Accident by accident

7. März 2010 geschrieben von Medicus

Man stelle sich vor, man ist mit seinem LKW an einem schönen, sonnigen Morgen auf der Bundesstraße unterwegs und denkt von der Welt nichts böses – kann sich jemand schon denken wie’s ausgeht ? – als auf einmal ein PKW auf der eigenen Spur überholenderweise entgegenkommt und sich bei weit über 100km/h unter die Zugmaschine schiebt. Gut, über das Outcome des PKW-Fahrers muss man sich bei diesem Unfallmechanismus keine Gedanken machen, den hatte es in Gottes Einzelteile zerlegt. Der LKW-Fahrer, für den war eine Welt zusammengestürzt und es kreiste nur noch alles um die Frage ‘warum’ – keinen Fehler begangen und doch keine Chance mehr seines Lebens froh zu werden. Und er hatte immerhin Glück in einem LKW unterwegs zu sein, bei der Variante PKW vs. PKW hätte das abhängig vom Fabrikat auch für ihn ganz anders aussehen können. Das leitet mich zu der nächsten Frage: Wieso kommen immer wieder Leute auf die Idee an vollkommen uneinsichtigen Stellen mit einer mutmaßlich – im wahrsten Sinne des Wortes – mörderischen Geschwindigkeit zu überholen?

Nächste Begebenheit: Eines angenehmen Nachmittags fahren wir mit unserem Partner auf einer anderen schönen Bundesstraße quer durchs Bundesland, wir kommen von weither und wollen noch weiter, doch dann ist Schluss mit allem. Warum? Ein anderer PKW-Fahrer meinte auch hier in der uneinsichtigen Kurve sei der richtige Ort um ein gepflegtes Hochgeschwindigkeits-Überholmanöver zu starten. Drei Tote und zwei Schwerverletzte sind ja auch wirklich ein akzeptabler Kollateralschaden wenn man doch fünf Minuten früher hätte ankommen können.

Manche Leute scheinen sich echt verlaufen zu haben als bei der Zeugung die Gehirne verteilt wurden – das ist schon schlimm genug, aber mit diesem Umstand kann man sich noch irgendwie arrangieren. Aber warum muss es so gut wie immer die Unschuldigen treffen? Im ersten Fall, ja da kann man sagen, da hat es wenigstens noch den Richtigen getroffen – wenn man mal von dem psychisch ruinierten LKW-Fahrer absieht. Unschöne Bilder waren es trotzdem, aber man damit leben. Im letzteren Fall hingegen, da hat’s zwar auch den schuldigen Fahrer getroffen, chancenlos waren aber seine unfreiwilligen Unfallpartner – nur weil zu cool zum Rücksicht nehmen ist und den mitfahrenden Kumpels zeigen wollte, was für ein Hecht man doch sei.

Tough luck – that’s the life.

Finis cantici – Das Ende vom Lied

5. März 2010 geschrieben von Medicus

Am Dienstag war es denn soweit und die magische Grenze von 1600h, die man zur Anerkennung als Rettungsassistent benötigt war durchbrochen. Ein kurzer Moment des Hochgefühls stellte sich ein und dann kam etwas anderes, was sich nicht so leicht beschreiben lässt. Es war etwas Beklommenheit und Mut zur Herausforderung, denn jetzt müsste ich prinzipiell in der Lage sein alles was kommt ohne Aufsicht zu beherrschen. Ein Gedanke, mit dem ich mich erstmal befassen musste.

Die ersten Tage der Woche fuhr ich dann tatsächlich mit einer Kollegin, die auf dem gleichen Stand wie ich war, bzw. einen Schritt weiter, und die ihren ersten Tag als RA hatte. Es war ein sehr angenehmes Schaffen auf Augenhöhe, anders als es sonst mit dienstälteren Kollegen ist, wo einfach klar ist, dass der ältere letztendlich entscheidet. Auch die Einsätze waren heftig, ein schwerer Verkehrsunfall, einige herausfordernde RTW-Einsätze inklusive einer Reanimation bildeten den ersten Praxis-Test für uns. Ich denke aber, dass wir ihn bestanden hätten – zusammen, aber im Zweifelsfall auch jeder für sich alleine. Natürlich läuft so am Anfang noch vieles nicht rund, es gibt öfters nochmal Unsicherheiten und Zweifel – das kann aber nur die Routine ändern. Man erkennt langsam, dass man im Unterricht und jetzt in der Praxis ausreichend Mittel in die Hand bekommen hat, die man nur flexibel genug einsetzen muss um die Einsätze abzuwickeln.

dann hast du sicher Zeit von deiner Romanze zu erzählen, die da im StudiVZ bekanntgegeben ist ^^

From dusk till dawn

28. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Gestern sah ich das erste Mal in einer langen Woche, die sich für mich weniger in der üblichen Reihe der Wochentage als eine Abfolge von dunkel-hell-dunkel darstellte, wieder einmal das Tageslicht und konnte mich wieder ein ein zivilisierter Mensch fühlen. Ich hatte eine Nacht dienstfrei und trotz eines völlig kaputten Tag-Nacht-Rhythmus’ begab ich mich auf einen Ausflug in eine der nahen Großstädte um dann abends für meine letzte Nachtschicht der Woche etwas erschöpft aber dennoch zufrieden wieder auf der Wache aufzuschlagen  und – höchstwahrscheinlich – dieser Arbeitsperiode. Auch wenn das Arbeiten bei Nacht nachwievor für mich etwas außergewöhnliches hat und ich es für eine begrenzte Zeit gerne tue, so bin ich doch sehr froh ab morgen wieder im normalen Tagdienst zu sein. Man spürt es im eigenen Körper, dass dieser Wach-Schlaf-Rhythmus absolut gegen die eigene Bio-Uhr ist und auf Dauer auch an die Substanz geht. Die Nächte sind halt doch nicht so ruhig, dass man mehr als 3-4h Schlaf am Stück bekommt ( selbst das ist nicht häufig) und wenn man mal im Bett liegt, dann ist der Schlaf lange nicht so erholsam wie der zu Hause im eigenen Bett. Eine gewissen Anspannung und die Möglichkeit, dass es jeden Moment schrillt und man wieder zu 100% da sein muss, lassen einen selten richtig abschalten. Wenn der Kollege im Zimmer dann auch noch eine ungute Tendenz zum lauten Schnarchen hat, dann verbessert das Situation auch nicht. Natürlich legt man sich nach der Ablösung zu Hause noch einmal für ein paar Stunden ins Bett, aber auch das kann es nicht völlig kompensieren und den ganzen Tag kann und will ja auch keiner im Bett verbringen. Auf der anderen Seite haben wir in unserem Beruf doch deutlich angenehmere Nachtschichten als die Pflege im Krankenhaus oder gar der Industriearbeiter in einem Betrieb, wo an Schlaf nicht mal zu denken ist.

Mit dem Wochenende steigen auch die Parties und somit auch die Blutalkoholspiegel bei unseren Kunden, die Richtung wurde uns spätestens klar als wir herausfanden dass eine größere Party in unserem Einsatzbereich stattfinden würde. Trotz eines vorhandenen Sanitätsdienstes waren wir uns sicher in dieser Nacht uns auch auf dieser Party einzufinden. Das geschah dann auch, aber deutlich später als erwartet – um halb vier schellte es und wir durften eine synkopierte junge Dame ins Krankenhaus verbringen. Immerhin war sie nicht über alle Grenzen alkoholisiert und hat uns freundlicherweise auch nicht den RTW vollgekotzt wie es so einige andere zu tun pflegen. Daher blieb uns Zeit uns über das Auftreten des San-Dienstes zu ärgern, zum Einen hatten sie eine recht freie Intepretation der Dienstkleidungsvorschriften (Minirock und Turnschuhe zur Einsatzjacke), zum Anderen wollten sie jede Alkohol-Leiche gleich ins KH verfrachtet sehen – dies wurde zum Glück von anderen Kollgen unterbunden. In der Regel brauchen solche Patienten keinen Arzt, sondern nur ein (Feld-)Bett in dem sie unter Aufsicht ihren Rausch auschlafen können. Das war dort vor Ort beim Sanitätsdienst gegeben und musste nicht im KH geschehen. Nun, es schien gefruchtet zu haben, denn die weitere Nacht blieb ruhig und ich konnte mir nach einem kleiner Erholungspause einen entspannten Tag zu Hause gönnen.

Bis der Morgen graut

26. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Meine Hoffnungen vom Anfang der Woche haben sich leider nicht erfüllt, der Einsatzablauf blieb immer gleich: Mein Kollege vor und ich hinterher in der Rolle des Helfers. In den ersten beiden Nächten hat es mich noch geärgert, doch dann konnte ich mit anderen im Vertrauen darüber sprechen und fand heraus, was ich mir schon gedacht hatte: Das ist einfach eine Eigenheit meines Kollegen und liegt nicht an mir. Jetzt konnte ich es akzeptieren und habe es einfach mal genossen weitgehend aus der Verantwortung entlassen zu sein und den Einsatz quasi aus der zweiten Reihe zu beobachten. Manchmal war es sogar ganz lehrreich, denn es waren kaum wirkliche Notfälle, die es abzuarbeiten galt, sondern Grenzfälle, die mir schon immer etwas Schwierigkeiten bereitet hatten. Mit Grenzfällen meine ich Einsätze, wo der zu Grunde liegende Notfall banal ist (z.B. ausgerutscht im Flur) und auch nur ein Symptom eines größeren Problems wie zum Beispiel eine neu entstandene Unfähigkeit sich selbst zu Hause zu versorgen und zu bewegen. Hier ist Erfahrung eine unschlagbare Hilfe und so gab es trotz der eigentlich widrigen Umstände doch die ein oder andere gute Lehrstunde für mich.
Am Wochenende habe ich dann noch eine letzte Nachtschicht, hier erwarte ich mir wieder etwas mehr Teamwork wie auch in den kommenden letzten Wochen, die ungefähr 50:50 mit Kollegen besetzt sind, bei denen ich viel lernen werde bzw. halt eben nicht. Man muss es halt nehmen wie es kommt, sich darüber aufzuregen ist nur vergeudete Energie und schafft nur noch mehr Frust. Und ganz gleich wie es auch läuft, bezahlt wird mir jede Stunde.

Eine andere Sache, die mir wieder mal auffiel ist diese Problematik der 3 Uhr-Nachts-Anrufe. Jeder, der im medizinischen Bereich schon einmal Nachtdienste geschoben hat, der wird sie kennen. Es kommen dann  Leute in die Notaufnahme oder rufen den Rettungsdienst, die eine recht banale Erkrankung haben und auf einmal der Meinung sind, dass es jetzt besonders schlimm geworden ist. Nun fragt man dann nach seit wann es so geht, und dann heißt die Antwort meistens “seit Tagen”, an diesem Punkt fängt man dann an zu stutzen. Und warum ist man nicht früher gekommen? Ja, da wäre es ja noch nicht so schlimm gewesen – aha. Die Frage, was sich denn jetzt verändert hätte, dass man jetzt habe anrufen/kommen müssen, kann dann auch nicht beantwortet werden und einem bleibt nur noch ein resigniertes Kopfschütteln sowie ein entschuldigendes Achselzucken in die Richtung des Aufnahme-Arztes übrig.

Wenn der Melder zweimal klingelt…

23. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Gestern abend war es wieder soweit und ich trat nach einem verlängerten Wochenende zur Nachtschicht an – 12h lagen vor mir, und in meiner Erinnerung war die erste Nacht immer die arbeitsreichste. Es ließ sich auch gleich gut an, als ich auf der Wache aufschlug waren beide RTWs auf Reisen inkl. denjenigem, mit dem ich hätte weiterfahren sollen. Aber der Leitstelle war das kein Hindernis und so wurden wir kurzerhand mit einem Ersatzfahrzeug losgeschickt – einmal akute Appendizitis. Auf dem Hinweg erklärte mein Kollege, dass er mir heute Nacht das Feld überlassen wolle und alles, was im Patientenraum passiere meine Sache sei – klang soweit ganz gut, hätte ich sowas nicht schon oft gehört und wüsste, dass die Kollegen, die so etwas sagen oft gerade diejenigen sind, die einen am allerwenigsten machen lassen. Nun, was er sagte stimmte, bei allen folgenden Einsätzen war ich hinten drin und kümmerte mich um den Patienten, aber außerhalb des Fahrzeuges lag dann doch alles in der Hand meines Kollegen, der mir somit eher eine Statistenrolle zuwies.  Nun, ich kann nicht sagen, dass ich überrascht bin und vielleicht ändert es sich ja auch noch ein wenig, aber gehofft hatte man halt trotzdem. Es bleibt also abzuwarten ob es so bleibt oder ob mein jetziger Kollege einfach nur abwarten will was ich in der Nacht tauge um mir dann etwas mehr Gestaltungsspielraum zu ermöglichen. Ich werde auf jedenfall mich weiterhin bemühen gut mitzuarbeiten und selbst wenn ich nicht als 1. Mann arbeiten darf, man kann immer auch durch Beobachten einiges für sich mitnehmen – auch wenn es lange nicht so befriedigend oder effektiv ist als wenn man selber die Entscheidungen trifft.

Die Nacht selbst gehörte im Anschluss eher zu den angenehmen, zwar gab es bis Mitternacht noch zwei weitere Fahrten für uns, danach wurden wir aber nur noch um 4Uhr für eine Lappalie, die sich schnell erledigen ließ, aus dem Bett geholt. Wenn nun mein Kollege nicht noch akustisch versucht hätte den Waldbestand der Region zu versägen wäre ich heute geradezu ausgeschlafen gewesen ;-)

Song of the Week:

Commodores – Nightshift

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

20. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Das wurde mir wieder diese Woche schmerzlich, im wahrsten Sinne des Wortes, in Erinnerung gerufen.

Schon morgens gegen 8 Uhr ging das erste Mal der Melder auf und verkündete einen Einsatz für uns, ich dachte mir dabei nichts böses und stieg ohne meine übliche Flasche Wasser und Schoko-Vorräte in das Auto. Das sollte sich als böser (Anfänger-)Fehler erweisen, denn es folgte Auftrag um Auftrag ohne dass wir die Wache bis in den Nachmittag hinein noch einmal zu Gesicht bekamen. Irgendwann kam dann die Order zu einem nahegelegenem Altenheim zu fahren – es handelte sich um eine noch recht fitte Dame, die allerdings dement und dazu aggressiv war. Sie war beim Versuch einen Mitbewohner anzugreifen über ihre eigenen Füße gestolpert und hatte sich dabei etwas zugezogen, das ganz wie eine typische Schenkelhalsfraktur aussah. So weit war noch alles in Ordnung, doch da mein Kollege entschied keinen Notarzt nachzufordern nahm das Drama seinen Lauf. Das Umlagern auf die Trage quittierte die Patientin mit einer kurzen Brüll-Einlage, war danach aber wieder ruhig und ließ den Rest klaglos über sich ergehen. Doch als wir noch keine 5m gefahren waren erhob sich ein Geschrei, das mich um meine Trommelfelle fürchten ließ. Sie war nicht zu beruhigen oder sonstwie abzulenken, hier hatte mein Kollege endlich ein Einsehen und forderte einen Notarzt nach. Nun galt es der Patientin einen Zugang zu legen, dabei ließ ich mir etwas Zeit, denn ich wollte mir angesichts des Zustandes 100%ig sicher sein die Vene zu treffen – die Patientin hatte dieses Vertrauen anscheinend nicht, denn bei meinen Vorbereitungen bekam ich von ihr eine gescheuert, was meine eh schon nicht gute Laune ins Unermessliche steigerte. Daraufhin übernahm mein Kollege und versuchte seinerseits den Zugang zu legen, was ihm aber ebenfalls nicht glückte und er beschloss es dem nahenden Notarzt zu überlassen, der dies dann auch vollbrachte. Anschließend fanden eine jeweils eine ordentliche Dosis Dormicum und Fentanyl sowie – weil es nicht viel fruchtete – noch etwas Ketanest den Weg in die Patientin und dann war endlich Ruhe. Zumindest was die Patientin anging, ich hingegen war maximal bedient.

Natürlich habe ich nicht die langjährige Erfahrung meines Kollegen, aber es ist nicht nur meine Erfahrung, dass 9 von 10 Patienten mit einer Schenkelhalsfraktur eine Analgesie brauchen um auf die Trage gelagert und transportiert zu werden. Es wurde uns in diesem Fall schon bei der Übergabe durch das anwesende Pflegepersonal mitgeteilt, dass die Patienten a) starke Schmerzen hat und b) dazu neigt gewalttätig zu werden – dass sie es durch ihren dementen Zustand nicht adäquat mitteilen kann ist meiner Meinung nach kein Grund anzunehmen, dass die Aussagen der Pflege wohl doch nicht stimmen. Dies probierte ich meinem Kollegen dann hinterher beim Aufräumen des RTWs mitzuteilen, aber irgendwie drang ich damit nicht durch. Jedenfalls merkte man mir wohl meine Unzufriedenheit mit ihm bzw. dem Einsatzverlauf an, er und eine andere Kollegin fanden das aber eher amüsant und entgegneten auf meine Einwände, dass “wir jungen” immer wegen allem und jedem einen Notarzt nachfordern würden.

Es mag durchaus sein, dass man vorallem am Anfang eher auf Nummer sicher geht, aber ist das nicht erstrebenswerter als die umgekehrte Variante? Dazu sind “wir” damit groß geworden, dass keiner unnötigerweise Schmerzen auszuhalten hat – ganz besonders wenn der Betroffene keine Möglichkeit hat sich entsprechend mitzuteilen -, dafür werden die Notärzte auch bezahlt. Der ganze Einsätz hätte so einen völlig anderen Verlauf genommen, einen in dem ich nicht das Gefühl hatte die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren, einen der die Patientin nicht so belastet hätte. Ich kann mich an einen Einsatz in dem gleichen Altenheim erinnern, wo ein mindestens genauso erfahrener Kollege bei einem ähnlich gelagerten Fall (Sturz mit Nasenbeinfraktur und Kopfplatzwunde) einen Notarzt lediglich zur Sedierung nachgefordert hatte weil die Patientin nicht anders in den Griff zu bekommen war. Hier lief im Anschluss alles so wie es sollte, unkomplizierte Umlagerung und reibungsloser Transport in die nächste Notaufnahme – ohne irgendwelche Beschwerden vom Notarzt oder seinem Fahrer wegen einer unnötigen Alarmierung.

Das Eis ruft…

18. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Nach einem eher schleppenden Wochenbeginn am Montag ging es am Dienstag so weiter wie die Woche davor -  nämlich gleich mit zwei schwere Verkehrsunfälle am Dienstag. Nummer eins am Vormittag war an einer ganz klassischen Stelle, wo die Straße sehr kurvig und steil den Berg herunter führt und schon öfters schwere Unfälle passiert sind. Dieses Mal hatte der Fahrer unglaubliches Glück – nachdem er von der Fahrbahn nach rechts abgekommen war überschlug er sich mehrfach und schleuderte auf die andere Fahrbahnseite und kam kurz vor dem Abhang zum “stehen”, sogar vollkommen unverletzt. Das Großaufgebot von Feuerwehr und Rettungsdienst – es wurde mit mehreren Patienten gerechnet – konnte wieder unverrichteter Dinge und etwas ungläubig wieder abrücken. Es hätte nur ein einziges Fahrzeug in dem Moment entgegenkommen müssen oder ein Baum im Weg stehen, und die Sache wäre ganz anders ausgegangen…

Anschließend war wieder Ruhe angesagt, es folgten ein paar unaufregende Krankentransporte sowie ein NAW-Einsatz (=Notarztwagen), der abgesehen von dem maximal unkooperativen Patienten eigentlich ziemlich unkritisch war. So retten wir uns in den Nachmittag, der wieder sehr ruhig zu werden versprach. Doch kaum war die Tasse Kaffee genossen ging der Melder auf und verkündete einen Einsatz auf einer nahen Bundesstraße: Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person, genaue Position und Ausmaß unbekannt.

Die von der Leitstelle vermutete Position war falsch, wir fuhren den ganzen Abschnitt Richtung Westen ab und fanden gar nichts was auch nur annäherend wie ein Unfall aussah. Daher versuchten wir es dann etwas weiter östlich und wurden fündig – schnell stellte sich heraus, dass es nur eine verletzte Person gab, die allerdings noch im Fahrzeug eingeklemmt war. Das geordnete Chaos, das sich nun entwickelte ist schwer zu beschreiben – wir begannen mit der Erstversorgung im Auto um überhaupt einen Überblick über den Zustand des Patienten zu gewinnen, denn davon hängt auch das Vorgehen der Feuerwehr ab. Diese begann nun alle Vorbereitungen um das Dach des PKWs zu entfernen und so eine Rettung zu ermöglichen. Prinzipiell gibt es hier dann zwei Möglichkeiten: sanft und schonend, dafür aber recht langsam – diese Variante wählt man wenn der Patientenzustand stabil ist und man daher Zeit hat. Oder eben die so genannte “Crash-Rettung” – hier wird auf Zeit gearbeitet mit sovielen Scheren und Spreizern wie vorhanden sind. Letztendlich entschied man sich in diesem Fall für letzteres, denn der Blutdruck sank auf bedenkliche Werte, auch wenn man in dem Moment keine Ursache ausmachen konnte.

Einmal aus dem Wrack befreit fackelten wir nicht lange rum und brachten den Patienten* zügig in den RTW, der dann auch nach Abschluss aller notwendigen Maßnahmen zügig in Richtung Schockraum fuhrt. Wir als zweiter RTW wurden nicht weiter gebraucht und fuhren zurück zur Wache, wo uns nur noch eine kurze Einsatzfahrt zu einer lokalen Faschingsveranstaltung vom Feierabend trennte.

GSDF – Gott sei Dank, endlich Freitag

13. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Ich hatte es mir schon im Vorfeld gedacht, diese Woche war aynstrengend. Zum einen das frühe Aufstehen, das inzwischen ja wirklich nicht mehr ganz so gewohnt, zum anderen die langen Dienstzeiten. Jeden Tag 12h, das schlaucht schon ein wenig – und wenn man dann nach Hause kommt, dann bleibt auch nichtmehr viel Zeit übrig bis man wieder ins Bett muss. Abendessen, Emails checken und etwas fernsehen, das war’s auch schon, denn zu viel mehr kommt man einfach nicht.

Gegen Ende der Woche hatte ich aber das Gefühl, dass ich so langsam meinen Rhythmus finde und am Ende des Tages nicht mehr vollkommen erschlagen vor dem Fernseher hing. Auch bei der Arbeit selbst lief es immer besser, war ich anfangs noch eher zurückhaltend ohne mich bei den Einsätzen an die vorderste Front zu stellen, so habe ich in den letzten Tagen mehr die Initiative ergriffen und versucht die Einsätze selbst zu gestalten, was auch ganz gut glückte.

Am Mittwoch begann es wie auch sonst überall in Deutschland heftig zu schneien, und so häuften sich bei uns auch die wetterspezifischen Unfälle, wobei es weniger die gestürzten Personen waren (da gab es für mich nur einen solchen Einsatz), sondern die Verkehrsunfälle. Der erste diese Woche war aber noch vor den Schneefällen auf der Autobahn, hier lag’s wohl eher an dem Übermut eines Lieferwagenfahrers, dessen Anhänger bei der – wahrscheinlich – zu hohen Geschwindigkeit ins Schleudern geraten war und das ganze Gespann gegen den neben ihm fahrenden LKW gedrückt hatte. Zum Glück war kein Beifahrer an Bord, eigentlich war es Glück für den Fahrer selbst: vom Anhänger waren nur noch Fetzen zu sehen, der Lieferwagen selbst vollkommen demoliert, das Dach abgerissen und die rechte Seite quasi nicht mehr existent. Immer wieder erstaunlich was die heutige Sicherheitstechnik so vollbringt, von rechtswegen hätte da keiner lebend aussteigen dürfen.

Ein anderer größerer Unfall ereignete sich dann vorgestern, hier waren zwei aufeinanderzufahrende Fahrzeuge ins Schleudern geraten und seitlich gegen einander geprallt. Uns wurde ein Verletzter gemeldet, vor Ort fanden sich dann nach und nach vier Leichtverletzte auf. Die Verletzungen insgesamt waren allesamt unkritisch, so war das Hauptproblem wie wir die Insassen auf der Rückbank aus dem Fahrzeug befreien sollten. Zum Glück ließ sich der Sitz noch nach vorne schieben, alles andere war durch den Unfall verklemmt, und so hatten wir dann bald alle in den Fahrzeugen. In der Klinik begann dann der Papierkrieg – dieses Mal eben in vierfacher Ausführung – der mehr Zeit in Anspruch nahm als der gesamte Einsatz vorher…

In der Not oder einfach so, wähle 19 und dreimal die 2

8. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Heute war es wieder soweit, der Wecker klingelte um 5.30h, eine wirklich unchristliche Zeit – ich mochte kaum glauben, dass es mal Zeiten gab, in denen ich selbst um 4.30h hochmotiviert aus dem Bett gesprungen bin. Es muss aber jedenfalls noch ganz am Anfang meiner Zeit hier gewesen sein…

Jedenfalls schaffte ich es ohne größere Pannen zur Wache und harrte der Dinge, die da nun kommen würden. Es kam aber erstmal nichts und so durfte ich erst einmal mich drei Stunden lang in der der ersten Disziplin eines jeden Rettungsdienstlers üben: Zeit totschlagen. Dann kam der erste Auftrag, einmal blutige Kolitis ins Krankenhaus bitte – und so ging es schleppend den Tag über, so dass im Endeffekt sechs oder sieben Fahrten zusammen kamen.

Das ist im Prinzip ein normaler Schnitt für eine 12h-Tagschicht auf dieser Wache, aber diesmal war es ein eher unspannender Tag mit nur einem Notfalleinsatz – der Rest waren allesamt Krankentransport bzw. nicht dringliche Einsätze. Hier fährt man mit den Rettungswägen nämlich nicht nur “richtige” Notfälle, sondern eben auch ganz normale Fahrten vom Altersheim ins Krankenhaus oder zum Zahnarzt und dergleichen. Eigentlich finde ich das nicht schlecht, ein gewisser Mix schafft auch Abwechselung und es ist manchmal einfach nett sich mit den Leuten ganz normal während der Fahrt zu unterhalten – es kommt halt immer auf die Patienten und die eigene Stimmung an.  Wenn es aber nur solche Aufträge gibt, dann ist’s wiederum aber eher langweilig, denn manchmal will man – auch wenn keinem das Leid an den Hals wünscht, auf keinen Fall! – auch gefordert werden und denken, ja heute hat es einen Sinn gehabt, dass wir hier da waren.

Nun denn, das war jetzt Tag 1 von voraussichtlich 24 – man darf gespannt sein was noch so kommt. Ende des Monats habe ich dann eine Woche Nachtdienst, das ist immer interessant. Arbeiten bei Nacht hat für mich immernoch etwas besonderes und ist auf jedenfall einfach anders als bei Tageslicht. Aber wenn man damit durch ist, dann fühlt man sich wie durch einen Fleischwolf gedreht und möchte die nächste Zeit erstmal gar nichts von solchen Sachen wissen ;-)

Auf zu neuen Ufern

5. Februar 2010 geschrieben von Medicus

Das war sie nun, die erste Ferienwoche – angefühlt hat es sich aber ganz anders. Es fing schon letzten Freitag an, nach der Klausur und kurzem Mittagessen in der Mensa ging es zurück in die Uni-Klinik zur Modulnachbesprechung. Hier wurde das gerade abgeschlossene Modul mit dem zuständigen Koordinator zusammen mit uns Semestersprechern und weiteren anwesenden Studenten reflektiert, was war gut, was sollte man besser machen. Anschließend ging es zwei Stockwerke höher zu meinem dann Doktorvater: Geplant hatte ich ein fünf-minütiges Gespräch, in dem ich nur kurz sagen wollte, dass ich bei ihm im Labor anfangen möchte – geendet ist es dann in einer gut 90 Minuten langen Visite auf der internistischen Intensivstation. Er fragte nämlich im Anschluss an diese fünf Minuten ob ich nicht noch Lust hätte mit auf Visite zu gehen – klar hatte ich das und es war auch unglaublich interessant. Jedenfalls freue ich mich schon auf das “Innere”-Semester ab Frühjahr.

Durch diese kleine Einlage war mein Zeitplan vollkommen durcheinander, anstatt nach Hause zu gehen um mich kurz abzulegen und etwas zu essen musste ich gleich zum Campus fahren weil dort in diesen Minuten der Aufbau zu Semesterabschlussparty begann. Das bedeutete für mich und einige andere eben mal eine Nachtschicht von 16 bis 7 Uhr. Ich sollte dieses Mal für die Biertheke verantwortlich sein und es war dann auch ganz was anderes als wie früher “nur” an der Theke zu stehen und das Bier zu verkaufen. Diesmal musste ich immer gucken, dass rechtzeitig genug frisches Bier nachgeliefert wurde, dass das Leergut sicher verstaut wurde usw usf. als ich dann so gegen 8 Uhr am Samstag dann in mein Bett fiel war ich gehörig erledigt – aber schon um 12 war ich wieder wach weil meine “geliebte” Mitbewohnerin auszog, nicht ohne noch mein Rührgerät zu klauen.

Den Rest der Woche hab ich dann ebenfalls mit Fachschaftskrams verbracht, ein neuer Raum wollte eingerichtet werden und ich musste feststellen was für ein bürokratischer Aufwand es ist kleinere und größere Investitionen über den AStA abzurechnen…

Nun denn, mein Werk hier ist größtenteils vollbracht und so kann ich jetzt die letzten zwei Tage nutzen meine Sachen zu packen und mich auf fünf Wochen Arbeitsleben vorzubereiten.