Pause

6. März 2010 geschrieben von Syringe

Liebe Leser,

wie angekündigt, breche ich morgen zu meiner großen Reise auf und kann in den nächsten fünf Wochen leider nicht für die Fortführung der Einträge garantieren. Ich würde mich allerdings freuen, wenn der eine oder andere Leser danach wieder vorbeischaut!

Ab dem 11.04.2010 geht´s weiter!

Sturm und DNA

28. Februar 2010 geschrieben von Syringe

Die Ferien nehmen ihren Lauf und schneller als man denkt, treten sogar die OSCE-Ergebnisse auf die Bildfläche. Insgesamt nicht so schlimm ausgefallen wie befürchtet, aber im Einzelfall natürlich mit jeder Menge Fragezeichen hinsichtlich der Punkte behaftet.

Ansonsten passiert auch ohne tägliches Unigeschehen eine Menge, besonders wenn der Abreisetermin für die lang ersehnte Reise näher rückt. Die einen famulieren noch heftig und erfreuen sich an wachsenden Fortschritten im Intubieren und Riesennadeln-in-Menschen-legen und finden viel Neues, Begeisterndes über den Beruf des Anästhesisten heraus.

Andere, so wie ich, doktern fleißig im Labor herum. In der letzten Woche sind endlich die letzten DNAs geschlüpft. Wie die Wortwahl zeigt, habe ich über die letzten fünf Monate ein beinahe persönliches Verhältnis zu den von mir gehätschelten Proben aufgebaut. Alles fing damit an, dass ich mit meinem Doktorvater ein Patientenkollektiv von 200 Personen ausgesucht habe. Die Fälle mussten dann katalogisiert und die eingebetteten Prostataproben aus dem Pathoarchiv herausgesucht werden. Aus besagten Proben habe ich zunächst feine Schnitte am Mikrotom hergestellt und dabei leider auch eine Zwangspause erreicht durch einen Mikrotomangriff auf meinen Finger. Parallel zum Schneiden begann im letzten Herbst mit neun unbeeinträchtigten Fingern die DNA-Extraktion. Die feinen Schnitte mussten entparaffiniert, gereinigt und über Nacht mit einer Protease versorgt werden, die sich nicht immer als kooperativ erwies. Tags darauf folgte jeweils die Extraktion, bei der sich Pipette und Zentrifuge abwechselten, da die aufgelösten Zellen in ihrer Flüssigkeit gewaschen und gefiltert werden mussten. Nach vielen kleinen Schritten kam es dann zum Höhepunkt: Frische DNA, zu deutsch DNS, in Form eines kleinen Tropfens. Es wird sich erst bei den Analyseschritten zeigen, ob ich auch sauber genug gearbeitet habe oder ob sich bei jeder zweiten Probe mein genetischer Fingerabdruck unters Volk gemischt hat.

Wenn man herausschaut aus dieser Welt im Kleinen, sieht man akut Flutwellen und Stürme, von Südmerika bis Castrop-Rauxel.

Die aktuelle Temperatur in Essen beträgt 3,7°C bei einer Windgeschwindigkeit von 46 km/h. Nächste Woche um diese Zeit wird eine Temperatur von gefühlten 37°C erwartet bei pura vida ringsherum und einer neuen Welt, die es zu entdecken gilt. Bis dahin stürze ich mich weiter in die Reisevorbereitungen, erwarte meine dritte Tollwutspritze und rücke meinem DNA-Vorrat zu Leibe.

Lesestoff

21. Februar 2010 geschrieben von Syringe

Wo fahren wir hin, Papa?

Eigentlich keine sinnige Frage in einem Medizinerblog, dessen Leser wohl mehrheitlich Nichtpapas sind. Für Jean-Paul Fournier hingegen birgt diese Frage den Schlüssel zu einem sehr großen Bucherfolg in Frankreich. Da das Werk auch in einer guten deutschen Übersetzung vorliegt, werde ich es hier diskutieren, sodass auch der französisch-unkundige Leser daran teilhaben kann.

In einem autobiografischen Ansatz werden kurze Episoden aus dem Leben des Erzählers mit seinen beiden schwerbehinderten Söhnen Thomas und Matthieu dargestellt. Es gibt keine medizinischen Details, keine Lebenstipps für den Alltag mit behinderten Kindern und auch keine aufmunternden Worte für Leser mit gleichem Schicksal. Der Erzähler rechnet vielmehr mit seinem Leben und vor allem mit seinem größten, so auch bezeichneten, Versagen ab, nämlich dem Erzeugen zweier nicht normaler Kinder. Von liebevoll-amüsanten Beschreibungen ist der Weg oft sehr kurz dahingehend, dass das Lächeln des Lesers gefriert und die Bitterkeit des Textes zuschlägt. Der Leser wird in die Situation versetzt, sich völlig unmoralisch zu verhalten, indem er über die geschilderten Situationen lacht und sich vielleicht fragt: Darf ich hier über Behinderte lachen? Und der Autor antwortet: Ja, denn ich habe es auch getan.

Da ich in diesem Semester und auch schon in früheren Praktika mit behinderten Kindern zu tun hatte, hat mich die Thematik des Buches angesprochen.  Wenn man noch nie mit behinderten Kindern zu tun hatte, stellt man sich im Vorfeld viele Fragen und ist mit gewissen Vorstellungen belastet. Wie bei allem, was man nicht kennt, herrschen im Kopf Stereotypien vor. Erst nach längeren Kontaktphasen und dem intensiveren Kennenlernen von Kindern mit verschiedenen Schweregraden der Einschränkung kommt es zu differenzierteren Vorstellungen. Für mich war beispielsweise ein Schlüsselerlebnis, dass mich ein schwerst-mehrfach behindertes Kind einen Tag nach unserem Kennenlernen wiedererkannt hat und mich über größere Distanz hinweg erkennend angelächelt hat. Dieses Erlebnis vor einigen Jahren hat meine Wahrnehmung stark verändert und ich versuche seitdem stärker, hinter die “Fassade” zu sehen.

Gerade der Umgang der Eltern mit dem behinderten Kind ist, genauso wie bei allen “Normalos”, für die Entwicklung, die Fortschritte und die soziale Interaktion entscheidend. Da ich im Vorfeld gelesen habe, dass sich der Erzähler in dem beschriebenen Buch sehr kritisch mit seiner Vatersituation auseinandersetzt, hat es mich gereizt, diese unkonventionelle Art der Verarbeitung kennen zu lernen. In anderen “Erfahrungsberichten” stehen eher die positiven Erlebnisse mit den Kindern im Vordergrund, um sich und den anderen Eltern in der gleichen Situation Mut zu machen und der Sinnsuche mit einer Antwort begegnen zu können. Fournier stellt sich auf die andere Seite und lässt seinen Ich-Erzähler die Selbstzweifel, Wut und Resignation schildern, die ihn immer wieder befallen.

Die öffentlichen Debatten um dieses Buch drehten sich oftmals um die Rolle der Mutter, da der Grat zwischen Fiktion und Realität extrem schmal gehalten und die Mutterrolle im Roman eher schlecht besetzt ist. Sie hat eine Internetseite mit einer Gegendarstellung geschaffen, woraus der Konflikt zwischen ihr und ihrem Exmann deutlich wird.

Ich empfehle dieses Buch aufgrund des ungewöhnlichen Blickwinkels, der dazu auffordert, sich mit der Thematik auseinander zu setzen und die eigene Wahrnehmung der geschilderten und auch gelebter Situationen in Frage zu stellen.

OSCE-Nachschlag

17. Februar 2010 geschrieben von Syringe

Wie angekündigt, gibt es heute die Fortsetzung des OSCE-Berichts.

Ca. zwölf bekittelte Studenten standen auf dem Flur des Lehr-Lernzentrums und harrten des nächsten Pfiffs. Meine ersten Stationen waren die der Gynäkologie. Um einen möglichst hohen Realitätswert zu ermöglichen, wurden bei verschiedenen Stationen professionelle Schauspieler engagiert, so auch hier. Es galt, bei einer Hochschwangeren herauszufinden, dass sie unter Eklampsie leidet sowie an einer Patientin eine Brustuntersuchung durchzuführen. Aber keine Bange: Die Schauspielerin musste sich nicht von jedem Studenten ihre eigenen Brüste abtasten lassen, sondern hatte ein XXL-Brustmodell vorgeschnallt, wobei man die aufkeimende Erheiterung natürlich zurückhalten musste. Diese beiden Stationen waren ok, die Atmosphäre nett. Die dritte Station hatte es hingegen in sich, da man CTGs und dazugehörige Kurzbefunde zu einer Gebärenden bewerten sollte. Man sollte hierzu erklären, dass wir zu Anfang des Semesters eine Dreiviertelstunde CTG-Seminar hatten, in dem zwei schlechte Kopien für den Kurs zur Verfügung standen, wonach man natürlich Übung im CTG bewerten hatte, kein Problem…

Darauf folgten, bei schon gedämpfter Freude, die Stationen der Kinderheilkundler. Hier konnte ich mich ausleben, da eine Mutter überzeugt werden sollte, ihr Kind impfen zu lassen. Da gehen ja über längere Zeit kaum die Argumente aus, sodass die sechs Minuten schnell gefüllt waren. Die andere Aufgabe hatte die Tücke, dass die Mutter des Kindes nicht Deutsch sprach, aber trotzdem auf die bevorstehende Untersuchung vorbereitet werden sollte. Ist ja aus dem Leben gegriffen, war aber trotzdem chaotisch, da noch eine Untersuchung, Messen des Kindes und Bewertung einer Perzentilenkurve erfolgen sollte.

Leicht verwirrt durch Perzentilen und schon zu viel Getriller kam die Allgemeinmedizin auf uns zu. Die Prüfer nahmen das Credo, nur anwesend zu sein, sehr ernst. Manche sogar noch mehr, da fast jeder von uns zickig und pampig an einer Station behandelt wurden, was wir alle als ziemlich unpassend empfanden. Eine Rückenuntersuchung und ein Asthmapatient waren machbar, wobei wir natürlich nicht wissen, was dabei an Untersuchung und Extras gewünscht war. Das Schmankerl war, ein EKG anzulegen und dann per EKG-Lineal eines auszuwerten. Überraschung!

Last but not least folgten die chirurgischen Aufgaben, ohne große Aufregung. Ein verdrehtes Sprunggelenk, ein schmerzender Rücken und eine Blutabnahme am Kunstarm. Alles bei sehr netten Prüfern, von denen man nicht gleich mit genervtem Blick begrüßt wurde, was nach dem Allgemeinmedizinteil eine willkommene Abwechslung war.

Nebenbei ist bei einem Freund ein Aufkleber verlorengegangen, der sowohl Person als auch Station angab, woraufhin es riesig Stress durch den “ärztlichen Leiter” des Ganzen gab. Es reichte allerdings nicht, dass er abfällig gegen meinen Kommilitonen wurde, er erzählte auch am nächsten Tag den Prüfungsgruppen davon. Zwar ohne Namensnennung, aber dafür mit blumig-ironischen Kraftausdrücken gespickt. Mir hatte er zwischenzeitlich im selben Ton angeboten, mich rauszuwerfen, weil ich zufällig von weitem eine spätere Aufgabe gelesen habe. Ein lustiger Typ.

Das Fazit dieses Tages: Mehrere Nächte schlechter Träume, überschäumendes Adrenalin und große Fragezeichen hinsichtlich der Erfüllung der Aufgaben. Leider kostet diese Prüfung viel Geld, es müssen viele Ärzte als Prüfer freigestellt werden und es bedeutet viel Stress für die Studenten. Es wäre erfreulich, wenn mehr als ein schlechter Eindruck zurückbleiben würde, auch um den netten und zugewandten Prüfern kein Unrecht zu tun. Alle, mit denen ich bis jetzt gesprochen habe, haben die Situation als sehr negativ erlebt und keinen Nutzen daraus ziehen können. Sehr schade.

Aber jetzt sind Ferien, die Laune steigt und die Doktorarbeit ruft. Dazu bald mehr!

Ich triller dir was – OSCE, ein Augenzeugenbericht

12. Februar 2010 geschrieben von Syringe

Um an meine Beschreibung der OSCE-Prüfungen anzuknüpfen, berichte ich heute mit frischen Eindrücken davon. Ich nehme vorweg, dass meine Befürchtungen voll erfüllt wurden.

Notfallmedizin und Anästhesie gehörten zum ersten Prüfungsblock. Hier wurden wir sehr nett eingewiesen und die Prüfungsthemen waren wie erwartet und geübt (was mich trotzdem nicht davon abhielt, ein vorgelegtes EKG nicht richtig zu erkennen – Tunnelblick…). Das einzig befremdliche war, dass der Koordinator auf dem Flur vor den Übungsräumen die Zeit per Trillerpfeife angab. Davon abgesehen, übte er aber ähnliche Kritik am OSCE-System bei uns, wie wir Studenten auch. Inmitten dem trotz allem entstandenen Stress fühlten wir uns immerhin verstanden. Ein weiteres Plus dieser Fachrichtung ist, dass sie die erzielten Ergebnisse noch diese Woche veröffentlichen wollen und nicht in erst in vier Wochen wie alle anderen.

Zu erfüllende Stationen waren hier: Airwaymanegement (Bebeuteln eines fast Bewusstlosen, dann Intubation und Absaugen), Reamination eines Dummys mit Kreislaufstillstand und EKGs sowie BGAs (Blutgasanalysen) beurteilen. Während unseres zweiwöchigen Praktikums in diesem Fach waren wir morgens im OP bei unseren Tutoren eingeteilt und konnten dort die praktischen Tätigkeiten der Anästhesisten kennenlernen und möglichst daran teilnehmen. Während der Eingriffe hatte man die Gelegenheit, mit dem Tutor bzw. der Tutorin vorgegebene Themen durchzusprechen, wie z.B. physiologische Grundlagen von Narkose und Beatmung, Ablauf einer Einleitung oder Analyse von BGAs. Ich hatte viel Glück, weil ich mit meinen Tutorinnen auf einer Wellenlinie war und mit ihnen in OP-Sälen eingeteilt war, in denen die Möglichkeit zu Unterricht bestand. Andere in meiner Gruppe hatten da etwas Pech, da zum Beispiel in der Herzchirurgie die Narkosen sehr aufwendig und intensiv zu überwachen sind und der Tutor somit nicht viel Zeit zum Erklären hat. Mal davon abgesehen, dass die Stimmung dort in einigen OPs so eisig zu sein scheint, dass Anästhesist und Student besser nicht sprechen, um nicht den Unmut aller Umstehenden auf sich zu ziehen.  Am Anfang der Woche schrieben wir unsere einzige Klausur, die die Anästhesisten mit dem Schwerpunkt Notfallmedizin stellten. Es boten sich uns auf dem Papier Unfallszenarien oder Notarzteinsätze, zu denen Fragen gestellt wurden. Ich fand es recht knifflig, aber es ist alles gut, die Ergebnisse sind schon da. Wie erwartet, war dieses Prüfungsfach nicht das “Sorgenkind”, sondern ein Beispiel dafür, wie es sinnvoll ablaufen kann.

Nach den ersten Prüfungen des Tages sickerten langsam Informationen zu den anderen Prüfungsfächern Chrirurgie, Pädiatrie, Gynäkologie und Allgemeinmedizin durch. Im Vorfeld rankten sich die größten Mythen und Befürchtungen um Allgemeinmedizin, weil dort regelmäßig die meisten Studenten durchfallen und Pädiatrie, weil wir die Ersten waren, die in diesem Fach geprüft wurden. In der Stunde zwischen Notfallmedizin und dem Rest, der als Parcours in einem anderen Gebäude zu absolvieren war, brach geschäftige Panik aus. Schnell wurden in der Bib die letzten Gyn-Bücher zusammengesucht und irgendwie versucht, die CTG-Beurteilung zu verstehen und am besten noch zu verinnerlichen. Die Prüflinge von morgens trugen uns zu, dass wir, anstelle der üblichen vaginalen Untersuchung am Modell, das Schmankerl einer CTG- sowie Geburtsverlaufsbeurteilung erhalten. Dazu später mehr.

Irgendwann war die Stunde um und es galt, pünktlich im Lehr- und Lernzentrum zu erscheinen, wo uns ein ehemaliger Mitstudent in unsere Aufgaben einwies. Für ihn war diese Aufgabe betont langweilig, was uns allerdings nicht viel half, da unsere Nerven mittlerweile sehr angespannt waren. Im Vorraum zu den Prüfungen dann also noch letzte (für mich hoffentlich rettende) Blicke in die Bücher, dann hatte man sich an seinem Parcourspunkt zu platzieren. Und wehe, man war angesichts des verwinkelten Flurs und des eigenen Adrenalinüberschusses verwirrt. Kaum platziert, gellte die Trillerpfeife durch das Haus und gab den Start der ersten Aufgabe an. Ein Pfiff: Sechs Minuten, um außen an der Tür zu lesen, was zu tun ist (es bestenfalls zu verstehen) und um alles umzusetzen. Zwei Pfiffe: Etwa eine halbe bis eine Minute, um sich von der Aufgabe zu lösen, sich zu verabschieden, seine Identifikationsaufkleber mitzunehmen und sich vor der nächsten Tür zu platzieren. Bei längeren Distanzen zur nächsten Aufgabe ist auch das Rennen dorthin üblich.

Also: Auf die Plätze – fertig – Fortsetzung folgt…

Das große Krabbeln

7. Februar 2010 geschrieben von Syringe

Um die Semesterferien zu füllen, gibt es nebst jobben und Famulaturen auch noch die Möglichkeit des Reisens. Nach langem Sparen und Überlegen steht nun eine Fernreise an und was könnte näher liegen, als einen Reisemediziner zu besuchen?

Hier in Essen gibt es die Möglichkeit, sich im Institut für Hygiene und Arbeitsmedizin oder bei den Virologen beraten und womöglich gleich impfen zu lassen. Meine Reisepartnerin, bereits südamerikakundig  und ich, eher unkundig, hatten also einen Termin. Etwa viereinhalb Wochen vor Reisebeginn ist es etwas knapp, besser wäre es, wenn man sich länger vor Abreise darum kümmert. Das Ziel heißt Costa Rica, doch bevor die Reise thematisiert wird, werden zunächst die Impfpässe gecheckt. Nach der üblichen Verwirrung durch mehre Pässe pro Person und nicht eingetragene Impfungen, an die man sich doch eigentlich erinnert, ist der Impfstatus erhoben und für gut befunden worden. Nebenbei erfahre ich, dass die Menschen, die nur einmalig gegen Masern geimpft sind, einen großen Teil zur Nichtausrottung dieser Erkrankung beitragen (einfach mal in den Impfpass schauen…).

Costa Rica: Pura vida, Artenreichtum und Vulkanismus in Mittelamerika. Kurze Assoziationen, die das Land für Reisende hervorruft. Fragt man einen Reisemediziner, sieht die Sache natürlich anders aus. Neben den Standardimpfungen sollte man hier an Typhus denken und auch an Tollwut. Gegen beides kann und sollte man impfen, denn bei Tollwut kann nur die vollständige Impfung sicher helfen. Bei einem Teilschutz sind bis jetzt ganze zwei Personen bekannt, die gerettet werden konnten. Schwerst geistig behindert zwar, aber immerhin. Nach diesen Aussichten hat man schon fast freiwillig den Oberarm entblößt, um das rettende Serum zu erhalten.

Damit aber noch nicht genug. Ob tags- oder nachtsüber, am Strand oder in der Stadt, lauern natürlich gefühlte tausend verschiedene Sorten Mücken, die nur auf das köstliche Urlauberblut warten und ausgehungert sogar ignorieren, ob sie laut Literatur tag- oder nachtaktiv sind. Selbstverständlich sind sie wiederum infiziert, wobei man sich von Leishmaniose (Sandmücken) bis Denguefieber (Aedes aegypti) eine Krankheit aussuchen kann. Falls man vor Sorge doch noch in den Schlaf kommt, rücken dann bissige Horden fingerlanger Wanzen an, von denen man angezapft und mit einer neuen Krankheit angesteckt wird, indem man den beim Blutsaugen abgesetzten Kot in die Wunde kratzt. Hatte ich das lokale Malariarisiko erwähnt?

Mit leichter innerer Unruhe nahmen wir die Rezepte für die Malaria-Standby-Medikation (Chloroquin) sowie die Tollwutimpfung mit. Die Typhusimpfung gab es direkt vor Ort, welche – wie angekündigt – sehr gut verträglich ist. Schon fast auf dem Weg nach draußen folgte auf dem Flur noch ein letzter, aber nicht zu vernachlässigender Appell: Venerische Erkrankungen gibt es überall auf der Welt, egal wie charmant der Umwerber auch sein mag, man solle sich hüten. A propos hüten, der reine Gedanke an Verhütung schützt vor Schwangerschaft noch lange nicht. Anhand einiger Geschichten, in denen Studenten mit einer neuen Familie aus dem Urlaubsland kamen, wurden diese väterlichen Warnungen untermauert.

Ausführlich beraten, leicht verunsichert, aber trotzdem guter Dinge verließen wir das Institut nach einer Stunde und waren uns sicher: Wenn wir ohne schwere Körperschäden, bei vollem Verstand und mit leerem Uterus zurückkommen, haben wir doch schon einiges erreicht!

Das Semester endet- ein Blog beginnt…

1. Februar 2010 geschrieben von Syringe

Ein herzliches Willkommen aus der neuen kulturellen Metropole im Ruhrpott!

Die Einkaufsstadt ist auf der Suche nach ihrer kulturellen Identität und mein Semester und ich suchen bis zuletzt nach dem Masterplan für´s Blockpraktikum.  Die Tage sind gezählt: Die letzte Semesterwoche ist angebrochen und bietet die Herausforderung, die über Monate gestapelten Laufzettel, Epikrisen und Untersuchungsprotokolle zur richtigen Zeit bei den richtigen Personen abzugeben. Währenddessen strecken wir langsam die Fühler nach der berühmt-berüchtigten OSCE-Prüfung aus.

Wer OSCE nicht kennt, dem sei eine kurze Erklärung gegeben. Hinter dem Kürzel verbirgt sich “Objective Structured Clinical Evaluation”, was soviel heißt wie: Bewältige einen standardisierten Parcours aus medizinischen Aufgaben und erhalte dafür eine Bewertung. Die Objektivität wird dadurch gewährleistet, dass der Prüfer eine Liste hat, auf der erledigte Aufgaben mit Punkten bedacht werden. Nähere Infos hier. Bei uns in Essen ist es so, dass wir die zu erfüllenden Kriterien nur teilweise kennen und die Prüfung ohne Feedback abläuft. Der Lerneffekt ist daher mäßig gut, da du ca. vier Wochen später deine Punktebewertung einsehen kannst und dich weder an die genaue Situation erinnerst noch eine Idee hast, wofür es Punkte gab. An anderen Unis wird es eher nach dem Erkenntnissystem gehandhabt, sodass nach der Aufgabe eine Rücksprache zwischen Prüfer und Prüfling erfolgt.

Lebensbejahende Erkenntnisse unserer Seminare hinsichtlich OSCE waren zum Beispiel: Wärme dein Stethoskop an, bevor du es dem Patienten auf die Brust setzt. Wenn der Patient umgeknickt ist, mach nicht zuerst den Test, wie weit das Gelenk aufklappt. Setze deine Hautnaht so, dass möglichst nicht eine einzige große Nekrose daraus entsteht. Mach die Tür zu, wenn dein Patient nackt ist. Bei der vaginalen Untersuchung sollte die Patientin zuerst dich und dann die Spekula kennenlernen.  Dann kann doch eigentlich nicht mehr viel schief gehen, oder??

In diesem Sinne: Viel Spaß mit dem Sinn und Unsinn, über den ich live aus der Kulturhauptstadt berichten werde!

Willkommen

7. April 2009 geschrieben von admin

Willkommen zu einem weiteren Blog von MEDI-LEARN!