HNO-Lehrbuch

23. Mai 2009 geschrieben von spatz


Heute eine Buchempfehlung für das Blockpraktikum oder die Famulatur in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.  Das ist der “Boenninghaus/Lenarz – HNO” aus dem Springer Verlag, die 13. Auflage für knapp 30€ zu haben.

Vorneweg: das Buch reicht für den Alltag völlig aus (auch für die große, spezialisierte Kliniken – superspezifische Operationsmethoden werden natürlich nicht vorgestellt).

Gegliedert ist das Buch folgendermaßen:  den einzelnen Gebieten am und im Kopf wird jeweils ein Kapitel gewidmet (”Ohr”, “Nase, Nasennebenhöhlen und Gesicht”, “Mundhöle und Trachea”, “Hals und Kopfspeilcheldrüsen”.  Jeweils zuerst wird die Anatomie vorgestellt, dann gibt es eine Auffrischung in Sachen Physiologie und anschließend die Krankheitsbilder mit Diagnostik und Therapiemöglichkeiten.

Mehr zu Stimm- Sprech- und Sprachstörungen später, die Bibliothekstante wirft mich grad aus dem Computersaal raus.

Möge Werder nachher gewinnen.

Wieder zurück, diesmal nicht aus der Bücherei, sondern von zu Hause. Was da in Istanbul mit Werder gelaufen ist kann nur als große Schande für den europäischen Fußball bezeichnet werden: dass ein so offensichtlich, mit Öl-Millionen bestochener Schiedsrichter völlig problemlos ein so wichtiges, entscheidendes, reguläres Tor eine Minute vor Schluss aberkennen kann, ohne Konsequenzen zu fürchten, und diese Tatsache in der deutschen Presse nicht einmal offen benannt wird, das ist ein absolutes Jammerelend!!!!!

Zurück zum Buch: es besticht und überzeugt mich durch Prägnanz und wenig Schnickschnack, sofern ich das als Student beurteilen kann werden alle relevanten Dinge abgehandelt. Wer Klinik- und Praxisnah lernen möchte, kann „Fallbeispiele“ üben und Therapievorschläge machen, nachdem er oder sie die Diagnose gestellt hat.

Prüfungsschwerpunkte zur „neuen“ Approbationsordnung werden hervorgehoben.

Alles in allem ein ziemlich gutes Buch.

Soviel zum HNO-Lehrbuch.

Gleich geht der Flieger über Amsterdam nach Bergen. Die lübsche Uni pflegt seit Jahrzehnten mit der norwegischen Uni zu Bergen eine Partnerschaft, die in der kommenden Woche durch eine 25köpfige Lübecker Delegation lebendig wird. Auf dem Programmpunkt steht u.a. Hochseeangeln. Sehr gespannt bin ich, was da reinbeißen wird… soweit diesmal, mehr nach Norwegen.

 

Wörterbuch und Publikationshilfe

12. Mai 2009 geschrieben von spatz

Grund zur Freude.  Bremen hat alle entscheidenden Derbys gewonnen.

Die nächsten zwei Bücher, die ich absolut empfehlen kann, sind ein normales Medizin Englisch-Deutsch/Deutsch-Englisch-Wörterbuch und ein Buch mit dem Titel “Scientific English für Mediziner und Naturwissenschaftler/ Wortschatz und Formulierungshilfe für wissenschaftliche Publikationen und Vorträge”.

Was das Wörterbuch angeht lassen sich nicht allzu viele Worte drüber verlieren – ein Wörterbuch halt!  im Taschenformat beult es die Kitteltasche zwar ein wenig aus (über 600 Seiten stark), dafür ist es umfangreich genug, dass ich kein einzigen Ausdruck gesucht und nicht gefunden hab.  Das alles in der bewährten und aus der Schule bekannten Langenscheidt-Aufmachung (das medizinische Fachchinesisch hat Elsevier dazugesteuert).

Das zweite Buch (auch Langenscheidt) hat mich bei einer “Oral Presentation” unterstützt, in der ich einen Fall vorgestellt habe.

Es beinhaltet situationsbezogene Redewendungen wie Begrüßungs- und Einführungsfloskeln, Gliederungssätze, Hilfestellung bei dem Wunsch nach einem Themenwechsel und eröffnet dem Leser Wege, elegant ein Schlusswort zu finden.

Außerdem bietet das Buch Hilfe (in Form ausformulierter englischer Textbausteine) an, wenn man irgendetwas schriftlich publizieren muss- begonnen mit der “Introduction” über “materials and methods”, “results” and “discussing” bis hin zur “summary”.  Sogar die “acknoledgements”, zu deutsch “Danksagungen”, werden nicht vergessen;).

Im Anhang sind Musteranschreiben für britische und amerikanische Fachzeitschriften gegeben.  Damit hat man schon eimal die Form.  Steht der Veröffentlichung im New England Journal of Medicine oder dem Lancet höchstens noch die Qualität und Relevanz der eigenen Studie im Wege…;)

Da in unseren Tagen mit ausschließlich deutschsprachigen Veröffentlichungen kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist, und die allermeisten früher oder später im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit dem Problem des Verfassens wissenschaftlicher Artikel in einer Sprache, die nicht die Muttersprache ist, konfrontiert werden, kann ich spätestens dann dieses Buch empfehlen.

Soweit von heute, mit bestem Gruß, Spatz

English For Doctors

9. Mai 2009 geschrieben von spatz

Moin Moin,

Endlich Wochenende. Die vergangenen Werktage waren geht so anstrengend- was hingegen richtig geschlaucht hat war die Feierei nach dem Fußballspiel Bremen gegen Hamburg am Donnerstag. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage haut Werder Hamburg aus einem Wettbewerb: das ist natürlich unendlicher Grund zur Freude und Anlass zu Bier und Korn. Freitag war viel Bettruhe angesagt.

Ich hatte angekündigt, noch einige Bücher vorzustellen. Anfangen möchte ich gerne mit „English for Doctors“.

English for Doctors richtet sich in erster Linie an international denkende Studenten, und vielleicht an aufgeschlossene „fertige“ Mediziner. Das knapp 300 Seiten dicke Buch hält, was es verspricht: es war mir in der Vorbereitung eine „wertvolle Hilfe für das Praktikum und für die Kommunikation mit Patienten auf Englisch“.

Natürlich ist kann man nicht erwarten, das Buch durchzuarbeiten (es beinhaltet neben dem Arbeits-/Lehrbuch übrigens eine CD mit vielen MP3s, die Dialoge zwischen Patient und Arzt wiedergeben) und anschließend keine Probleme mehr mit dem Englischen zu haben- das ist und bleibt, egal wie man es anfängt, eine Sache von viel Übung vor Ort. Es bereitet aber ein bisschen vor „auf das was kommt“: die verschiedensten Bereiche werden abgedeckt: Aufnahme und Anamnese, Untersuchung, Medikamente, und dann natürlich alle Fachgebiete wie Chirurgie (wobei im Op natürlich nicht allzuviel Arzt-Patienten-Dialog ansteht;)), Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Dermatologie und Kinderheilkunde.

Die Datensätze von der CD hab ich mir auf meinen MP3-Player geladen und während der täglichen Stunde Subway zwischen viel Gerumpel gehört. Vielleicht dringt das ganze so ein bisschen dann ins Unterbewusste ein- jedenfalls war ich froh, viele Ausdrucksweisen und Redewendungen schon einmal „gehört“ zu haben.

Erschienen ist das Buch 2006 im Schenk Verlag, Autorin ist Mária Györffy, und ich kann das Buch jedem, der eine Famulatur oder ein PJ-Tertial im Ausland plant oder überlegt, später einmal die Wochenende für den NHS in Großbritannien zu verbringen, ans Herz legen.

Morgen spielt Bremen das letzte Mal in dieser Saison gegen den HSV, ein Heimspiel, bei dem es um nichts mehr geht. Einzig die Polizei ist in verstärkter Alarmbereitschaft- wollen wir hoffen, dass sie die HSV-Fans davon abhalten kann, unseren Kollegen in der Notaufnahme zuviel Arbeit zu bescheren!!

 

wieder in der heimat

3. Mai 2009 geschrieben von spatz


Zurück in Lübeck. Die Wohnung riecht vertraut, der Schreibtischstuhl quietscht wie gewohnt und mein Nachbar hat, wie üblich, den Bass noch etwas stärker eingestellt als nötig, um Bauchkoliken hervorzurufen.

In den letzten zwei Wochen habe ich mich nur spärlich melden können, Schuld ist die Technik: mein guter „acer travelmate“ laptop hat mich im Stich gelassen. Der Verbindungsknubbel hinten an der Rückseite, wo man den Stromstecker zum Akkuauflanden reinsteckt, hat sich losgelöst und fluddert seit dem irgendwo haltlos im Gehäuse rum. Die ersten Tage kann ich ihn noch mit so einer Moskito-Klemme, die mir ein OP-Arzt zum Nähen üben mitgegeben hat, überlisten und wieder rausziehen. Plötzlich spielt er aber nicht mehr mit und ich habe keine Chance mehr, den Computer aufzuladen und zu benutzen. Sorry deswegen.

Die Rückfahrt also ist ganz gut verlaufen. Von der Umbuchung und der Entschädigung hab ich bereits erzählt. Was ich noch nicht erzählt habe und vielleicht ganz nützlich zu wissen ist: es gibt einen ZOLL. Gehört hatte ich da zwar schon mal von, aber kein bisschen beim Kofferpacken dran gedacht… am Flughafen heißt es dann plötzlich: „Junger Mann, kommen Sie doch mal mit“. Wie man das aus den Spiegel-Reportagen kennt, wo Südseetouristen oder Zigarettenschmuggler vom Flughafenzoll auseinandergenommen werden, ganz genauso, wird auch Herr Spatz gebeten, sein Gepäck auszubreiten. Natürlich habe ich viel zu viel eingekauft (die Freigrenze liegt bei 430€, alles darüber wird pauschal mit 17, irgendwas % versteuert), muss Strafzoll für meine Jeansberge zahlen und schlitter nur ziemlich knapp an einer Strafanzeige vorbei. Also: Merken! Der deutsche Staat hat immer ein wachsames Auge auf seine Kinderchen.

Von jetzt an läuft wieder der ganz reguläre Uni-Betrieb, bei mir jetzt das sechste Semester. In den nächsten Tagen stell ich noch ein oder zwei Bücher vor, mit denen ich mich auf die Auslandsfamulatur vorbereitet habe und die ich empfehlen kann. Für heute soweit genug, beste Grüße und gute Nacht!

27. April 2009 geschrieben von spatz


Boston Logan, 0722 pm, ich sitze in einem weißen Schaukelstuhl am Panorama – Fenster, schaue auf das Rollfeld, im Hintergrund sind Teile des Ozeans und eine besiedelte Landzunge zu sehen. Das Wetter ist frisch, windig, und alles erstrahlt in dem typischen sonnig-klar-kalten Licht, das für diese Gegend so typisch ist. Ich warte auf Swissairflieger 366, der zwei Stunden die Staaten in Richtung Zürich verlassen wird.

Beim Einchecken habe ich ziemliches Glück: „Herr Spatz, Sie fliegen nach München? Möchten beim Rückflug etwas Geld verdienen?“ Meine Maschine ist überbucht, trete ich freiwillig von meinem Platz zurück und lasse mich auf einen anderen Flug umbuchen, komme ich zwar 3 ½ Stunden später in Bremen an, werde aber mit €600 entschädigt. Natürlich werde ich das Angebot annehmen, das ist klar: trotzdem setze ich zuerst mein Pokerface auf: schließlich muss mein Übergepäck noch mit rein, das ansonsten 150$ extra kosten würde. „Kein Ding, Herr Spatz, hier haben Sie noch 20$ Telefonguthaben, damit Sie Ihre Angehörigen in Übersee informieren können.“

Nun also Swiss Air und Geld für das Flugticket für die nächste Auslandsfamulatur in der Tasche. Hervorragend.

Interessante, lehrreiche, spannende und manchmal anstrengende Tage und Wochen liegen hinter mir.

Ohne konkrete Erwartungen bin ich vor knapp zwei Monaten gelandet, noch in Sorge, ohne J-Visum die Zollkontrolle zu passieren. Der Ablauf im Krankenhaus ist perfekt organisiert, Wünsche bezüglich irgendwelcher Subspecialties oder Ärzte, die man gerne treffen möchte, wurden berücksichtigt, aufgenommen wurde ich herzlich, lernen konnte ich soviel ich wollte, davon hat mich keiner abgehalten.

Der Service, der einem als Student widerfährt, kostet: 3300$ bezahlt ein Harvard Medical Student für eine vierwöchige Elective – Rotation. Aufs Jahr gerechnet summiert sich das. Zuzüglich kommen etwa 13.000$ Miete im Dorm, Ende des Jahres ist das Konto mit etwa 50.000$ belastet. Diese Zahlen im Hinterkopf, und das Wissen um die auch in Deutschland sehr sehr gute (und kostenlose) Ausbildung, fällt mir persönlich der Einstieg ins Flugzeug ziemlich leicht.

Dankbar für die Bekanntschaften, Gesehenes und Erfahrenes, freue ich mich nichtsdestoweniger unheimlich auf das gute Norddeutschland.

Von dort mehr, beste Grüße.

…alles, um das Gesicht zu wahren…

11. April 2009 geschrieben von spatz


Gesichtstransplantation- eine OP, die (noch) nicht ganz oben auf dem täglichen Plan steht. Umso aufregender, dabei zu sein.

Diese OP findet nicht im Massachusetts Eye and Ear Infirmary statt, wo ich famuliere.  Ein auf plastische Chirurgie spezialisierter Arzt, der sowohl hier als auch im Brigham and Women’s Hospital arbeitet, fragt mich jedoch, ob ich Lust habe, mir Teile davon anzuschaun. Da sag ich ja nicht nein…

Die OP beginnt um viertel vor sieben und dauert gute 16 Stunden. Wie bei Spiegel.de nachzulesen, bekommt der Patient im Laufe des Eingriffs rund 80% seines Gesichts ersetzt, und zwar Nase, Gaumen, Oberlippe und weitere Gesichtsteile. Das Schwierigste an der ganzen Geschichte ist, die Funktionstüchtigkeit der Nerven zu erhalten.

Was in den Nachrichten allerdings nicht steht, ist, dass die Einwilligung des „Organspenders“ nicht explizit für sein Gesicht galt.

Eine komische Vorstellung, plötzlich eine fremde Person mit dem Gesicht eines alten Freundes rumlaufen zu sehen…

Im Hintergrund, die OP begleitend, läuft via iPod Tracy Chapman mit einem „Best of“ Album. Was –neben der OP natürlich- neu für mich ist: T.C. wurde in den Subway-Schächten Bostons entdeckt, als Straßenmusikantin. Als regelmäßiger U-Bahnnutzer fällt einem die Qualität der Künstler nicht zwingend ins Auge, im nachhinein betrachtet performen sie aber auf ziemlich hohem Niveau, wahrscheinlich immer in der Hoffnung, eines Tages in Ms. Chapmans Fußstapfen treten zu können…

In wenigen Tagen ist Ostern. Die Industrie hat sich selbstverständlich darauf eingestellt (überall gibt es die Goldhasen von Lindt zu kaufen), nur das Wetter ist noch nicht ganz bei der Sache, es regnet, regnet und regnet. Damit die Eier nicht aufweichen, ist es durchaus sinnvoll, auf eine andere Form des Ostereiersuchens auszuweichen: Die „Easter-Egg-Shot-Hunt“. Hier werden, anstelle von Schokoladeneiern, ganz normale Kurze versteckt. Wer die Flasche findet, darf sich aussuchen, wer sie trinkt. (Vielleicht nicht optimal für den Ostersonntag mit den Großeltern geeignet, aber unheimlich lustit;))

Rettung trotz Hoffnungslosigkeit

10. April 2009 geschrieben von spatz

Der Bus aus New York fährt gegen 2300 in Boston ein, gegen Mitternacht liege ich im Bett. Todmüde, würde ich nichts lieber als ausschlafen. Hab die Wette aber ohne den Wecker gemacht, der um 0400 klingelt. Die Klinik ruft.

Gleich die erste Patientin ist die 62jährige H. Rowlands, die behauptet, seit Jahren nichts mehr zu schmecken und riechen. Um ihre Aussage zu verifizieren und „greifbarer“ zu machen, muss sie einen Geruchstest machen. Der besteht aus 2 Heften, die gut 40 verschiedene Gerüche beinhalten, die durch „drüberkratzen“ aktiviert werden müssen (kennt man aus Parfümwerbungen in Zeitschriften). Diese Art der Geruchsprüfung hat den Vorteil, dass der Arzt, nicht einmal eine Schwester oder sonstige Hilfe nötig ist, der Patient kann den Test komplett eigenständig absolvieren. Dafür lassen sich die Hersteller die zwei Papierbücher mit mehr als $40 vergüten.

Vier Antwortmöglichkeiten gibt es pro Geruch (z.B. Kaffee, Rosenduft, Harz und Chanel #5). Ms. Rowlands hat 6 mal ihr Kreuz an der richtigen Stelle gesetzt, das ist schlechter als geraten. Ihr Geruchsverlust wird als „total“ eingestuft.

Große Hoffnung auf Recovery besteht bei ihr nicht, da der Olfactorius wahrscheinlich verkümmert, beschädigt oder ganz kaputt ist. Geschwollene Nasenhöhlen, die sonst häufig der Grund für schwaches Riechvermögen sind, hat die Ms. nicht.

Trotzdem geht sie nicht ganz enttäuscht aus der Klinik nach Hause. Ein einfacher, 30sek dauernder Weber/Rinne- Gehörtest fördert zu Tage, dass die einseitige Taubheit, die sie seit Jahren (initial nach einem Autounfall aufgetreten) besteht und als permanent diagnostiziert wurde, mit ziemlicher Sicherheit durch eine Gehörknöchelchen-OP behoben werden kann.

Gute News für Ms Rowlands, die laut Aussage ihres Gatten nur seinetwegen kam, den Doktor zu sehen. Sie selber hatte, was Geruchsunempfindlichkeit und Taubheit angeht, seit langer Zeit alle Hoffnung aufgegeben.

Ab Mittag bin ich im OP, die Stunden bis zur Abendvisite werden lang und ich freu mich unheimlich aufs Bett. In der Mittagspause kann ich einen Blick über den Charles River werden, der heute im Sonnenlicht dahinfließt.

Scheint, als würde der Frühling langsam auch hier Einzug halten…

Lebensmittelvergiftung im Central Park

8. April 2009 geschrieben von spatz

Ich lasse Ground Zero Ground Zero sein und steuer gedanklich auf das United Nations Headquarter Building am Hudson River zu. Gut eine halbe Stunde dauert der Fußweg dorthin, und führt duch Chinatown und Little Italy.

In Chinatown, denk ich, ist das Essen gut und billig, da holste dir was. Was ich beim Verzehr der „Chinabrötchen“ (ich bin mir unsicher, wie ich das Essen beschreiben soll – es sind so Hefeteighüllen, in Fett gebacken, mit verschiedenen Sachen drinne, was es ist kann ich nicht genau sagen, eins schmeckt nach altem Fisch) noch nicht weiß: mindestens eines dieser Brötchen wird mir schwer im Magen liegen und eine kleine Lebensmittelvergiftung verursachen, die mich am folgenden Tag zur Pause im Central Park zwingen wird und macht, dass mir mein Bauch krampft;)

Auf dem Weg zur UN denk ich ich trau meinen Augen nicht: läuft da ein kleiner Junge, von oben bis unten als Werder Fan verkleidet, rum. Selbstverständlich lobe ich ihn dafür. Er versteht leider kein Deutsch, aber sein Vater, ein bremer Banker, freut sich doch sichtlich.

Das UN Gebäude ist erwartet unspektakulär. Die berühmte Pistole mit dem verknoteten Lauf ist allerdings ein Foto wert. Um das zu machen, lass ich meine Einkaufstüte stehen und bewege mich zwei Meter von ihr weg: sofort, wirklich sofort, schreit mich eine der Polizistinaufseherinnen an. Ich komme mir vor wie im KZ. Schuldbewusst gehe ich zu meinem Beutel zurück.

Nach einigen Shoppingstationen auf der Fifth Avenue, es ist inzwischen dunkel, geht es auf das Empire State Building, ehemals das höchste Gebäude der Welt (King Kong kletterte einst drauf), und seit dem Einsturz des World Trade Centers wieder das höchste Gebäude New Yorks. Um auf das Observation Deck zu kommen, muss man eine Röntgensicherheitskontrolle über sich ergehen lassen und ein Ticket für 20$ kaufen. Der Ausblick ist einzigartig.

Anschließend nehme ich noch den Fahrstuhl zum „Top of the Rock“, dem „Rainbow Room“ ganz oben im Rockefeller Center. Hier ist die Auffahrt für lau, dafür kostet das Bier 13$. Auf dem Klo stellt mir der Bedienstete den Wasserhahn an und reicht mir ein entfaltetes Handtuch zum Abtrocknen. Warum ist dieser Service bitte schön nicht in der Uni möglich!!?

Der nächste Tag ist sonnig und schön, der nahende Frühling ist spürbar. Einzig der chinesische Fisch liegt ein wenig schwer im Magen.

Am späten Nachmittag geht der Bus zurück nach Boston, wo nach 4 Stunden Schlaf wieder die Morgenvisite wartet…

Ground Zero

7. April 2009 geschrieben von spatz


„Heute“ beginnt erst um 1200 mittags, da der letzte Tag ziemlich spät geendet hat. John ist offensichtlich ein Frühaufsteher trotz Kater und ist bereits dabei, Pancakes mit Ahornsirup zu bereiten. Dazu gibt es O-J (Orangensaft) und „Kaffee“ (das ist ein Kapitel für sich; ich möchte nicht zu oft mit der Leier kommen, dass zu Hause alles besser ist, aber der Kaffee in Europa spielt DefinitiV in einer ganz anderen Liga als die braune Plörre, die hier serviert wird).

Nach dem Katerfrühstück geht es am frühen Nachmittag mit der U-Bahn in Richtung downtown, westside (westlich des Central Parks) entlang, ausgestiegen wird ganz am südlichen Ende von Manhattan. Wieder an der Erdoberfläche pustet der Wind mich fast weg, ziemlich „steife Brise“, wie der Friese sagen würd.

Die Fähre, die zur Freiheitsstatue fährt, kostet 12$. Auf die Lady raufzuklettern lohnt sich nicht, wie mir einige Landsleute versichert haben, daher spare ich mir die 9$ extra. Das Symbol des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten, Demokratie und Freiheit, das Symbol der Hoffnung so vieler Millionen Auswanderer so vieler Generationen in greifbarer Nähe… unglaublich.

Ich gehe nicht an Land, bleibe an Bord und warte darauf, dass die Fähre zu ihrer nächsten Station, Ellis Island, fährt. Dort ist das Einwanderermuseum, das „Schwestermuseum“ des Auswanderermuseums in Bremerhaven sozusagen. Ähnlich aufgebaut übrigens wie das deutsche Gegenstück, bemühen sich beide Museen, die damalige Zeit und Zustände zum Leben zu erwecken.

Wieder an Land, ist es nur ein kurzer Fußweg zur Wallstreet. Hier scheint grade eine Demonstration zu Ende gegangen zu sein, überall sind Polizeifahrzeuge und Polizisten in Kampfausrüstung mit Schlagstöcken und Maschinengewehren präsent. Das weltweit so beachtete Finanzzentrum ist heute (Sonntag) jedoch nicht sehr belebt, da die Börsen geschlossen haben.

Von hier sind es nur wenigen hundert Meter zum Ground Zero, dem Ort, wo ehemals die Twin Towers standen. Vor sieben Jahren war ich das erste Mal dort, seitdem hat sich sichtbar nicht viel getan. Kräne stehen jetzt überall verteilt, und es wird wohl auch gebaut, bislang ist aber noch alles ebenerdig. Tausende Fotos, Gedichte, Kuscheltiere und Blumen, die damals überall zerstreut herumlagen, sind jetzt komplett von der Stadtverwaltung entfernt.

New York, New York

6. April 2009 geschrieben von spatz


New York is calling.

Eine der bedeutendsten, lebendigsten und charismatischsten Städte der Welt erwartet auch an diesem Wochenende auf den Besuch vieler Touristen, ua auf mich.

Die Ärzte im Krankenhaus haben eine gehörige Portion Verständnis, wenn es um interkulturelle Erfahrungen geht, und stellen sich der Bitte um vorzeitige Entlassung am Freitag nicht in den Weg. Nach nur sechs Stunden darf ich mich um 1200 aus dem Staub machen, um den 1230 Bus von Chinatown Boston nach Chinatown New York für 15$, knapp 11€, zu erwischen. Laut Warnungen mehrerer Krankenhausmitarbeiter ist von Unfällen der „Fung-Wah-Line“ überproportional häufig zu lesen, und ich sollte doch überlegen, einen anderen Anbieter zu nehmen, aber der Preis ist einfach unschlagbar günstig.

Unpünktlich um kurz nach halb geht die Tour los, im Gepäck nur eine Flasche Wasser und meine Zahnbürste. Den Rest hat hoffentlich meine Gastgeberin in NY vorrätig.

Die Fahrt dauert ungefähr fünf Stunden und verläuft unspektakulär. Ein Gefühl von aufgeregter Zufriedenheit macht sich breit, als wir die Manhattan Bridge überqueren und in der Ferne die Statue of Liberty, von der Sonne angestrahlt, sichtbar wird.

Für 7,50$ gibt es ein Tagesticket für Bus und Ubahn, die mich nach Manhattan Uptown bringt, wo ich die nächsten Tage in der Nähe der Columbia University wohne.

Da noch ein paar Stunden Zeit sind, bis die Party losgeht, zu der ich heute geladen bin, schnappe ich mir Jacke und Geld und schlender den Broadway runter. Viele Liquor-Stores sind hier zu finden, das sehe ich als Zeichen. Mit Budweiser in der Hand, eingewickelt in diese braunen Papiertüten, die man aus dem Fernsehen kennt, geht die Tour weiter. Die Eindrücke sind überwältigend, soviele Menschen, Autos und blinkende Lichter…

Ziemlich zufrieden nehme ich die Subway zurück nach Hause, wo die Gäste inzwischen eingetroffen sind. Die nächsten Stunden sitz ich i Wohnzimmer und spiele Collegetrinkspiele. Gut ein im Tee und unsagbar müde, leg ich mich um 0400 auf Isomatte und schlafe schnell ein.