsfähig wäre, dass einer der Dozenten schlecht verständlich war. Jedoch insgesamt keine groben Sachen. Die Vorlesung wurde mittels Powerpoint abgehalten.
Wurden die Studenten in die Vorlesung aktiv miteinbezogen? Gab es Patientenvorstellungen?
Nein.
An welches Erlebnis aus der Vorlesung denkst auch jetzt noch besonders gerne zurück? Und umgekehrt: was war eher unschön, so dass du es lieber vergessen würdest?
Ich war erleichtert darüber, dass für mich nur ca. die Hälfte des Stoffes (Organik) neu war, obwohl ich Chemie nur bis zur 11. Klasse hatte.
Gab es eine Vorlesungspflicht, die auch kontrolliert wurde?
Nein, die gab es nicht.
Hat dir die Vorlesung insgesamt eher gefallen oder eher missfallen? Warum?
Insgesamt empfand ich die Vorlesung als eher positiv.
Abschnitt B: Kurs bzw. Praktikum
Widmen wir uns dem zweiten Teil Unterrichtstyp: dem Kurs bzw. Praktikum. Wie war der Kurs in diesem Fach aufgebaut und wie lief es ab? Wie viele Stunden? Über wie viele Semester und wie oft in der Woche? Wie groß waren die Kursgruppen?
Wir hatten im ersten Semester fünf Praktikumstermine á ca. 4h. Aufgebaut war ein Termin aus Testat, Vorbesprechung, Versuche, Nachbesprechung. Unsere Seminargruppe (ca. 25 Leute) wurde auf zwei Räume verteilt. Die Versuche wurden in zweier Gruppen durchgeführt.
Und wie lief das ganze praktisch ab? Was habt ihr im Kurs gemacht?
Zuerst hatten wir ein Testat, bei dem man min. 60% erreichen musste. Anschließend wurden die Versuche noch mal durchgesprochen. Danach ging es dann erst in die Praktikumsräume. Am Ende wurden die Ergebnisse noch mal mit den Tutoren besprochen und man bekam die Testatergebnisse zurück. Daheim musste man dann noch die Versuchsprotokolle vervollständigen.
Was hat dir am Kurs besonders gefallen, so dass du des loben möchtest? Welche Szene ist dir auch heute noch lebhaft vor Augen?
Ich fand es gut, dass man durch die Testate gezwungen war sich auf die Versuche vorzubereiten. Zudem fand ich es gut, dass das Praktikum auf relativ wesentliche Versuche beschränkt war und es nicht so viel Zeit in Anspruch nahm wie an einigen anderen Unis.
Hat der Kurs/das Praktikum dir insgesamt eher gefallen oder eher missfallen? Warum?
Insgesamt empfand ich das Praktikum als eher gelungen. Schlecht fand ich, dass wir aufgrund der Kläger das Praktikum Freitag nachmittags hatten, obwohl es eigentlich für Mittwoch geplant war. Hätten die doch den blöden Termin bekommen sollen.
In welcher Form wurden während des Kurses die „lästigen“ Testate und Klausuren abgehalten? Waren dir Prüfungen in der Regel machbar oder schon „dicke“ Brocken? Wie lange dauerten die Prüfungen und wie oft wurde geprüft. Wie lange musstest du für die Prüfung/Testat im Kurs lernen?
Zu jedem Praktikumstermin gab es ein Antestat. Das konnte man jedoch leicht bestehen, wenn man das Praktikumsskript gelesen hatte. Für die die es trotzdem nicht geschafft hatten gab es mündliche Nachtestate an einem anderen Termin. Dadurch konnte letztendlich jeder zur Klausur zugelassen werden. Am Ende des ersten Semesters gab es dann die Chemieklausur. Ganz ohne war diese nicht. Man musste sich also schon gut darauf vorbereiten. Allerdings gab es Altklausuren, die einem schon mal die Richtung in die es geht aufzeigten. Im ersten Versuch hatten dann 60% bestanden. Die erste Wiederholungsklausur war jedoch schon direkt eine Woche später. Blöd für die die da durchgefallen sind, da der Chemieschein fürs Biochemiepraktikum Voraussetzung war (Hat sich aber inzwischen geändert).
Abschnitt C: Seminar
Schließlich kommen wir zum dritten Baustein der universitären Lehre: dem ergänzenden Unterricht in Form eines Seminars. Kannst du einem außen stehenden beschreiben, was er sich unter einem Seminar vorstellen kann?
Offiziell gibt es kein Chemieseminar. Allerdings sollte das Basisseminar Biochemie dazu dienen uns auf die Chemieklausur vorzubereiten. Es sah dann letztendlich wie ein etwas vertiefender Unterricht zur Vorlesung aus.
Was habt ihr gemacht? Wie lief es ab?
Zu Beginn gab es wie beim Praktikum auch wieder ein Testat über das Thema das behandelt wurde. Danach gab es ein bis zwei Referate. (Jeder musste während dem Semester ein Referat halten) Dann wurde der Stoff durchgesprochen. Am Schluss gab es dann noch Rechenaufgaben wie sie in der Klausur dran kommen könnten. Bei der Besprechung der Aufgaben konnte man allerdings auch schon früher gehen, je nachdem ob man damit schon alleine zurecht gekommen ist oder nicht.
Und auch hier wieder die Frage, was dir besonders am Seminar gefallen hat und auf was man – andersherum betrachtet – getrost verzichten kann?
Unser Dozent war sehr engagiert und wollte uns wirklich etwas beibringen. Da Chemie im ersten Semester für viele eine Hürde ist fand ich das Seminar sehr sinnvoll. Für die Leute mit Chemie LK dürfte es dagegen eher langweilig gewesen sein.
Hat dir das Seminar insgesamt eher gefallen oder eher missfallen? Warum?
Ich fand das Seminar gut. Da ich Chemie an der Schule nicht so lange hatte war es eine gute Gelegenheit die Organik zu vertiefen. Zudem war man durch die Testate gezwungen am Ball zu bleiben.
Musstest du Referate halten? Wie bist du mit dem Lampenfieber umgegangen?
Jeder musste während des Semesters einmal ein Referat über ca. 10 min halten. Da es vor einer eher kleineren Gruppe (ca. 25 Leute) war und keinem der Kopf angerissen wurde wenn etwas falsch war war es nicht schlimm.
Gab es eine Klausur oder Prüfung? Wenn ja, wie schwer war sie?
Es gab am Ende des ersten Semester eine Klausur zum Seminar. Der Stoff war relativ ähnlich zur Praktikumsklausur, jedoch mit einem etwas deutlicherem Schwerpunkt auf Organik. Durchgefallen sind denke ich ein paar weniger als bei der Chemieklausur. Zudem waren die Wiederholmöglichkeiten besser (erst am nächsten Semesterbeginn). Des weiteren hat man die Klausur nicht für weitere Kurse als Voraussetzung benötigt.
Abschnitt D: Haben wir was vergessen?
Abschließend hast du die Gelegenheit auf diejenigen Punkte einzugehen, die du noch für erwähnenswert hältst, die wir aber in den Fragen nicht angeschnitten haben. Was gäbe es aus deiner Sicht noch zum Fach zu berichten?
Man muss such wegen Chemie nicht verrückt machen. Bei uns ist deswegen niemand rausgeflogen.
Der Organikteil des gerne empfohlenen Horns ist meines Erachtens sehr misslungen. Da lohnt es sich vermutlich andere Bücher anzuschauen.