Pause auf der Sonnenseite

4. August 2010 geschrieben von frank

Ich habe mal gelesen: Man muss sich Pausen gönnen. Also hab ich mir die letzten sieben Tage eine gegönnt: In Pisa, Italien. Urlaub quasi. Und wie war der Urlaub? – Italienisch war er: Essen, Unterkunft, Menschen, Eis, Städte, Wetter. Das Hostel ist wärmstens zu empfehlen: Mitten in Pisa in der Altstadt, überall gut billig Essen und neben der besten Eisdiele der Welt. Was die da Tonnen an Eis für 1,50 Euro auf die Waffel schmieren ist nicht mehr feierlich. Und was macht ein fleißiger Student nicht, wenn er Urlaub macht? Er macht keinen auf Dolce Vita und fährt mit ner Vespa durch die Toskana, säuft sich einen an, liegt am Strand, besucht Städte, kauft fleißig Essen ein und genießt das Leben.

Neeee, er geht fleißig in die Bib! Hab ich auch gemacht – mit dem Benninghoff (is klar…Foto oben!). Das andere schöne Zeug hab ich nicht gemacht (ich schwörs!). Ich hab fleißig gelernt. — Hab ich natürlich nicht, aber das Foto musste einfach sein. Hab extra für den Blog und dieses spezielle Foto den kleinen Benninghoff mit nach Italien genommen! Dann haben wir die Bibliothek gesucht und das Foto geschossen. Auf der Suche nach der Bibliothek haben wir dort an der Uni alle möglichen Zimmer durchkämmt, bis wir schließlich in dem Büro eines Professors für Römisches Recht gelandet sind. Der war dann so geschmeichelt von uns, dass er uns gleich seine alten Bücher zeigen musste. Seine studentische Hilfskraft hat uns dann noch in ein Archiv geführt und uns ziemlich alte Schinken präsentiert. War dann doch ein schönes Erlebnis, sieht man ja nicht alle Tage.

Ansonsten haben wir all das verbotene und oben erwähnte Zeugs gemacht! Deshalb hier noch zum Beweis ein paar Bilder! weiter…

Lernen bei 36° im Schatten

21. Juli 2010 geschrieben von frank

Dieser Sommer stellt mir eine außergewöhnlich kluge Frage: WIE soll ich bei so ner Affenhitze bitte lernen? Und das auch noch nächstes Jahr, wenn das Physikum ansteht. Jetzt mal ehrlich: bitte lasst es kühler werden, ich spende auch Geld an ATTAC (Würklisch…)! Über 36°C im Schatten, das kann ja wohl nicht mehr wahr sein. Meine erprobten Kampfmittel dagegen: Freibad, nasse Handtücher ins Fenster hängen, klimatisierte Bibliothek.

Wobei wir da schon beim Thema wären: Die Bib! In Berlin gibts mehrere Bibliotheken. Auf dem Bild oben zu erkennen: Das Grimm-Zentrum der Humboldt-Uni. Wunderschön, klimatisiert, auch Sonntags geöffnet und unter der Woche bis 24 Uhr offen. Das Problem: Hier will jeder lernen. Samstags öffnet der Kasten um 10 Uhr. 15 Minuten vorher stehen ungefähr 100 Leute davor. Um viertel nach 10 ist das Ding voll – kein Platz mehr frei. Zum Kotzen! Die andere schöne Bib gehört den Philologen in Dahlem. Das ist Zehlendorf. Ja: DORF. Eine Stunde Fahrtzeit. Und das andere Problem: In der Klausurenzeit werden die Plätze für Fachfremde verlost. Ich könnte heulen.

Dann gibt es noch zwei Medizinerbibliotheken. Eine wird von uns liebevoll die “Chemo-Bib” genannt. Grund: Die Bibliothek inklusive Lesesäle befindet sich auf einer ehemaligen Krankenstation. Ein Lesesaal war früher mal ein Dreibett-Zimmer. Und ratet mal, wo die Toiletten sind. Und ratet mal, was Studenten bei einem Klogang ihrer Kommilitonen so mitbekommen. Eigentlich ziemlich hässlich dort. Die schöne Mediziner-Bibliothek ist im Campus Virchow der Charité in Wedding. Hübsches Gemäuer, überdachter Innenhof als Lesesaal und so weiter. Blöd nur, dass hier an der Klimaanlage gespart wurde.

Ich kann nur hoffen, dass der nächste Sommer ein schlechter Sommer wird. Sonst seh ich Schwarz. Denn in der Hitze zu lernen geht echt gar nicht. Kopfschmerzen, das Wasser läuft den ganzen Körper in Strömen runter, alles stöhnt, alles stinkt.

Foto: flickr.com/96dpi

Jetzt ein bisschen Urlaub

20. Juli 2010 geschrieben von frank

Das Foto zeigt: Biochemie-Poster von Medi-Learn, meinen Laptop, externe Festplatte und das Deo, das ich als Dusche im heißen Sommer benutze. Das Poster habe ich am Anfang des Semesters von der Deutschen Ärztefinanz geschenkt bekommen, weil ich Mentor für die neuen Ersties war. Damals war die Welt noch schön: Ich dachte, das da auf dem Poster müssten wir bis zum Physikum können. Jetzt weiß ich: das hätten wir bis zum Ende des zweiten Semesters können müssen. Das ist jetzt. Und ich hab keine Ahnung, was sich auch in der Klausur spiegelt: Ich darf nochmal antreten. Freut mich natürlich ungemein, jetzt muss ich die wunderschönen Stoffwechselwege wirklich lernen. In den letzten Wochen war das Freibad einfach zu verlockend…

Das Fach, das mir am meisten Spaß gemacht hat, war Anatomie. Ich dachte eigentlich, da hätte ich am meisten Ahnung. Meinte ich, nicht der Prüfer. Bestanden hab ich trotzdem. Thema war Abdomen, ich wie’n Blöder mit Schnittbildanatomie und Embryologie auseinandergesetzt, fragt der mich genau nach dem Thema, das ich mir geklemmt hatte: Recessus-Dinger (so Ausbuchtungen). Fand ich öde, er natürlich totaaaaal spannend. Achso, mir ist natürlich aufgefallen, dass im Physikum auch Schnittbildanatomie geprüft wird. CT-Bilder, Schnittpräparate und so. Deshalb hab ich mir den Anatomie-Atlas einer unserer Professorinen gekauft: Von Köpf-Maier. Bei der fallen 50% im mündlichen Physikum durch. Das Ding muss also was taugen. Da ist auf jeder zweiten Seite ein Sonographie-Bild, CT-Bild oder Foto (wie in der Schwarzen Reihe…) von nem Schnittpräparat. Die Schnitte find ich am Schwersten, jetzt machts aber auch bissl Spaß. Aber jetzt steht schon eines fest: Im nächsten Semester muss ich mal ranklotzen. Das Semester fängt ja bei mir schon im September an, wenn ich mich für die Nachholklausur in Biochemie Anfang Oktober vorbereiten darf. Aber wir lernen ja fürs Leben!

So, und weil das zurückliegende Semester so ultrastressig war (haha), fahr ich jetzt erstmal ne Woche nach Italien in Urlaub!

Sommersemester sind fies

14. Juni 2010 geschrieben von frank

Also dass meine Motivation im Sommersemester so dermaßen auf einen Tiefpunkt fallen könnte, hätte ich mir nie vorstellen können (betrifft auch den Blog, sorry!). Aber was solls: die Sonne (manchmal da) und Seen halten mich mehr und mehr vom Lernen ab. Und in vier Wochen sind Prüfungen! Wobei, das erste Anatomie-Testat ist geschafft. Ich wage mal eine These was die Beliebtheit weiblicher Studenten bei männlichen Prüfern betrifft – oder doch nicht, da mach ich mich unbeliebt.

Das Anatomie-Testat lief so: Zwei Mädchen, ein Junge (ich). Die Mädchen werden geprüft: Aufbau der Rektusscheide (Bauchdecke), Oberschenkelarterien (die dicksten wo gibt), Schultermuskeln (die einfachsten wo gibt). Was werde ich geprüft? Hand, Unterarm. Fuß, Unterschenkel (das schwierigste wo gibt). Die geilste Frage an mich: Aus welchen Rückenmarks-Segmenten erhält der N. radialis Fasern? Ziemlich miese Tour, trotzdem bestanden!

Meine Motivation kann man anhand der Dicke meiner Bücher messen. Anfangs: soooo dicke Bücher. Dann: Kurzlehrbücher. Jetzt: Medi-Learn-Skripte. Wenigstens macht der Präpkurs ein bisschen Spaß. Ich präppe zwar nicht so gerne, weils irgendwann langweilig wird, aber mit dem Finger rumbohren und Dinge finden, wo man sie erwartet. Ja, das sind kleine Erfolgserlebnisse.

Mensa-Tricks und so

29. April 2010 geschrieben von frank

Die Mensa ist der Dreh- und Angelpunkt des Lebens an der Uni. Hier wird: Gelästert, geflucht, gelernt und gegessen. In der Reihenfolge. Essen ist wichtig. Besonders, wenn man mehrere Stunden Präp- mit anschließendem Histokurs hat. Deshalb gilt die Faustregel: Mehr ist mehr!

Das geht so: Als Teller wählt man grundsätzlich den Suppenteller. Unten in die Mulde kommt das Schnitzel, oben drüber der Reis. Das ganze dann in Soße ertränken. Und weil die Kassiererin das Schnitzel unter der Plörre nicht sieht, zahlt man weniger. Wir müssen schon sehen, wo wir mit dem Geld hinkommen. Das ist die Stapeltechnik. Beliebt auch bei Salaten. Manchmal stürzen die Salattürme aber um. Ich bevorzuge dann lieber Quark. Aber auch dort lässt irgendwie immer bei der Kasse die Oberflächenspannung nach: Der Brei verteilt sich überm Tablett.

Meine neue Methode bei Gulasch, die Muldentechnik: Mit Bratkartoffeln baue ich mir einen formschönen Teich, in dessen Mitte ich dann das Gulasch gieße. Formvollendet latsche ich dann zur Kasse, die nette Kassiererin erwartet mich mit einem breiten Grinsen. Ich bezahle, latsche zum Tisch. Und kann nicht aufessen. Das nächste mal schaufel ich mir weniger drauf. Ehrenwort!

Semesterbeginn: Das erste mal Präppen

18. April 2010 geschrieben von frank

In Berlin findet der Präpkurs zum Großteil im zweiten und dritten Semster statt. Ich bin jetzt seit knapp einer Woche im Zweiten. Das heißt: Ich darf jetzt präppen. Zum Start der besten Jahreszeit kommt also ein ziemlicher Berg Arbeit auf uns zu. Aber egal, Anatomie kann ja ganz interessant sein. In der ersten Woche des neuen Semesters ging es aber erstmal mehr so um die modische Frage: Präpbesteck im Holzkasten, in nem Federmäppchen oder zusammengewurschtelt in so nem Plastikbeutel. Ich hab mich für den Holzkasten entschieden – wie die meisten anderen wohl auch.

Es ist Mittwoch Vormittag, wir betreten den Präpsaal. In Berlin haben wir angeblich einen der modernsten davon weltweit. Unter jedem Tisch wird Luft gepustet, oben abgesaugt. Unser Glück: Dadurch stinken unsere Klamotten nicht so arg, bis fast gar nicht eigentlich. Die kalt aussehenden Stahltische sind jeweils von zwei Schränken flankiert. In einem sind kleine Schließfächer, die niemand benutzt. Der andere Schrank ist ein Kühlfach mit Temperaturanzeige und zwei Leichen drin.

Nach einer ziemlich langen Einführung haben wir dann das Rollo vom Kühlfach hochgekurbelt und konnten das erste mal “unsere” Leiche auf den Tisch hieven. Unser Professor und die Dozenten benutzen das Wort Leiche gar nicht so gerne und nennen es lieber Patient. Ich mach das jetzt auch mal. Weil wir mit der Präparation der Haut am Rücken anfangen wollten, haben wir den Patienten also umgedreht – was dem Dozenten so gar nicht gefallen hat. Bevor er den ersten Schnitt bei jedem Präparat setzt, sieht er sich immer das Gesicht des Patienten an. Das war wohl das erstaunlichste für mich am ersten Präptag. Näheres in Kürze!

Freiheit, Freizeit: Ferien sind soo gut

17. März 2010 geschrieben von frank

Jetzt sind schon vier Wochen Ferien rum – noch knapp vier weitere bleiben. Halbzeit. Vieles von dem Gelernten hab ich schon vergessen. Eins aber habe ich jetzt so richtig schätzen gelernt: Freizeit. Wenn man seinem Mitbewohner Briefe geben muss, weil man selbst nicht mehr zur Post kommt und froh ist, einen Supermarkt in der Nähe zu haben, der bis 24 Uhr offen hat; wenn die frisch gewaschene Wäsche mufflig stinkt, weil man sie erst nach 14 Stunden aus der Waschmaschine holen kann und der Friseurtermin jede Woche neu verschoben werden muss, obwohl die Matte auf dem Kopf da ausschaut wie ein Strauch Spargel. Ja dann stehen Prüfungen an.

In den letzten Wochen konnte ich mich mal so richtig gehen lassen. Auf die Kacke hauen, Party machen, ausschlafen, Spaß haben, volllaufen lassen. Das Blöde daran ist nur: So gehts ja nicht weiter. Schade eigentlich. Wenn ich daran denke, dass ich bald wieder ranklotzen muss, bekomm ich nen Hals. Denn je mehr Spaß usw. ich in den letzten Wochen hatte, desto mehr musste ich mich fragen, nicht auch etwas zu verpassen, das andere Studenten haben. Jaja, das beschäftigt mich zur Zeit. Deshalb gehts heute Abend erstmal in die nächste Kneipe.

Semesterrückblick: Endlich Ferien

14. Februar 2010 geschrieben von frank

Das erste Semester ist endlich vorbei. Wobei “endlich” gut gesagt ist – denn so lange hat es gar nicht gedauert. Ich weiß so ungefähr gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Ein Blick in den Spiegel verrät es: Seit fünf Monaten war ich nicht mehr beim Friseur. Zur besseren Orientierung deshalb jetzt ein Semesterrückblick. Vorweg: Ich habe alle Klausuren bestanden, einige sogar ziemlich gut. Dafür hab ich mir auch den Arsch aufgerissen wie ein Berserker. Ich glaube, ich bin ein bisschen stolz auf mich.

Terminologie
Das wohl langweiligste Gedöns überhaupt. Ich hab mich in die Schule zurückversetzt gefühlt. Die Dozentin hat alphabetisch die Studenten von einer Liste aufgerufen, damit auch jeder mal dran war beim Hausaufgabenaufsagen. Es wurde mitunter stressig, die Lückentexte auszufüllen, während andere schon beim Aufsagen waren. Für die Klausur durften wir ca. 1200 lateinische und altgriechische Vokabeln pauken und danach sofort wieder vergessen. Bulimielernen eben. Einige selbsterfundene Wortkombinationen sind erhalten geblieben: “Glandoskopie” zum Beispiel.

Allgemeine Anatomie
Das Fach, das uns daran erinnern sollte, dass wir Medizin studieren. Und nicht Physik, Bio, Chemie oder sonstwas. Zur Klausur durften wir alle Knochen mit “ein paar” Punkten lernen, wichtige Gefäße und Nerven, ein paar Begrifflichkeiten usw. Im Seminar sind wir das erste mal mit Echt-Präparaten in Berührung gekommen, was sich im Nachhinein als relativ nüchterne Angelegenheit herausgestellt hat. Man stellt sich das ganze spektakulärer vor, als es ist.

Chemie
War zu Beginn des Studiums mein Hassfach. Habe die Vorlesungen deshalb komplett geknickt und mich vertrauensvoll an chemiecrashkurs.de gewandt. Und siehe da: Es hat am Schluss sogar Spaß gemacht, habe die beiden Klausuren gut bestanden usw. Ich habe viel gelernt, das notwendige verstanden und dann auch Klausuraufgaben kreuzen können. Am Ende hab ich dann nur noch gekreuzt, was so ziemlich das beste war. Das Chemiepraktikum war relativ langweilig, weil man sowieso schon wusste was rauskommt. Dafür fünf Stunden im Labor abhängen war, finde ich, eher nicht so lohnenswert. Die Praktikumsklausur war dann auch drei Tage nach dem letzten Praktikumstag.

Histologie
In der Histologie hat Prof. Veh dem Wort “Druckbetankung” eine neue Seite abgewonnen. Nachdem wir das erste Skript über 50 Seiten in die Hand gedrückt bekommen haben, dachte ich, das Ende der Fahnenstange sei erreicht. Doch leider getäuscht: Weitere zwei Skripte folgten. Die Vorlesung war wohl eher für Doktoranden ausgelegt, hingegangen bin ich trotzdem. Kann ja nicht schaden. Vor der Klausur hat so ziemlich jeder Panik geschoben, bestanden haben sie trotzdem die meisten. Auch wenn verdammt viele “Bilder-Fragen” drankamen. Und zwar viel mehr als in den Semestern davor. Und jetzt ratet mal, was man von nem histologischen Schnitt erkennt, wenn ein Kopierer das Ding 5000 mal durchzieht?

Physik
Dazu will ich mich eigentlich nicht äußern, wurde stiefmütterlich behandelt. Das Praktikum hat kein Spaß gemacht, die Klausur war zu bestehen und haben auch die meisten bestanden.

Bio/Genetik
Für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Hab bis sechs Tage vor der Klausur noch nichtmal gewusst, was der Unterschied zwischen Meiose und Mitose ist. Dann nur noch gekreuzt und die Klausur im oberen Bereich abgeschlossen. Beim Praktikum haben sich die Lehrenden Mühe gegeben – und es war auch wirklich praktisch orientiert. Wir haben uns gegenseitig Blut abgenommen, das wurde dann genetisch Untersucht. Wir haben unsere Chromosomen zählen dürfen, unsere Blutgruppe bestimmt und einen bunten Zettel mit so DNA-Sequenzen bekommen. Eklig war der Praktikumstag, bei dem es um die Meiose ging. Dafür mussten wir die Hoden von Heuschrecken abschneiden, das “Innere” rausziehen und unterm Mikroskop anschauen. Also ich hab nix gegen Blut, Leichen und Kotze. Aber diese kleinen Viecher ekeln mich an. Das Schneiden usw. haben Kommillitonen für mich übernommen – das war mir zu bääh. Ich mein ja nur: So ne Heuschrecke besteht fast nur aus Hoden. Quasi: Ein großer Tank mit zwei Flügeln und nem Minikopf. Ein fliegender … – naja ihr wisst schon.

Studieren in Berlin

5. Februar 2010 geschrieben von frank

DSC00566Es soll ja Länder und Städte geben, da bekommen die Studenten den größten Respekt, die sich ihre Tränensäcke am öftesten wie einen Schal um den Hals wickeln können. Ja, und es gibt Berlin. Hier ticken die Uhren etwas anders. Hier strebt man den Look des 08/15-Mitte-Elektro-Hippies an. Hier wird folgender “Normal-Typ” von Student respektiert: Er entwickelte mit 16 Jahren ein Faible für die “Subkultur” in Berlin und wollte nach dem Abi nichts sehnlicheres als nach Berlin. Hier bezieht er eine Kreuzberger Altbauwohnung mit Dielen, Kohleofen und Paul Kalkbrenner-Poster am Scheißhaus. Auf seinem Messenger Bag kleben Billy Talent- und Che Guevara-Buttons.

Optimalerweise lernt dieser Typ nie, kennt die besten untergrundigen Party Locations in der Stadt – und erzielt trotzdem Höchstleistungen in der Uni. Leute, die nach 18.00 Uhr noch lernen, bezeichnet er dann als “krank”. Am Wochenende trifft man ihn auf Flohmärkten, in der linken Hand ne Flasche Bionade, in der rechten ne Tofu-Bratwurst aus ökologischem Anbau.

Ernüchterung

15. Januar 2010 geschrieben von frank

DSC00625Vor dem Studium spuckt man ja gerne mal große Töne. Jetzt kommt die Ernüchterung. In ca. zwei Wochen stehen die Semester-Abschluss-Klausuren an: Fünf Stück in einer Woche. Und schon jetzt kann ich ein erstes Fazit ziehen. Zuallererst ist da sie Sache mit dem Frust und Stress. Jeder sagt ja mal gerne, dass er gestresst ist, von irgendetwas oder irgendjemandem gefrustet ist. Aber wie sich Frust wirklich anfühlt, das wusste ich vor dem Studium nicht wirklich. Es fühlt sich in ungefähr so an: Man lernt viele Stunden am Stück, es geht mühsam voran. Und irgendwann nachts stellt man fest, dass man alles bisherig gelernte schon wieder vergessen hat. O.k., macht man halt ne kurze Pause und arbeitet danach mit dem Stoff eines anderen Fachs weiter. Man ist motiviert, möchte lernen und sich das Zeug reinfressen. Aber nach stundenlangem Pauken stellt man dann ernüchternd fest: Es geht nichts mehr in den Kopf rein. Man ist doch aber motiviert, also macht man weiter und weiter. Die Konzentration ist da schon auf einem Nullpunkt, die Motivation hoch. Verzweiflung. Und wenn Kommilitonen am nächsten Tag alles perfekt aufsagen können, nachdem sie es sich locker durchgelesen haben, dann ist das Frust.

Gefrustet bin ich nicht mehr. Im Verlaufe des ersten Semester habe ich mir einfach eine Struktur erarbeitet, bin besser organisiert. Und jetzt kommen die Prüfungen. Chemie, Biochemie, Histologie, Physik, Genetik. Jeden Tag viele Stunden in der Bibliothek. Fakten verstehen, einprägen und als gefährliches Halbwissen behalten. Solange der Frust wegbleibt, ist das lange Lernen sogar erträglich, erfüllend. Man kann einen Sinn darin erkennen. Und wer brüstet sich nicht gerne damit, beschäftigt zu sein?

Der reinste Horror für unsere kleine Lerngruppe ist aber Chemie, die Lehrveranstaltungen dazu der größte Witz überhaupt. Da wurden wir in unserer kleinen Lerngruppe doch letztens wirklich in der Bibliothek gefragt, ob wir Chemie studieren würden. Die Naturwissenschaften im Allgemeinen werde wohl für einige ausschlaggebend sein, das Studium nach diesem Semester zu beenden. Das AdH an der Charité ist ja für naturwissenschaftlich-orientierte Abiturienten ausgelegt. Dementsprechend hat der Großteil der Studenten damit keine Probleme – und die Lehrenden müssen sich keine Mühe geben. Fraglich bloß, warum andere Universitäten nicht gleich den kompletten Oberstufenstoff von Chemie, Physik und Bio durchnehmen müssen.

Wie ihr seht: Ich hab mir schon eine medizinische Eigenschaft zugelegt: Rumjammern :D Aber genug gelabert, jetzt gehts in den Endspurt!