So, heute ist mein erster offizieller Tag als Doktorandin in der Orthopädie. Die Geschichte, wie ich dazu in so kurzer Zeit gekommen bin ist doch etwas kompliziert. Also von vorne:
Bisher war ich immer zu unmotiviert mir eine Doktorarbeit zu suchen. Außerdem war bisher auch das Problem, dass ich nicht wusste, in welche Richtung ich später mal gehen will. Mittlerweile ist die Chirurgie doch sehr wahrscheinlich, weshalb ich jetzt zumindest schon mal die Themen einigermaßen eingrenzen konnte. Leider bin ich weder die geborene Laborratte noch ein ausschließliches Aktenwühler, weshalb experimentelle und retrospektive Doktorarbeiten wegfallen. Leider bieten die Chirurgen an der Uniklinik nur diese beiden Sachen an. Wobei ich auch sagen muss, dass ich mich bisher noch nicht sonderlich bemüht habe, eine passende Arbeit zu finden. Nebenbei kam aus der Orthopädie noch eine Anfrage, ob die AG Lehre sie nicht bei der Umsetzung eines“ Tages der Lehre“ unterstützen könnte. Na klar, immer doch, und so lernte ich zumindest per Email schon einmal meinen Doktorvater kennen.
Ein Projekt der AG Lehre war die Organisation einer Doktorandenbörse, an dem sich die verschiedenen Institute mit einem Ansprechpartner, den angebotenen Doktorarbeiten und am besten noch einem aktuellen oder ehemaligen Doktoranden vorstellen sollten. Das ganze sollte mit einem Poster im Foyer des Hörsaals stattfinden. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und war auch in der Form zumindest ein guter Anfang. Dort traf ich auch den Lehrbeauftragten der Orthopädie, den ich gleich nochmal wegen unseres Treffens ansprechen musste. Dabei fragte er auch, was ich überhaupt auf der Doktorandenbörse machte. Naja, auch was suchen, aber eine Doktorarbeit nach meinen Geschmack gibt´s wohl nicht. Das wäre am besten was klinisches, wo man mit im OP steht und dann ein paar Daten erhebt. Ja, da hätte er vielleicht was für mich. Er möchte zwei verschiedene Knieprothesen vergleichen, ob die Patienten mit dem einen Modell danach mehr Bewegungsausmaß haben als mit dem Standardmodell, denn bisher gibt es so eine Studie noch nicht. Ja, das hörte sich ja schon mal ganz gut an. Ok, ich überleg mir das mal und wir sehen uns sowieso in den nächsten Tagen wegen dem „Tag der Lehre“. Hmmm, da kommt man dann schon ins Grübeln. Vor allem weil mir doch langsam die Zeit davonläuft und man die Arbeit am besten noch vor dem PJ fertig bekommen sollte. Also im Sommer könnte ich mir das durchaus vorstellen.
An besagtem Freitag trafen wir uns dann wegen dem „Tag der Lehre“, zu dem die AG-Leitung der AG Lehre zwei Vorträge halten sollte. Nebenbei musste ich auch noch mal zu der Doktorarbeit nachfragen. Wann genau muss ich die Patienten vor- und nachuntersuchen, wie steht´s mit der Betreuung, darf ich auch wirklich mit in den OP, usw. Ja, alles halb so wild, aber die Studie sollte innerhalb der nächsten ein bis zwei Monate laufen. Kinnlade runter…wie meinen?!? Da gibt es aber so ein bis zwei kleine Probleme. Eigentlich hatte ich meine Semesterferien bereits verplant, und zwar mit 4 Wochen als Hiwi in der Anatomie, so wie letztes Jahr auch. Danach noch 2 Wochen Famulatur und das Geburtstagsgeschenk für meine Oma einlösen, ein Familienurlaub nach Rom. Na gut, also wieder von vorne anfangen mit Grübeln. Mittlerweile lag mir aber JEDER in den Ohren, von unserer Oberärztin, über unseren Belegarzt bis zu unserem frisch gebackenen Anästhesie-Assistenten, ich solle das doch machen. In der Kürze der Zeit was noch Tolleres finden sein völlig utopisch und mir liefe ja schließlich doch die Zeit davon, wenn ich meine Doktorarbeit noch vor dem PJ vollenden wollte. Naja, soweit so gut. Dann habe ich mit meiner Oma telefoniert und das Ganze war überhaupt kein Problem. Ihr ist es sowieso im Oktober lieber, weil über Ostern so viel los ist und so kurzfristig noch was zu buchen ist sowieso doof. Ok, das wäre geschafft. Dann hatte ich meinem Doktorvater schon telefonisch zugesagt und wollte am gleichen Tag im Anatomie-Sekretariat anrufen. Volltreffer, die Sekretärin ist bis einer Woche vor Kursbeginn in Urlaub. Bravo, aber jemand anders konnte mir dann auch nicht weiterhelfen. Also konnte ich erst vor einer Woche in der Anatomie absagen, was dazu geführt hat, dass keiner meiner „Ersatzmänner“ meine SHK-Stelle übernehmen konnte. Denn zwischen Vertragsschluss und Beginn der Arbeit müssen mindestens 2 Wochen liegen. Das kann man zwar irgendwie umgehen, aber unsere Anatomie-Sekretärin ist da doch sehr genau. Eigentlich schade, denn ich hätte allen beiden Herren gerne meine Stelle überlassen.
Gut, also soweit alles geklärt. Letzten Donnerstag noch die letzte Klausur schreiben. Leider konnte ich mich bis 3 Tage vor der Klausur nicht durchringen, was dafür zu lernen. Und die Klausur war dazu auch noch richtig bescheiden. Warum muss die Klinische Chemie auch so einen Mist fragen. Die Pathologen und die Mikrobiologen bekommen es doch auch hin, nicht so abgefahrene Sachen zu fragen. Naja, wie dem auch sei. Die Klausur war rum und ich hatte das erste Treffen mit meinem Doktorvater und meinem Betreuer. Zum Glück hatte ich die Beschreibung, wo das Oberarzt-Zimmer war. Denn obwohl ich ja zum Orthopädie-Blockpraktikum schon mal in der Klinik war lässt die Orientierung noch etwas zu wünschen übrig. Aber gesucht und gefunden. Beide waren sehr nett. Es wurden noch so ein paar Sachen geklärt, z.B. wann ich denn immer kommen sollte, wie wir die Patientenunterlagen geschalten, wie alles genau abläuft, usw. Allerdings war mir auch nach dem Gespräch noch nicht so ganz klar, wie mein Tagesablauf sein würde. Aber es war noch ein weiterer Doktorand da, der mir alles zeigen sollte. Also einfach mal überraschen lassen, was in der gleichen Nacht zu alptraumartigen Zuständen führte.
Freitag früh habe ich einer Freundin, die jetzt Physikum schreibt, noch einen kleinen Situs- Anatomie-Crashkurs gegeben. Hat denke ich auf jeden Fall was gebracht. Danach musste ich gleich auf die Arbeit flitzen, denn der Blutspendedienst war mal wieder mit mir im Gepäck unterwegs. Der Termin war ziemlich heftig, denn wir waren ein Punktierer zu wenig und hatten auch noch 40 Spender mehr als geplant. Also Beine in die Hand nehmen und rennen! Naja, mehr als zwei Hände hatten wir deshalb auch nicht, so dass wir dann 45 Minuten überzogen haben, um Herr über die Schlange zu werden. Aber als „Entschädigung“ gab´s dann einen leckeren Apfelstrudel aus der Krankenhausküche in Oberviechtach. Samstag waren wir nachmittags Klettern und abends noch in der Stadt. Sonntag war ich dementsprechend müde und somit auch relativ unproduktiv, was die Vorbereitung auf meinen ersten Tag Doktorarbeit angeht. Immerhin habe ich herausgefunden, was der Unterschied zwischen den beiden Prothesen ist. Das CR150 ist eine sog. Highflex-Prothese, bei der der femorale Ersatz mehr dem normalen Femur entspricht. Denn im Kniegelenk mache ich ja nicht nur eine Drehbewegung, sondern auch eine Verschiebebewegung. Außerdem wird der Radius der Femurkondylen nach hinten kleiner. Und genau das ahmen die Highflex-Prothesen nach. Somit soll man, laut den Herstellern, das Knie später besser beugen können. Und genau das wollen wir überprüfen.
Also bin ich relativ unwissend am Montagmorgen um 7.30 Uhr in das Büro von meinen Doktorvater gestampft, um noch kurz dem Chef vor der Morgenbesprechung vorgestellt zu werden. Das hat dann auch geklappt, wenn es auch ein Gastspiel im Sekundenbereich war. In der Morgenbesprechung lernte ich auch die anderen Doktoranden kennen, sogar noch jemanden aus meinem Semester. Nach der sehr unspektakulären Morgenbesprechung hängt ich mich an die Fersen meines Mit-Doktoranden, der auch präoperativ unter anderem die gleichen Daten erhebt wie ich. Also gab es erstmal einen kleinen Rundgang, u.a. zur Sekretärin, von der ich für die Zeit meiner Doktorarbeit eine „Futterkarte“ bekam. Also kann ich wenigstens, wenn ich da schon jeden Tag 15 km rausfahren muss, umsonst Mittagessen. Dann schauten wir in der Zentralen Patientenaufnahme (ZPA) vorbei, wir uns, wenn die Patienten schon da waren, schon einmal die Datenaufkleber sichern konnten. Dort kann man dann auch rausfinden, auf welchem Zimmer die Patienten sind. Und so ab 12.00 Uhr kann man anfangen, seine Patienten auf den Zimmern zu suchen. Gar nicht so einfach, wenn sie nach der Aufnahme auch noch zum Röntgen, z.T. in die Rheumatologie, usw. müssen. Wenn man die Patienten dann mal erwischt, muss man sie natürlich über die Studie aufklären und sie fragen, ob sie einverstanden sind. Danach mit den Patienten einen Fragebogen durchgehen und sie schließlich noch untersuchen. Das ganze dauert im Schnitt so 20 Minuten. Am ersten Tag war leider noch kein Patient für mich dabei, aber Dienstag sah vielversprechend aus. Ich hätte gedacht, dass es viele Patienten gibt, die es ablehnen, bei der Studie mitzumachen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Super.
Der erste Tag war insgesamt noch etwas planlos, aber es wird besser. Der zweite Tag brachte 4 Patienten und heute habe ich 3 weitere Patienten für mich gewinnen können. Naja, ich bin gespannt, wie es weitergeht…