Wie angekündigt, gibt es heute die Fortsetzung des OSCE-Berichts.
Ca. zwölf bekittelte Studenten standen auf dem Flur des Lehr-Lernzentrums und harrten des nächsten Pfiffs. Meine ersten Stationen waren die der Gynäkologie. Um einen möglichst hohen Realitätswert zu ermöglichen, wurden bei verschiedenen Stationen professionelle Schauspieler engagiert, so auch hier. Es galt, bei einer Hochschwangeren herauszufinden, dass sie unter Eklampsie leidet sowie an einer Patientin eine Brustuntersuchung durchzuführen. Aber keine Bange: Die Schauspielerin musste sich nicht von jedem Studenten ihre eigenen Brüste abtasten lassen, sondern hatte ein XXL-Brustmodell vorgeschnallt, wobei man die aufkeimende Erheiterung natürlich zurückhalten musste. Diese beiden Stationen waren ok, die Atmosphäre nett. Die dritte Station hatte es hingegen in sich, da man CTGs und dazugehörige Kurzbefunde zu einer Gebärenden bewerten sollte. Man sollte hierzu erklären, dass wir zu Anfang des Semesters eine Dreiviertelstunde CTG-Seminar hatten, in dem zwei schlechte Kopien für den Kurs zur Verfügung standen, wonach man natürlich Übung im CTG bewerten hatte, kein Problem…
Darauf folgten, bei schon gedämpfter Freude, die Stationen der Kinderheilkundler. Hier konnte ich mich ausleben, da eine Mutter überzeugt werden sollte, ihr Kind impfen zu lassen. Da gehen ja über längere Zeit kaum die Argumente aus, sodass die sechs Minuten schnell gefüllt waren. Die andere Aufgabe hatte die Tücke, dass die Mutter des Kindes nicht Deutsch sprach, aber trotzdem auf die bevorstehende Untersuchung vorbereitet werden sollte. Ist ja aus dem Leben gegriffen, war aber trotzdem chaotisch, da noch eine Untersuchung, Messen des Kindes und Bewertung einer Perzentilenkurve erfolgen sollte.
Leicht verwirrt durch Perzentilen und schon zu viel Getriller kam die Allgemeinmedizin auf uns zu. Die Prüfer nahmen das Credo, nur anwesend zu sein, sehr ernst. Manche sogar noch mehr, da fast jeder von uns zickig und pampig an einer Station behandelt wurden, was wir alle als ziemlich unpassend empfanden. Eine Rückenuntersuchung und ein Asthmapatient waren machbar, wobei wir natürlich nicht wissen, was dabei an Untersuchung und Extras gewünscht war. Das Schmankerl war, ein EKG anzulegen und dann per EKG-Lineal eines auszuwerten. Überraschung!
Last but not least folgten die chirurgischen Aufgaben, ohne große Aufregung. Ein verdrehtes Sprunggelenk, ein schmerzender Rücken und eine Blutabnahme am Kunstarm. Alles bei sehr netten Prüfern, von denen man nicht gleich mit genervtem Blick begrüßt wurde, was nach dem Allgemeinmedizinteil eine willkommene Abwechslung war.
Nebenbei ist bei einem Freund ein Aufkleber verlorengegangen, der sowohl Person als auch Station angab, woraufhin es riesig Stress durch den “ärztlichen Leiter” des Ganzen gab. Es reichte allerdings nicht, dass er abfällig gegen meinen Kommilitonen wurde, er erzählte auch am nächsten Tag den Prüfungsgruppen davon. Zwar ohne Namensnennung, aber dafür mit blumig-ironischen Kraftausdrücken gespickt. Mir hatte er zwischenzeitlich im selben Ton angeboten, mich rauszuwerfen, weil ich zufällig von weitem eine spätere Aufgabe gelesen habe. Ein lustiger Typ.
Das Fazit dieses Tages: Mehrere Nächte schlechter Träume, überschäumendes Adrenalin und große Fragezeichen hinsichtlich der Erfüllung der Aufgaben. Leider kostet diese Prüfung viel Geld, es müssen viele Ärzte als Prüfer freigestellt werden und es bedeutet viel Stress für die Studenten. Es wäre erfreulich, wenn mehr als ein schlechter Eindruck zurückbleiben würde, auch um den netten und zugewandten Prüfern kein Unrecht zu tun. Alle, mit denen ich bis jetzt gesprochen habe, haben die Situation als sehr negativ erlebt und keinen Nutzen daraus ziehen können. Sehr schade.
Aber jetzt sind Ferien, die Laune steigt und die Doktorarbeit ruft. Dazu bald mehr!