So, da bin ich wieder. Verbal zwar sehr stark eingeschränkt (bekomme den Mund kaum auf und soll sowieso wenig sprechen) – aber hier muss ich ja zum Glück nur tippen…
Die OP gestern verlief so weit ganz gut – wahrscheinlich sind Medizinstudenten die furchtbarsten Patienten, die man haben kann. Nachdem ich in der Stunde Wartezeit zwischen geplantem Termin und wirklich durchgeführter OP dem Wahnsinn schon sehr nahe gekommen war und mir über so ziemlich alles was eintrffen könnte Gedanken gemacht hatte, verlief die präoperative Aufklärung dann eher mangelhaft. Es gab keinen Vordruck, sondern der von mir im weiteren liebevoll MKGCh (Mund-Kiefer-Gesichtschirurg, oder auch bekannt als Metzger für Kau-, Gesichts- und Chmerzprobleme) genannte Arzt nuschelte mir die Risiken und Nebenwirkungen im Steno-Tempo zu, während er sie simultan auf einen abgerissenen Schmierzettel kritzelte. Wohlgemerkt in schönster Chirurgenhandschrift – ich bezweifle stark, dass das auch nur irgendein Mensch auf dieser Welt hinterher lesen kann. Gekrönt wurde das ganze dann von der Frage “Verstanden?!” Nebst “Hier unterschreiben!” während der MKGCh neben das daruntergekritzelte X wies. Aha. Gut, dass ich eh schon weiß was mich erwartet… Meinen Unterkiefernerv wird er wohl hoffentlich nicht anritzen, auch wenn das böse Zähnchen verdammt nah dranliegt… Auf die Frage nach der Dauer der Antibiotikaprophylaxe hinterher gabs dann die lapidare Antwort, das wisse er auch nicht – die Pharmaindustrie würde schließlich stündlich (wtf?!) die Tablettenanzahl der von ihm verschriebenen Packungsgrößen verändern – ich solle einfach so lange nehmen, bis die Schachtel leer sei.
Nunja… durch Zufall weiß ich mittlerweile von einem befreundeten Apotheker, dass Clindamycin N1 schon sehr, sehr lange 12 Tabletten enthält.. Demzufolge 3 mal täglich = 4 Tage…. Okay. Aber Chirurgen werden ja auch fürs Schneiden bezahlt und nicht fürs Verschreiben von Medikamenten, sonst wären sie ja auch Internisten geworden… *boshaft grins*
Überhaupt hat mein Aufschneider recht wenig mit mir gesprochen – war mir dann ab OP-Saal aber auch eigentlich relativ egal, da wollte ich sowieso nur noch meine Dormicum-Spritze i.v. haben
Für die Nicht-Mediziner unter uns: Dormicum (Wirkstoff Midazolam) ist ein Benzodiazepin, dass leicht sedierend und angstlösend wirkt und zudem eine anterograde Amnesie zur Folge hat – d.h. man kann sich nicht mehr merken, was mit einem passiert und sich hinterher demzufolge auch nicht mehr genau daran erinnern… Für mich persönlich hat es sich angefühlt wie ein entspanntes Nickerchen, als ich wieder wachgeworden bin war die OP vorbei.
Vorteil: Man ist zwar sediert, atmet aber selbstständig weiter (braucht also nicht intubiert zu werden) und ist “ansprechbar”, auch wenn man davon nicht viel bzw. gar nichts mitbekommt. Außerdem ist es irgendwo faszinierend, nach dem Kommando “so jetzt wirds mal kurz schwindelig” völlig entspannt wegzudämmern und sich hinterher nicht mehr an viel erinnern zu können
Nachteil: Es besteht ein (geringes) Risiko einer Atemdepression – und natürlich bei häufiger Anwendung auch das einer Abhängigkeit. Aber für eine einmalige Anwendung ohne weitere Risikofaktoren alles eher kein Problem. Für kleine Angsthasen wie mich also genau das Richtige!
Nach der OP gings dann erst mal nach Hause, wo ich meinen Midazolam-Rausch ausschlafen durfte (man ist echt noch etwas wackelig auf den Beinen hinterher und fragt wohl auch öfter mal dasselbe… nunja… ich weiß von nichts
) In der Zwischenzeit hatte mein Papa – als kleine Belohnung sozusagen – meinen inzwischen reparierten Rechner abgeholt, daher bin ich nun auch wieder in der Lage regelmäßige Beiträge zu tippen!
Eigentlich sollte ich ja jetzt gerade in dieser Sekunde im Labor stehen, stattdessen liege ich nun mit Eisbeutel und ohne Weisheitszahn auf der Couch – aber immerhin die theroetischen Unterlagen und Paper zu meiner Doktorarbeit habe ich mir mitgenommen. Werde morgen wohl mal anfangen, daran weiterzuarbeiten – momentan habe ich noch zu viel Schmerzen dafür
Überhaupt könnte das Credo meiner Dotkorarbeit lauten “erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt” – es kommt sooo oft was dazwischen, weswegen man dann wieder völlig umplanen muss. Entweder sind die benötigten Geräte genau in den Zeiten belegt, in denen man zwischen den Vorlesungen und Seminaren ins Labor kann, oder die bestellten Reagenzien sind mal wieder nicht geliefert worden, oder die einzige im Labor, die einem mit einer bestimmten Methode weiterhelfen kann ist gerade in Urlaub, oder man schreibt Klausuren, muss in einer Famulatur arbeiten, oder wird auch mal selber krank, oder der Versuch will und will einfach nicht klappen… Irgendwas ist immer!
Jetzt gleich muss ich erst mal wieder das mittlerweile aufgetaute Coolpack gegen ein Neues auswechseln und die Mission “Suppe mit einem Teelöffel essen weil man den Mund nicht weit genug aufbekommt” starten – irgendwas essen muss ich schließlich auch. Ach menno!