Studieren in Berlin

5. Februar 2010 geschrieben von frank

DSC00566Es soll ja Länder und Städte geben, da bekommen die Studenten den größten Respekt, die sich ihre Tränensäcke am öftesten wie einen Schal um den Hals wickeln können. Ja, und es gibt Berlin. Hier ticken die Uhren etwas anders. Hier strebt man den Look des 08/15-Mitte-Elektro-Hippies an. Hier wird folgender “Normal-Typ” von Student respektiert: Er kommt, meistens jedenfalls, aus einem schwäbischen Kuhkaff. Entwickelte mit 16 Jahren ein Faible für die “Subkultur” in Berlin und wollte nach dem Abi nichts sehnlicheres als nach Berlin. Hier bezieht er eine Kreuzberger Altbauwohnung mit Dielen, Kohleofen und Paul Kalkbrenner-Poster am Scheißhaus. Auf seinem Messenger Bag kleben Billy Talent- und Che Guevara-Buttons.

Optimalerweise lernt dieser Typ nie, kennt die besten untergrundigen Party Locations in der Stadt – und erzielt trotzdem Höchstleistungen in der Uni. Leute, die nach 18.00 Uhr noch lernen, bezeichnet er dann als “krank”. Am Wochenende trifft man ihn auf Flohmärkten, in der linken Hand ne Flasche Bionade, in der rechten ne Tofu-Bratwurst aus ökologischem Anbau.

Ich liebe diese Stadt! :D (Und das mein ich ernst.)

Ernüchterung

15. Januar 2010 geschrieben von frank

DSC00625Vor dem Studium spuckt man ja gerne mal große Töne. Jetzt kommt die Ernüchterung. In ca. zwei Wochen stehen die Semester-Abschluss-Klausuren an: Fünf Stück in einer Woche. Und schon jetzt kann ich ein erstes Fazit ziehen. Zuallererst ist da sie Sache mit dem Frust und Stress. Jeder sagt ja mal gerne, dass er gestresst ist, von irgendetwas oder irgendjemandem gefrustet ist. Aber wie sich Frust wirklich anfühlt, das wusste ich vor dem Studium nicht wirklich. Es fühlt sich in ungefähr so an: Man lernt viele Stunden am Stück, es geht mühsam voran. Und irgendwann nachts stellt man fest, dass man alles bisherig gelernte schon wieder vergessen hat. O.k., macht man halt ne kurze Pause und arbeitet danach mit dem Stoff eines anderen Fachs weiter. Man ist motiviert, möchte lernen und sich das Zeug reinfressen. Aber nach stundenlangem Pauken stellt man dann ernüchternd fest: Es geht nichts mehr in den Kopf rein. Man ist doch aber motiviert, also macht man weiter und weiter. Die Konzentration ist da schon auf einem Nullpunkt, die Motivation hoch. Verzweiflung. Und wenn Kommilitonen am nächsten Tag alles perfekt aufsagen können, nachdem sie es sich locker durchgelesen haben, dann ist das Frust.

Gefrustet bin ich nicht mehr. Im Verlaufe des ersten Semester habe ich mir einfach eine Struktur erarbeitet, bin besser organisiert. Und jetzt kommen die Prüfungen. Chemie, Biochemie, Histologie, Physik, Genetik. Jeden Tag viele Stunden in der Bibliothek. Fakten verstehen, einprägen und als gefährliches Halbwissen behalten. Solange der Frust wegbleibt, ist das lange Lernen sogar erträglich, erfüllend. Man kann einen Sinn darin erkennen. Und wer brüstet sich nicht gerne damit, beschäftigt zu sein?

Der reinste Horror für unsere kleine Lerngruppe ist aber Chemie, die Lehrveranstaltungen dazu der größte Witz überhaupt. Da wurden wir in unserer kleinen Lerngruppe doch letztens wirklich in der Bibliothek gefragt, ob wir Chemie studieren würden. Die Naturwissenschaften im Allgemeinen werde wohl für einige ausschlaggebend sein, das Studium nach diesem Semester zu beenden. Das AdH an der Charité ist ja für naturwissenschaftlich-orientierte Abiturienten ausgelegt. Dementsprechend hat der Großteil der Studenten damit keine Probleme – und die Lehrenden müssen sich keine Mühe geben. Fraglich bloß, warum andere Universitäten nicht gleich den kompletten Oberstufenstoff von Chemie, Physik und Bio durchnehmen müssen.

Wie ihr seht: Ich hab mir schon eine medizinische Eigenschaft zugelegt: Rumjammern :D Aber genug gelabert, jetzt gehts in den Endspurt!

Endlich Auswendiglernen

1. Dezember 2009 geschrieben von frank

DSC00604Die Anatomieklausur über Allgemeine Anatomie ist geschafft, also bestanden. Ich hatte irgendwie viel zu viel gelernt und die Fragen waren relativ allgemein gehalten, aber irgendwie wird sich das überschüssige Wissen schon noch rentieren. Anstatt der makroskopischen Anatomie haben wir jetzt die Mikroskopische. Ganz tolle Sache: Da blick ich überhaupt nicht durch. Macht in etwa so viel Spaß wie einen Teelöffel Mehl zu essen. Aber damit fang ich sowieso erst am Wochenende an.

Am Freitag steht nämlich erstmal die Termiklausur auf dem Plan. Und ich hasse Termi. Ich versuche mir, wie ein Irrer die Vokabeln reinzuprügeln. Aber es geht nicht so wirklich. Und das schärfste: In den Texten sehen die Vokabeln dann wieder ganz anders aus. Die muss man dann erstmal erkennen können. Als ob das beknackte Fach später noch ne Rolle spielen würde… Aber naja, nach dem “schönen” Lernen tausender Knochenstrukturen usw. kann ich jetzt endlich auswendiglernen! Ich liebe Karteikarten, die machen so schöne Rauschgeräusche beim Umdrehen. Fast wie am Meer!

Es geht los…

2. November 2009 geschrieben von frank

DSC00593Ja nun, jetzt ist das erste Semester für mich losgegangen. Und zwar wie: In der ersten Woche hab ich jeden Tag ans Exmatrikulieren gedacht. Da ist wohl leichte Panik ausgebrochen. Viele Fächer, viel Stoff und eine Lernschwäche nach einem Jahr Lernpause nach dem Abi. Am ersten Tag hab ich eine halbe Stunde für fünf Vokabeln zum Auswendiglernen gebraucht. Mittlerweile bin ich wieder auf einem guten Niveau. Da merkt man schon, dass man sein Hirn trainieren kann.

Trotzdem mach ich mir irgendwie weiterhin viel Druck, vielleicht auch unnötig. In drei Wochen steht die erste Anatomieklausur an, von der jeder sagt, dass sie ziemlich einfach wäre. Naja, so wohl fühl ich mich trotzdem nicht. Dann kommt eine Woche später gleich die Terminologie-Klausur, für die ich rund 1000 Vokabeln mit den Deklinationen auswendig lernen darf. Und ständig hab ich das Gefühl, zu wenig gemacht zu haben. Und selbst wenn ich den ganzen Tag mit Medizin verbringe, kann ich abends/nachts wohl kaum behaupten, effektiv viel erreicht zu haben. Einziger Trost in der Uni-Bibliothek: Der Ausblick über Berlin! Zum Glück hab ich ein paar Leute gefunden, die mich wieder auf den Boden bringen, wenn ich zu hysterisch werde :p

Morgen wirds mal wieder ein schöner Tag, mit Uni von 8-20 Uhr, weil ich wegen mangelnder Chemie-Kenntnisse ein Tutorium besuche. Dort betoniert einem ein Student aus einem höheren Semester das rein, was man in den Vorlesungen nicht kapiert. Ja, und jetzt mach ich mich mal schnell wieder ans Vokabellernen ran, damit ich vorm Schlafengehen Gelenke wiederholen kann.

Die OE-Woche: Das Studium beginnt

16. Oktober 2009 geschrieben von frank

DSC00587So also jetzt ist die OE-Woche (Orientierungseinheit) an der Uni auch schon fast vorbei. Morgen noch durch die OE-Party trinken, dann darf das Studium beginnen. Was ist bis dahin passiert? Fächer wurden vorgestellt, ein Dutzend Pappkarten (für Plastikchipkarten ist Berlin zu arm, dafür aber sexy) ausgeteilt und Campustouren veranstaltet. Gestern fand dann noch das OE-Kabarett statt – einfach auf youtube nachschlagen, es war köstlich!

Ansonsten haben sich ein paar Leute von uns eigentlich fast jeden Abend in irgend einer Kneipe getroffen. Noch ein letztes mal Alkohol einnehmen, einatmen, bevor die Vorlesungen losgehen. Traurig nur: Ich gehöre zu der Gruppe, die immer bis zum Schluss bleibt. Den Campus find ich schonmal sehr schön, kein Vergleich zu staatlichen Schulen in Berlin. Die Mensa ist billig und hübsch. Ein Schweinebraten kostet 1,20 Euro. O.k., Kartoffeln als Beilage noch extra 50 Cent!

Ich gehöre ja zu den Leuten, die in Schubladen denken. Ich muss alles irgendwie zuordnen können! Gerade bin ich noch dabei, unser Semester in typische Medizinstudenten zu unterteilen. Ich denke aber, dass ich damit noch warten muss, bis ich noch mehr kenne. Bis jetzt ein paar Stichwörter: Zwei prallvolle Stofftaschen von Lehmanns am zweiten OE-Tag (300 Euro Bücherkauf), Lacoste-Polohemden, Tommy-Hilfiger-Pullis, 17-40-50-jährige Studenten, Chiller, Streber, Säufer, Alternative. Also eigentlich ist alles vertreten! Ich halte weiterhin die Augen offen!!

Kurz vor Studienbeginn: Das Leben genießen

8. Oktober 2009 geschrieben von frank

DSC00581Schon das Polizisten-Arschloch in “Reservoir Dogs” wusste es: “Es sind die Kleinigkeiten, die eine Geschichte interessant machen.” Das gilt fürs Studium auch! Vier Tage vor dem Beginn der OE-Woche interessieren mich ganz andere Sachen als Studieninhalte. Zum Beispiel unsere E-Mail-Adresse. Da bekommt doch wirklich jeder Student ein Konto nach dem Muster: vorname.name@charite.de. Das pumpt das Ego auf (würklich!). Auch wenn der Name des Krankenhauses etwas demoliert ist – besser als jegliche andere Uni E-Mail-Adresse: @mail.ch-tu.berlin.de (oder so) sieht einfach kacke aus!

Andere Kleinigkeit: Der Semesterverteiler. Ständig schwirren E-Mails von neuen Partys rein. Der Semesteranfang war für mich jedenfalls schon ein voller Trinkerfolg. Erst gestern waren wir als kleine Medizin Ersti-Gruppe bei einer schlagenden Studentenverbindung. Da gabs Gegrilltes und – noch viel wichtiger – Bier umsonst. Also Fleisch reingepresst und danach mit ein paar Krügen Bier runtergespült. Das schönste an so Verbindungen sind die Klos. Da gibts: Scheißhaus für die großen Geschäfte, Pissoir für die kleinen – und einen Papst (mit zwei Henkeln an der Seite zum Festhalten): zum reinkotzen. Ich hab zwar kein Interesse daran, in so ne Verbindung einzutreten. Geil wars trotzdem! Und natürlich haben wir uns dann betrunken Säbelduelle im Mensurenkeller geliefert (nicht wirklich).

Ja, ansonsten gibts wohl doch nicht zu viel zu erzählen. Ich bin schon gespannt, wie und ob uns der Lernstoff in den ersten Wochen des Semesters überwalzen wird. Ich zieh mich dann notfalls in meine Hütte zurück.

So suche ich mir einen Job

25. September 2009 geschrieben von frank

DSC_0030Also bis das Studium beginnt, sind noch ein paar Tage. Und weil ich eben Zeit hab und mir überlegt hatte, einen Job auch während des Studiums auszuprobieren, suche ich mir eben jetzt einen Nebenjob. Erste Station: Stinknormales Krankenhaus, Anstellung als Sonderwache. Ich darf erstmal drei Tage hospitieren – quasi Einarbeitung. Ich komme am ersten Tag an. Es schwirren rum: Drei Praktikanten, ein Zivi, zwei Pflegeschüler. Es gibt nichts zu tun. Nächster Tag: Eine Schwester soll mich endlich einarbeiten. Was macht sie? Sie zieht ihr Ding (ihren Dienst) so schnell wie möglich durch (möchte heute noch zum Abenteuerspielplatz!) und zeigt mir ungefähr nichts. Ich versuche sie zu fragen, was wie wo und bla zu dokumentieren ist, sie bleibt stur. Am nächsten Tag das gleiche. An diesen zwei Tagen hab ich soviel Ärsche gewischt wie noch nie in meinem Leben. Und dann das Resultat der Schwester: Ich wäre keine Entlastung, sorry. Such dir was anderes. Die kann mir auch mal den Damm lecken.

In ein paar Tagen hab ich dann ein Vorstellungsgespräch für ne Anstellung als Sitzwache. Das muss klappen! Sitzen kann ich, Doppelschwör. Und dank der Gewinnausschüttung des BAföG hab ich jetzt auch wieder ein bisschen Kohle, um mir die letzten Tage vor der OE zu versüßen. Gleich am Montag gehts wieder aufs Wasser Segeln mit einem ehemaligen Schulkollegen.

Ja und das Bild oben zeig ich euch, weil mir sonst keins eingefallen ist, das passen könnte. Schön: Diese unendliche Weite mit einem Hochhaus am Ende.

Umzug nach Massiv-City

17. September 2009 geschrieben von frank

DSC00574Vor ner Woche bin ich umgezogen: Ins harte Wedding, nach Massiv-City. Deswegen hab ich jetzt kein Internet und muss diesen Blogeintrag mit der Internetleitung irgendeines Nachbarn bestreiten. Die ist aber ziemlich wacklig, weshalb ich kleine Pausen zum Beten einlege. Ich hab nur ein weiteres Hobby neben dem Beobachten des Ladebalkens im Firefox: Windows beim Defragmentieren zuschauen. Aber eigentlich auch egal, das mit dem Internetz. Schließlich war ich die letzten drei Wochen mit einem Kurs segeln. Und weil morgen die praktische Prüfung ist, war ich gestern nochmal in einem Vorbereitungskurs mit richtig schön viel Wind und Böen usw. Das arme Mädchen, das mit mir segeln musste, hatte am Ende des Tages völlig zerstörte Hände vom Schoten dichtholen. Ich hatte mit Handschuhen und Hornhaut vorgesorgt.

Die Brühe dort oben auf dem Bild liegt übrigens bei den Steganlagen des Uni-Bootshauses. Das stinkt sowas von eklig, dass alles aus ist. Der Wind treibt die Algen und den ganzen Dreck Berlins in diese kleine Bucht, mit ner Kneipp-Kurpackung hat das nichts zu tun. Wegen der Sonne und der dicken Konsistenz trocknet das auch noch und bildet bläuliche Krusten auf der Oberfläche. Ja, und ratet mal, wie lange man braucht, bis man die Farbe aus den Klamotten gewaschen hat – drölfzig Stunden. Und sich einzusauen ist unvermeidlich, weil die Boote nach jedem Ausritt wieder aus dem Wasser gekarrt werden müssen.

Immatrikuliert und hart am Wind

23. August 2009 geschrieben von frank

DSC00569Yeah, ab jetzt kann ich behaupten: Ich studiere Medizin. Und es stimmt sogar auch noch. Am Donnerstag hab ich mich immatrikuliert. Und weil ich zur gleichen Zeit eigentlich Segelkurs hatte, stand ich schon eine halbe Stunde vor Immabeginn vor dem Hörsaal. Kurz noch mit der scharfen Kantes eines Prospekts gelangweilt die bröckelnde Farbschicht von der Wand gepult. Dann: Unterlagen abgeben, damit ich so schnell wie möglich zum Segelkurs aufschließen konnte. Die waren natürlich schon auf dem Wasser, sodass ich das Ufer entlang gelaufwandert bin, bis mich das Motorboot aufgegabelt hat.

Semesterticket leicht überteuert
Dann erstmal nen Schlag bekommen: 250 Euro kosten die Semestergebühren, also inklusive Ticket für die Öffentlichen usw. Wer soll das zahlen? Ein Job muss her. Eine Bewerbung als Extrawache hab ich schon abgeschickt, morgen telefonier ich noch ein paar andere Krankenhäuser an. Irgendwas muss ich ja machen :p Mal sehen, wie sich das so mit dem Studium vereinbaren lässt.

Wen hab ich bei der Einschreibung alles gesehen? 10 meiner neuen Kommillitonen (ich hasse das Wort)! Vielleicht werd ich sie nochmal sehen, denn: Wir werden in Gruppen zu 20 Leuten eingeteilt, die dann bis zum Physikum schön zusammenbleiben und gemeinsam ihre Praktika usw. machen dürfen. Eigentlich hatte ich nach den Abiprüfungen gegröhlt: Nie wieder Schule – naja.

Umzug noch!
Achja, in einer Woche ziehe ich um. Ins wilde Wedding! Irgendwie kein Bock mehr auf meine jetzige WG. Im Erdgeschoss wohnen heißt: Kalt, dunkel, mufflig, feucht. Halt einfach scheiße! Jetzt gehts mit meinem Bruder eine S-Bahn-Station weiter in eine schöne 2-Zimmer-Wohnung. Ich freu mich schon jetzt darauf, die Möbel ins dritte Stockwerk zu schleppen.

Achja, das da oben auf dem Bild sind Segelhandschuhe. Braucht man nicht wirklich, sieht trotzdem profimäßig aus. Naja, und man bekommt keine Hornhaut. Die Dinger stinken jetzt aber auch schon, weil die Havel in Berlin irgendwie nicht so sauber ist.

Neues Design: ZVS-Zulassungsbescheid

14. August 2009 geschrieben von frank

Picture 3So in etwa sieht ein Zulassungsbescheid der ZVS aus. Eigentlich heißt das: Juhu, zugelassen! Aber halt, gegen die ZVS muss trotzdem geschimpft werden. Da müht man sich einen ab und klotzt wie blöde ran, schwitzt sich beim Reinwerfen der Bewerbung in den Briefkasten einen ab. Und dann das: Ein hässliches Stück Papier.

Deshalb hab ich exklusiv einen eigenen, viel besseren Zulassungsantrag entworfen. Ich habe ihn mit einem MacBook in einem Straßencafé in Prenzlauer Berg erarbeitet. Verpflegung: Ruccola-Bagel + Latte Macchiato, Größe: Grande Latte. Die perfekte Grundlage für kreative Selbständige. Hier ist er:

annahme