Das erste Semester ist endlich vorbei. Wobei “endlich” gut gesagt ist – denn so lange hat es gar nicht gedauert. Ich weiß so ungefähr gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Ein Blick in den Spiegel verrät es: Seit fünf Monaten war ich nicht mehr beim Friseur. Zur besseren Orientierung deshalb jetzt ein Semesterrückblick. Vorweg: Ich habe alle Klausuren bestanden, einige sogar ziemlich gut. Dafür hab ich mir auch den Arsch aufgerissen wie ein Berserker. Ich glaube, ich bin ein bisschen stolz auf mich.
Terminologie
Das wohl langweiligste Gedöns überhaupt. Ich hab mich in die Schule zurückversetzt gefühlt. Die Dozentin hat alphabetisch die Studenten von einer Liste aufgerufen, damit auch jeder mal dran war beim Hausaufgabenaufsagen. Es wurde mitunter stressig, die Lückentexte auszufüllen, während andere schon beim Aufsagen waren. Für die Klausur durften wir ca. 1200 lateinische und altgriechische Vokabeln pauken und danach sofort wieder vergessen. Bulimielernen eben. Einige selbsterfundene Wortkombinationen sind erhalten geblieben: “Glandoskopie” zum Beispiel.
Allgemeine Anatomie
Das Fach, das uns daran erinnern sollte, dass wir Medizin studieren. Und nicht Physik, Bio, Chemie oder sonstwas. Zur Klausur durften wir alle Knochen mit “ein paar” Punkten lernen, wichtige Gefäße und Nerven, ein paar Begrifflichkeiten usw. Im Seminar sind wir das erste mal mit Echt-Präparaten in Berührung gekommen, was sich im Nachhinein als relativ nüchterne Angelegenheit herausgestellt hat. Man stellt sich das ganze spektakulärer vor, als es ist.
Chemie
War zu Beginn des Studiums mein Hassfach. Habe die Vorlesungen deshalb komplett geknickt und mich vertrauensvoll an chemiecrashkurs.de gewandt. Und siehe da: Es hat am Schluss sogar Spaß gemacht, habe die beiden Klausuren gut bestanden usw. Ich habe viel gelernt, das notwendige verstanden und dann auch Klausuraufgaben kreuzen können. Am Ende hab ich dann nur noch gekreuzt, was so ziemlich das beste war. Das Chemiepraktikum war relativ langweilig, weil man sowieso schon wusste was rauskommt. Dafür fünf Stunden im Labor abhängen war, finde ich, eher nicht so lohnenswert. Die Praktikumsklausur war dann auch drei Tage nach dem letzten Praktikumstag.
Histologie
In der Histologie hat Prof. Veh dem Wort “Druckbetankung” eine neue Seite abgewonnen. Nachdem wir das erste Skript über 50 Seiten in die Hand gedrückt bekommen haben, dachte ich, das Ende der Fahnenstange sei erreicht. Doch leider getäuscht: Weitere zwei Skripte folgten. Die Vorlesung war wohl eher für Doktoranden ausgelegt, hingegangen bin ich trotzdem. Kann ja nicht schaden. Vor der Klausur hat so ziemlich jeder Panik geschoben, bestanden haben sie trotzdem die meisten. Auch wenn verdammt viele “Bilder-Fragen” drankamen. Und zwar viel mehr als in den Semestern davor. Und jetzt ratet mal, was man von nem histologischen Schnitt erkennt, wenn ein Kopierer das Ding 5000 mal durchzieht?
Physik
Dazu will ich mich eigentlich nicht äußern, wurde stiefmütterlich behandelt. Das Praktikum hat kein Spaß gemacht, die Klausur war zu bestehen und haben auch die meisten bestanden.
Bio/Genetik
Für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Hab bis sechs Tage vor der Klausur noch nichtmal gewusst, was der Unterschied zwischen Meiose und Mitose ist. Dann nur noch gekreuzt und die Klausur im oberen Bereich abgeschlossen. Beim Praktikum haben sich die Lehrenden Mühe gegeben – und es war auch wirklich praktisch orientiert. Wir haben uns gegenseitig Blut abgenommen, das wurde dann genetisch Untersucht. Wir haben unsere Chromosomen zählen dürfen, unsere Blutgruppe bestimmt und einen bunten Zettel mit so DNA-Sequenzen bekommen. Eklig war der Praktikumstag, bei dem es um die Meiose ging. Dafür mussten wir die Hoden von Heuschrecken abschneiden, das “Innere” rausziehen und unterm Mikroskop anschauen. Also ich hab nix gegen Blut, Leichen und Kotze. Aber diese kleinen Viecher ekeln mich an. Das Schneiden usw. haben Kommillitonen für mich übernommen – das war mir zu bääh. Ich mein ja nur: So ne Heuschrecke besteht fast nur aus Hoden. Quasi: Ein großer Tank mit zwei Flügeln und nem Minikopf. Ein fliegender … – naja ihr wisst schon.